Kennen Sie eigentlich … Dell Williams?

Ich sollte keine Werbung für andere Sex Shops machen, aber wenn Sie jemals in New York City sind, dann besuchen Sie bitte Eve’s Garden; zwischen Carnegie Hall und Central Park, 57. Straße, fast versteckt im 12. Stock eines Bürogebäudes, verbirgt sich ein Juwel. Der Name kam bei der Gründung 1974 zustande, weil „Eve“ ein Sinnbild für alle Frauen (die Urfrau sozusagen) ist und der Garten symbolisiert, dass Frauen die Verantwortung für ihre eigene Sexualität übernehmen müssen.

Dell Williams Leben hat sich für immer verändert, als sie Anfang der Siebziger Jahre an einem Body/Sex Workshopbei Betty Dodson teilnahm, in dem Frauen die Kunst der Selbstbefriedigung lernten. Nach dem Workshop wollte Dell sich bei Macy’s einen Vibrator kaufen und fragte dort einen der Verkäufer nach einem „Massagestab“. Dieser stellte ihr dann eine Reihe unangenehmer Fragen, wofür sie ihn denn benutzen wolle usw. und Dell verließ unverrichteter Dinge das Kaufhaus. In diesem Moment beschloss sie, einen Ort zu schaffen , an dem sich Frauen ohne Scham, ohne Scheu, ohne sich rechtfertigen zu müssen und vor allem mit fachmännischer Beratung Hilfsmittel für ihre sexuelle Befriedigung kaufen können. Die ersten Jahre waren hart, Dell verkaufte von ihrem Wohnzimmer aus, alle großen Zeitschriften weigerten sich, ihre Werbeanzeigen zu drucken, aber Dell war es gewohnt gewesen, Hürden zu überwinden. Dell WilliamsGeboren im August 1922 schlug sie sich jahrelang als Schauspielerin durch und trat dann 1945 der Army bei, wo sie dem „Entertainment Officer“ zugeteilt wurde, um die Truppen an der Front zu unterhalten. Nach ihrer Zeit bei der Army wurde sie Buchhalterin, nicht weil sie ein besonderes Interesse an dieser Tätigkeit gehabt hätte, sondern einfach nur weil man ihr beständig sagte, Frauen könnten keine Buchalter sein. 1949 las sie das Buch „Die Funktion des Orgasmus“ von Wilhelm Reich und beschäftigte sich von da an intensiv mit der weiblichen Sexualität. In ihrer Autobiographie „Revolution in the Garden“ schreibt sie „It has long been my unassailable belief that orgasmic women can change the world. By this I mean that a woman who is unfettered sexually is unfettered politically, socially, economically and she is unstoppable.” Bis zu ihrem Tod im März 2015 vertrat sie vehement die Ansicht, dass regelmäßige Orgasmen (auch und vor allem mit sich selbst) befreien, das Ich ins Gleichgewicht bringen, die weibliche Unabhängigkeit fördern, uns bereit für ein erfülltes Sexleben mit unseren Partnern machen. Lange Zeit verteilte sie sogar Werbebuttons  mit dem Slogan „An Orgasm A Day keeps The Doctor Away“ (Jahre später hat die Cosmopolitan das als Back Cover übernommen). In unserem heutigen Zeitgeist geht das völlig verloren, wir müssen alle immer zufrieden und befriedigt erscheinen, wir sind ständig glücklich, ständig sexuell aktiv, ständig gefragt, begehrt, gebraucht – oder zumindest damit beschäftigt, den Schein zu wahren. Dabei ist unsere Sexualität auf dem besten Wege zurück auf eine Ebene zu schrumpfen, in der sie fast schon wieder tabu ist.

Mittlerweile ist Eve’s Garden einer der erfolgreichsten Sex Shops der Vereinigten Staaten, eine Art wunderschöne Boutique für ganz besonderes Spielzeug, mit großen Lesezimmern und einer ganz besonderen Atmosphäre. Gehen Sie vorbei oder bestellen Sie online, denn wie sagte Dell immer: „Vibrators are a girl’s best friend, not diamonds!”

Buchtipp: Revolution in the Garden – ISBN 1596370386

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