„Mutter sein ist der härteste Job der Welt“ und andere Lügen

Zitat Marguerite DurasMutter sein kann schon allein deswegen nicht der „härteste Job der Welt“ sein, Craze distractedweil es gar kein Job ist. Ganz ruhig, liebe Mütter, nicht gleich beim ersten Satz Schnappatmung bekommen, Ihr braucht Eure Empörung bestimmt weiter unten noch.

Wäre Mutterschaft ein Job, wäre ich die letzten zwanzig Jahre meines Lebens bezahlt worden, hätte gesetzlich geregelte Urlaubstage gehabt und hätte mich ab und zu morgens krankmelden können.

Super Martyr Die meisten der Stay-at-home-Moms (SAHMs, also nicht-berufstätige Mütter) sehen das natürlich anders. Ich habe kürzlich eine Doku über Gandhis letzte Jahre gesehen und ich kann Ihnen sagen, sein Gesichtsausdruck in den letzten Tagen seines Hungerstreiks ist nichts gegen das moderne Märtyrertum der Mütter unserer Generation.

Sick of AskingDabei ist Mutterschaft eine selbst gewählte Freizeitbeschäftigung, ein Hobby, wenn man so will. Ja, es ist verdammt nervenaufreibend und bringt einen an seine geistigen und körperlichen Grenzen, aber das gilt auch für die Vorbereitung auf einen Marathonlauf, die Hochzeitsplanung, sein Haus zu renovieren, den Jakobsweg zu gehen oder Kokain zu schnupfen (der Verbrauch an Papiertaschentüchern ist bei Müttern und Kokainsüchtigen übrigens ungefähr gleich), und das sind auch alles keine Jobs.

Stay-at-home-momsIch kann verstehen, dass Frauen, die nicht arbeiten, das Gefühl haben, ihre Tätigkeiten zuhause unbedingt aufwerten zu müssen. Bei meinen ältesten beiden war ich auch zuhause und ich weiß noch, dass ich ständig das Gefühl hatte, der Gesellschaft meinen Beitrag schuldig zu bleiben. Es gibt kein Rezept aus der New York Times, das ich nicht nachgekocht habe; auf meinem Küchenboden hätte ich Ihnen den Blinddarm entfernen können und Sie wären vielleicht an der OP, aber ganz sicher nicht an einer Infektion gestorben; und es gibt eine Holzbank auf dem Central Park Heckscher Spielplatz, die definitiv einen Abdruck in der Form meines Hinterns hat. Ich schwöre, diese Bank seufzt leise „Schon wieder?“ wenn sie mich kommen sieht. Wir kennen uns. We go way back.

PainDas Härteste beim Großziehen meiner Kinder waren die Krabbelgruppen, weil Kinder unter zwei Jahren leider meistens in Begleitung ihrer Eltern erscheinen. Bei einem Treffen von Kriegsveteranen kann es kaum dramatischer zugehen, als wenn acht Mütter mit acht Kindern in einem Raum sind: post-traumatisches Stresssyndrom nach der Entbindung (wer hätte gedacht, dass es so schmerzhaft ist, etwas von der Größe einer Bowlingkugel aus sich heraus zu drücken?), post-natale Depression (wer hätte gedacht, dass ein Kind doch nicht die Antwort auf alle Beziehungsprobleme ist?) und totale Erschöpfung (wer hätte gedacht, dass die Bowlingkugel ständig plärrt?) sind die dominierenden Themen. Ich habe erlebt, wie Frauen, die jahrelang ihre ganze Energie und tausende von Dollar in eine Kinderwunschbehandlung investiert haben, bereits sechs Wochen nach dem positiven Schwangerschaftstest darüber jammerten, wie unerträglich ihre Rückenschmerzen seien. Jammern ist zum definierenden Merkmal der Mutterschaft geworden, und das (nicht nur, aber vor allem) von den Vollzeitmüttern, weil sie die meiste Zeit dafür haben. Sie unterliegen dem Irrglauben, ihr Gejammere würde die Umwelt dazu bringen, mehr Achtung vor ihrer angeblich so hehren Leistung zu haben, denn sie haben ja schließlich den „härtesten Job der Welt“. Uuuuh, sie hat gestern nur drei Stunden geschlafen weil das Kind einen Magen-Darm-Virus hatte….. Unglaublich beeindruckend, oder? Denn die Kinder von berufstätigen Müttern schlafen ja grundsätzlich immer durch und haben auch nie Bauchweh. Berufstätige Mütter müssen auch nie einkaufen, kochen, Wäsche waschen oder ihre Kinder erziehen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will hier nicht gegeneinander aufwiegen, was das bessere Konzept für ein Kind ist: die berufstätige Mutter oder die SAHM, denn ich bin der Ansicht, dass beides durchaus Vor- und Nachteile hat. Running AsylumDas SAHM-Konzept beruht jedoch auf der Annahme, dass Sie am allerbesten für Ihr Kind sind, weil Sie ja die „Mutter“ (der Begriff allein verursacht eine ehrfürchtige Gänsehaut, nicht wahr?) sind. Ich persönlich bin der Ansicht, dass Mutterschaft allein kein großer Verdienst ist (jedes Jahr werden 12-jährige oder 60-jährige schwanger, deren pädagogische Fähigkeiten ich ernsthaft in Zweifel ziehe), die bloße biologische Fähigkeit, sich fortzupflanzen, ist in meinen Augen also noch kein Sozialpädagogikdiplom. Ihre narzisstische Annahme, dass keiner Ihr Kind so gut erziehen kann, wie Sie selbst, legt Sie mir ehrlich gesagt nun auch nicht gerade näher ans Herz. Ich bin der Ansicht, dass in vielen Fällen ein gewisses erzieherisches „Outsourcing“ durchaus nicht schadet. Meinen beiden großen Kindern hätte es gut getan, denn ich erkenne ganz deutlich, dass ich mit meiner Überproduktivität, mit meinem Überengagement und meiner absoluten Unausgeglichenheit und Unsicherheit Schwächen an sie weiter gegeben habe, die meine kleine Tochter, die mich als arbeitende Mutter kennt, nicht hat. Damit will ich keinesfalls sagen, dass ichLet me have fun now diese Jahre zuhause bereue. Ich konnte jeden Tag ganz für meine Kinder da sein und das war ein großes Privileg, wohlgemerkt aber in erster Linie für mich und erst in zweiter (wenn überhaupt) für meine Kinder. Ich habe mich um alle Arzttermine gekümmert, ich war auf allen Elternabenden, ich habe so viele Kekse gebacken, dass wir sie an Enten verfüttert haben (echte Manhattaner Enten haben Ansprüche) und ich war immer zuhause, um Pakete für unsere Nachbarn anzunehmen. Aber war das ein harter Job? Ich denke, jedem, der schon einmal eine Doktorarbeit geschrieben hat, Streifenpolizist war, Nachtdienst im Altenheim hatte, am Bau eines Wolkenkratzers mitgearbeitet hat, morgens um 5 Uhr auf den Großmarkt musste oder Backgroundsänger bei Mariah Carey war, ist klar, dass es ein Luxus ist, eine SAHM zu sein; eine ehrenvolle Aufgabe, ein ganz und gar respektabler Lifestyle, aber keine Karriere.

ToDo Liste

Sie haben nicht den härtesten Job der Welt, sie haben ein Hobby. Eines, das nachts schreit, Apfelmus an die Wand schmiert und Ihnen mit fünfzehn Geld aus dem Geldbeutel klaut, um Zigaretten (wenn Sie Glück haben) zu kaufen, aber es ist dennoch ein Hobby. Ihres (Gott sei Dank). Tinke on the pottyUnd zwar ein selbst gewähltes. Also bitte, Schluss mit dem Gejammer, es setzt nämlich unser ganzes Geschlecht herab und führt in keiner Weise dazu, dass unsere Leistung zuhause mehr anerkannt wird, sondern, im Gegenteil, verstärkt den Eindruck vieler Männer, dass Frauen ja schon von einem Kind überfordert sind, wie können sie da in der freien Wirtschaft bestehen? Haben Sie ein wenig Selbstachtung, verschonen Sie die Umwelt mit Geschichten über Ihre geschwollenen Beine, Glutenallergien, Babyschwimmkurse, Erschöpfungszustände….. Schlafen Sie am besten in der Zeit, in der Sie bisher gejammert haben, dann ist uns allen geholfen.

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