Kennen Sie eigentlich … Gao Yaojie?

Gao Yaojie ist eine chinesische Gynäkologin, geboren 1927 in der Shandong Provinz und heute meist bekannt unter ihrem Kosenamen „AIDS Granny“. Sie arbeitete lange Zeit im „Henan Chinese Medicine Hospital“, dem Schauplatz des sog. Bloodhead Skandals, der in den 90er Jahren zu einer Flut an HIV-Infizierungen in China führte. Es war in China lange Zeit üblich, dass die arme Landbevölkerung zum Blutspenden ins Krankenhaus kam, wo die Spender für ihre Blutabgabe bezahlt wurden. Das Blut aller Spender wurde in einen gemeinsamen (!) Tank gepumpt, das wertvolle Plasma herausgefiltert und die Rückstände des Blutes wurden wieder an Spender derselben Blutgruppe zurückgegeben, damit sie möglichst rasch wieder zu Kräften kamen und erneut spenden konnten.

Gaos Kreuzzug begann Mitte der 90er Jahre, als sie bereits pensioniert war. Nie ein Liebling des Regimes, hatte die Mutter von drei Kindern bereits ein Jahr in einem Arbeitslager als politische Gefangene verbracht, weil sie eine gebildete, politisch aktive Frau war, die auch immer wieder die grausame Ein-Kind-Politik und die Maßnahmen deren Durchsetzung hinterfragte. In den 90ern begann sie eine lange Reise durch die ländlichen Gegenden Chinas und entdeckte Dörfer, in denen die Infektionsrate bei 40% und höher lag. Selbst finanzierte Aufklärungskampagnen waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ständig mit der Angst einer neuen Inhaftierung verbunden. Die Volksrepublik erkannte tatsächlich erst im Jahre 2003 öffentlich an, dass AIDS in China existierte, zu einem Zeitpunkt, zu dem bereits mehrere Millionen Chinesen infiziert waren.

Gao etablierte auf eigene Kosten eine Zeitschrift „Knowledge of AIDS Prevention“ und publizierte 15 Ausgaben mit einer Auflage von über 500.000 Stück. Sie kaufte auch Medizin für Erkrankte oder sandte ihnen per Post Bargeld zu, wenn sie zu weit weg lebten. Im Herbst 2001 führte sie eine Umfrage zum Thema AIDS-Aufklärung in China durch und stellte fest, dass weniger als 15% der Erwachsenen über die Übertragungsarten des Virus informiert sind, fast keiner wusste, dass die Krankheit durch die Blutspende übertragen werden kann.

Für die enormen Ausgaben nutzte sie Geld, das sie durch Auszeichnungen aus dem Ausland gewann (sofern die Regierung ihr erlaubte, diese Auszeichnungen entgegenzunehmen, des Öfteren wurde sie auch „unter Hausarrest“ gestellt, um sie davon fernzuhalten) und ihr Erspartes. Auch ihr Buch „The Prevention of AIDS / Veneral Desease“ veröffentlicht sie auf eigene Kosten und verteilt täglich bis zu hundert kostenlose Exemplare. 2009 schließlich flieht sie endgültig aus China und verbringt ihren Lebensabend dort, wohin jede 82jährige Dissidentin, die Angst vor einem chinesischen Arbeitslager hat, hingehen sollte: Manhattan. In ihrer frisch renovierten Zwei-Zimmer-Wohnung funktioniert die Heizung, sie hat einen Lift und einen Supermarkt um die Ecke. Ihr Lebensstandard ist definitiv besser als in China, und trotzdem vermisst sie ihre Heimat jeden Tag. Sie arbeitet Tag und Nacht an einem umfassenden Manuskript, der Kulmination ihres Lebenswerkes, das sie unbedingt veröffentlichen will, ehe sie stirbt. Sie will nicht ruhig werden, nicht den Mund halten, nicht schweigen, sondern wieder und wieder darauf aufmerksam machen, dass die ganz große Mehrheit der chinesischen AIDS-Kranken Opfer einer kriminellen Regierung sind. Zehn Millionen, das ist die Zahl, die sie jedem entgegenruft, der ihr zuhört, zehn Millionen Erkrankte und Tote hat das ignorante Regime auf dem Gewissen. Und bis zu ihrem Tod wird sie weiterhin  jeden Cent dafür ausgeben, ihnen zu helfen.

Gao Yaojie: Physician, Grandmother, and Whistleblower in China’s Fight Against HIV/AIDS (Taschenbuch)


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