Kennen Sie eigentlich … Minna Salami?

Kennen Sie diese „Mom Blogs“, die zu tausenden unkontrolliert aus dem Boden schießen wie Unkraut, geführt von gelangweilten, unterforderten Teilzeit-Müttern, von denen jede einzelne ihre ureigenen Gedanken, Ideen und Probleme für so absolut individuell hält, dass die Welt (also wir) via Blog einfach die Gelegenheit bekommen muss, daran teilzuhaben? Da werden hitzige Diskussionen zum Thema Stoffwindeln vs. Pampers geführt, Bilder von selbst genähten Kinderkissen gepostet, Ratschläge erteilt, wie man eine Väschensammlung möglichst wirkungsvoll arrangiert oder dass die Farbe Grau eigentlich unverzichtbar ist, wenn man sich den Anschein geben will, Stil zu haben und nicht „wie alle“ (igitt!) zu sein.

Minna SalamiMinna Salami hat keinen dieser Blogs. Minna hat MsAfropolitan gegründet, einen der wenigen sinnvollen Blogs der aktuellen virtuellen Welt. Sie bekommen bei ihr weder Kürbiskuchenrezepte, noch Basteltipps für Kastanien, noch Empfehlungen für skandinavische Möbeldesigner, Minnas Schwerpunkte liegen etwas anders. Ihr Blog befasst sich mit Feminismus, Identität, Rassismus, Popkultur, Politik. Also mit Themen, von denen sie weiß, dass sie sehr viel weniger Klicks bekommt, als würde sie Ihnen sagen, wie man sich selbst eine Kindergarderobe schreinert, aber sie ist eine dieser wenigen Frauen, die nicht populär sein wollen, und das macht sie (zumindest in meinen Augen) unverzichtbar für unsere Kultur. Sie schreibt phantastische Essays über das Frausein in unserer Zeit, über die politischen Zusammenhänge der anti-feministischen Schiene, die Frauen heutzutage wieder einschlagen, über Kleingemachtwerden aber eben auch über das freiwillige Selbstkleinmachen, das so viele Frauen heute wieder praktizieren mit ihren Ergüssen darüber, wie erfüllend es ist, hinter ihren Männern zu stehen (und Väschen zu arrangieren, das sollten wir nicht vergessen). Minna ist finnisch-nigerianischer Abstammung, wunderschön, hat bereits in Nigeria, Schweden, Spanien, New York und London gelebt, sie ist unter den „40 African Changemakers under 40“ gelistet und unter den „Top 100 Most Influential Black People on Digital/Social Media“. Ihr Blog hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, ihre politischen Kommentare werden regelmäßig in führenden Zeitungen veröffentlicht und sie hält Vorlesungen an zahlreichen Universitäten. Ach ja, und sie ist keine Mutter und keine Ehefrau. Will beides auch nie werden. Bitte lesen Sie ihren Blog trotzdem.

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