Die bereute Mutterschaft und andere Tabus

ZitatManchmal lesen wir von Teenagerinnen, die auf Bahnhofstoiletten ihr Baby zur Welt bringen und es dann einfach zum Sterben liegen lassen. Wir lesen von Frauen, die heimlich zuhause entbinden und ihren Säugling in Blumentöpfen auf dem Balkon begraben. Wir lesen über Frauen, die ihre Kinder vernachlässigen, zu keiner Impfung bringen, sie nicht in die Schule schicken, ihnen kein Essen geben. Wir schütteln fassungslos die Köpfe. Was stimmt nur nicht mit diesen Frauen? Wie kann man nur? Und in unserer Empörung werden wir selbst zu viel besseren Müttern; vergessen ist der Dienstag letztes Jahr, an dem wir so gestresst waren, dass uns die Hand ausgerutscht ist oder der Donnerstag vor vier Wochen, an dem wir so wütend waren, dass wir unser Kind mit Schimpfwörtern belegt und für eine Viertelstunde ins Bad gesperrt haben.

Wir sind immer noch gute Mütter, denn es könnte ja viel schlimmer sein, wir könnten ja wie eine dieser Frauen sein….

go ahead judge

Vor einigen Monaten veröffentlichte die israelische Soziologin Orna Donath eine Studie  über etwas, was seither unter #regrettingmotherhood unsere virtuelle Welt flutet und seit Brechts Mutter Courage so ziemlich die erste ernstzunehmende kritische Auseinandersetzung darstellt mit dem kulturellen Konstrukt, das wir verklärt „Mutterschaft“ nennen. Dreiundzwanzig Frauen im Alter von Mitte 20 bis Mitte 70 aus unterschiedlichen sozialen Schichten werden in der Studie vorgestellt, keine von ihnen hat je Verhaltensauffälligkeiten gezeigt, wurde psychologisch behandelt oder stammt aus einem Problemmilieu. Frauen wie du und ich und gemeinsam haben sie nur eine einzige Sache: wenn sie die Uhr zurück drehen könnten, würden sie sich gegen ihre Kinder entscheiden. Sie lieben ihre Kinder, darin sind sich alle einig, worunter sie leiden ist die Mutterschaft an sich. Zum ersten Mal sprechen Frauen laut aus, dass es möglich ist, seine Kinder zu lieben und dennoch zu bereuen, sie je bekommen zu haben.

regret

Alles dürfen wir bereuen, den Kauf eines teuren Laptops, dessen Akku immer gleich leer ist, den Bau eines Hauses, dessen Keller feucht ist, eine Operation, deren Narbe nie ganz verheilt, ein exotisches Gericht im Urlaub, nach dem wir tagelang gekotzt haben, eine Ehe, die schon nach wenigen Monaten unglücklich war, eine Karriere-Entscheidung, für die wir teuer bezahlt haben, ein One-Night-Stand, der im Drama endete….. All das zu bereuen ist legitim. Aber die Entscheidung, die im Leben einer Frau den größten Einschnitt darstellt, dürfen wir nicht bereuen, dabei ist ihr Ergebnis am allerwenigsten vorher abzusehen, am allerwenigsten planbar.

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, wurde ich ungefragt ständig darauf aufmerksam gemacht, dass das Leben nun bald zu Ende sei, ich könne mir gar nicht vorstellen, wie sehr sich alles verändern würde, alles drehe sich bald nur noch um das Kind. „Schlaf so viel du kannst, die nächsten Jahre wird Schlaf ein Fremdwort sein“, meinten ältere Arbeitskollegen, deren Kinder längst studierten, jovial grinsend.

I love sleep

Andere Mütter erzählten von Brustwarzenentzündungen, Elternabenden, Milchstau, Kita-Streik, Koliken, Schulverweisen, Wutausbrüchen….. Es ist eine Art Sport, sich gegenseitig darin zu übertrumpfen, was man mit seinem Nachwuchs alles durchlitten hat und am heldenhaftesten ist der, der das meiste mitgemacht hat und trotzdem nach all dem Gejammer noch ein „Aber das nimmt man ja alles gerne in Kauf, Kinder geben einem ja soo viel zurück!“ hinterherschiebt. Das ist das entscheidende: man darf (und soll) jammern (und seien wir ehrlich, in der Ersten Welt jammern Mütter auf hohem Niveau!), aber das heißt nicht, dass man bereut; man macht nur auf seine hehre Entscheidung, trotz aller persönlicher Einschränkungen das Überleben der Spezies und die eigene Altersvorsorge zu sichern, aufmerksam. Bereuen dürfen wir nicht. Bereuen ist ein Tabu. Bereuen macht einen zur Rabenmutter.

Als mein Sohn zur Welt kam, veränderte sich mein Leben überhaupt nicht. Die Entbindung verlief vollkommen problemlos, Michael schlief zwanzig Stunden am Tag, hatte keine Koliken, meine Brüste entzündeten sich nicht, in den ersten Monaten spazierte ich einen wunderschönen Indian Summer lang durch den Central Park, saß lesend auf Parkbänken oder traf mich mit Freundinnen in deren Mittagspausen zum Lunch. Ich schlief wenig, aber das lag nicht an Michael, der schlief schon mit wenigen Wochen durch, sondern generell an meinem nicht zur Ruhe kommenden Gehirn, das mich in jeder Lebensphase quälte. Gelassen blickte ich eineinhalb Jahre später daher der Geburt meiner Tochter entgegen und war überrascht, dass zwei Kinder im Vergleich zu einem seltsamerweise eine 500%ige Arbeitssteigerung bedeuteten. Zum ersten Mal ahnte ich, worüber sich andere Mütter ständig beschwerten.

motherhood

Jeder Ausflug zum Spielplatz erforderte eine strategische Planung. Michael verstand nicht, warum wir uns plötzlich nach den schmalen Zeitfenstern richten mussten, in denen Savannah nicht gestillt werden musste, warum wir neben seinem Laufrad, den Sandsachen, Keksen, Saft und Wechselklamotten für ihn auch noch eine Riesen-Wickeltasche für seine kleine Schwester brauchten und ich mir plötzlich sehr gut überlegte, ob unsere Stunde im Park all den Aufwand wert war. Mein Leben auf Michaels Rhythmus abzustimmen, war kein großes Problem gewesen, sich hingegen an den von zwei Kindern anzupassen, schien fast eine Unmöglichkeit, da sie ständig kollidierten. Die Umstellung auf ein drittes Kind ein paar Jahre später war nun wieder seltsamerweise kaum spürbar.

Diese Geschichten, dass man seine Kinder im Kreißsaal überreicht bekommt und von einer Welle der Liebe geflutet wird, habe ich nie verstanden. Ich habe meine Kinder über Wochen kennen und lieben gelernt und noch heute gibt es Momente, in denen ich sie nicht ausstehen kann. Ich hielt meine Kinder auch nie für die schönsten, klügsten und besten Exemplare unserer Spezies, ich machte keine 3000 Bilder in den ersten vier Lebenswochen von ihnen, ich stand nicht stundenlang neben ihrem Bett und habe sie beim Schlafen beobachtet, es gibt keine in Gips gegossenen Fußabdrücke, kein Buch, in dem das erste Wort oder der erste Schritt festgehalten wurde und ihre ersten Söckchen und Schühchen tragen mittlerweile längst Kinder in Haiti, weil ich schon seit jeher alle zu klein gewordenen Sachen der Kinder spende. Vielleicht bin ich deswegen so gut mit der Mutterschaft klar gekommen, weil ich keine himmelhohen Erwartungen daran hatte, mir nicht Lebenssinn und ewige Erfüllung davon versprach. Dabei ist genau das das Bild, das die Gesellschaft uns zu vermitteln versucht: Frauen sind dazu bestimmt, Mütter zu sein. Frauen lieben die Mutterschaft. Kinderlose Frauen müssen kategorisch eine große Leere in sich spüren (und wenn diese das vehement bestreiten, wird ihnen ein altkluges „Das kommt noch, du wirst schon sehen, und dann ist es zu spät!“ entgegengehalten).

Es ist die Gesellschaft, die entscheidet, dass Frauen Kinder wollen, wollen sollen – oder irgendwann, früher oder später in ihrem Leben, wollen werden“, schreibt Orna Donath in ihrer Studie und ich würde noch viel weitergehen: Es ist auch die Gesellschaft, die uns sagt, dass uns das Kinderhaben gefallen muss, ja, mehr noch als das, dass es nichts in unserem Leben geben darf, das uns so viel bedeutet wie die Mutterschaft, dass wir aufgehen in einer Glückseligkeit spendenden Symbiose mit unserem Kind, endlich befreit durch das Erfüllen unserer Bestimmung. Orna Donaths Studie stellt fundamentale Rollenkonzepte in Frage und das ist lange überfällig.

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Muttersein ist nämlich eben nicht nur auf einer Bank im Park sitzen und lesen, während man mit der Fußspitze lässig den Kinderwagen wippt, Kinderhaben ist auch ein veränderter Körper, völlige Selbstaufgabe, überwältigende Verantwortung, Beziehungskiller Nummer 1,  totaler Freiheitsverlust…. 18 Jahre ohne Bewährung. Fast jede andere falsche Entscheidung im Leben kann man, wenn auch nicht zurücknehmen, so doch korrigieren, aber eine Mutter ist man auf Lebenszeit. Und das, obwohl Orna Donaths Studie eindeutig nachgewiesen hat, dass es für viele eben die falsche Entscheidung ist. Wir sprechen hier nicht vom Ärger über kalt gewordenen Kaffee, weil ausgerechnet immer dann, wenn man sich eine Tasse einschenkt, ein Kind brüllt; wir sprechen hier nicht von den berühmten schlaflosen Nächten oder einer Million nervender Uno-Spiele. Wir sprechen hier von der ehrlichen Erkenntnis vieler Frauen, dass sie keine Mütter sein wollen; dass sie wünschten, keine geworden zu sein. Und es muss legitim sein, das zu sagen, ohne als Rabenmutter abgestempelt zu werden. Es gibt sehr gute Ärzte, die sich wünschten, sie wären Zirkusclowns geworden; es gibt sehr gute Architekten, die lieber eine Bar an der Copacabana hätten, es gibt sehr gute Polizisten in der Bronx, die von einem Leben in einem Blockhaus in Kanada träumen, und in Manhattan will ohnehin jede gute Kellnerin eigentlich Schauspielerin sein. Und es gibt eben auch sehr gute Mütter, die eigentlich lieber keine wären, die lieber Spontanurlaube nach Mexiko buchen würden, ein verregnetes Wochenende mal im Bett verbringen oder eine Kinowerbung in der Zeitung sehen und fünfzehn Minuten später schon in der U-Bahn auf dem Weg ins Kino sitzen würden – oder zumindest gerne die Möglichkeit für diese Entscheidungen hätten. Das muss legitim sein und es sagt nichts über ihre Qualitäten als Mutter aus. Wir müssen aufhören mit der Pathologisierung der mütterlichen Reue, nicht alles ist postnatale Depression, Bindungsstörung oder Kindheitstrauma. Manche Frauen wollen keine Kinder und werden sich darüber erst klar, wenn sie bereits eines haben, so wie Sie erst bemerkten, dass Sie den Dschungel unerträglich finden, als Sie die vierwöchige Amazonas-Exkursion bereits gebucht und bezahlt haben und mit Moskitonetz im Urwald standen.

„Das ist nur eine Phase“ ist das Mantra aller Eltern in fast allen Situationen, aber manche Dinge vergehen nicht einfach. Ja, Koliken hat ein Kind nur in den ersten Monaten, aber wenn die vorbei sind, fängt das Zahnen an und wenn das vorbei ist, kommen die ersten Kinderkrankheiten, Einschulung, Pubertät…..

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Sich als Mutter deplatziert zu fühlen ist keine Phase und diese Frauen zu Rabenmüttern abzustempeln, die Reue zum Tabu zu machen, heißt, ihnen die dringend notwendige Hilfe zu versagen, denn es sind ja nicht die Kinder, unter denen sie leiden, sondern die gesellschaftlichen Zwänge, die einem durch die Mutterschaft auferlegt werden: es reicht nicht, eine gute Mutter zu sein, man muss die beste sein. Es reicht nicht, jeden Tag Essen auf dem Tisch zu haben, es muss bio, glutenfrei und kohlehydratarm sein. Es reicht nicht, den Kindergeburtstag zu feiern, es muss ein Event mit Catering und Animation sein. Es reicht nicht, sein Kind durch die High School zu bringen, es muss einen Einser-Notendurchschnitt haben und zusätzlich Mandarin, Cello und Fechten beherrschen.

Pinterest Mom

Es sind nicht die Kinder, die die Mütter fertig machen, es ist die Gesellschaft (das rufen einem jedenfalls seit der Studie alle Frauenzeitschriften und Mütterblogs entgegen), aber niemand macht sich die Mühe zu definieren, was genau das bedeuten soll. Wer oder was genau ist denn diese überall zitierte, verteufelte Gesellschaft, der man nirgends entkommen kann? Die Antwort auf diese Frage vermisse ich leider in den 1001 Abhandlungen zu diesem Thema. Wir sind das. Wir machen diese Mütter fertig und wir machen uns selbst fertig. Wir haben diese vollkommen übersteigerten Erwartungen an Mütter, wir setzen die Maßstäbe, an denen wir scheitern. Dabei ist es sinnlos, uns innerlich zu zerreißen, denn falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: nichts, wirklich absolut nichts, ist dieser sog. „Gesellschaft“ gut genug. Jede Mutter wird ständig kritisiert. Als ich mein erstes Kind bekam, war ich schockiert darüber, wie viele Wildfremde versuchten, sich in die Erziehung meines Kindes einzubringen. Ich kann nicht sagen, wie oft ich an einer roten Ampel wartend von Fremden angesprochen wurde mit Tipps wie „Es sollte eine Mütze tragen“ oder „Den Milchschorf bekommen Sie mit Olivenöl weg“ oder „Schnuller verformen den Gaumen“ oder „Es ist ihm doch sicher zu heiß unter dieser Decke“ oder „Wieso bekommt es denn schon eine Flasche, stillen Sie gar nicht mehr?“ –  What the fuck?

Advice

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, viel schlimmer sind Verwandte und Bekannte. Wenn Sie nämlich eine Geburtstagsparty mit Catering, Animation und Einladungen aus der Druckerei für 25 Kinder schmeißen, die Sie drei Monate vorher schon planen, werden die anderen Mütter nur sagen „Na, die wissen wohl nicht wohin mit ihrem Geld.“ Wenn Sie zuhause für den Kindergeburtstag ein paar Hot Dogs auf den Grill legen,  Einladung schnell aus dem Internet ausdrucken und die Kinder mit gekauften Süßigkeiten abfüllen, sagen die anderen Mütter „Na, man kann es sich auch einfach machen“. Wenn Sie die Einladungen selbst basteln, die Kuchen selbst backen und sich Spiele überlegen, sagen die anderen Mütter „Na, die muss ja viel Zeit haben“.  –  Die gesellschaftlich anerkannte Mutter gibt es seit Magda Goebbels und Shirley Partridge nicht mehr, wir machen alle irgendetwas falsch, müssen etwas falsch machen, damit sich all die anderen Mütter besser fühlen können. Schon vor über einem halben Jahrhundert haben Mütter unter der Ladentheke Valium bekommen, um trotz Rund-um-die-Uhr-Job gelöst und glücklich zu wirken, dabei war damals die finanzielle Situation für Familien noch weit besser als heute und Mütter spürten auch noch nicht ständig den Druck, ihre Kinder fördern zu müssen, damit sie nicht benachteiligt sind. Früher machte man die Terrassentür auf und Kinder haben stundenlang miteinander im Garten gespielt und sich selbst beschäftigt, heute muss jede Sekunde mit dem Kind verbracht werden – worunter Mutter und Kind leiden. Als Mutter Anerkennung und Bestätigung zu bekommen, ist unmöglich, je schneller wir uns von dieser Vorstellung verabschieden, desto gesünder für uns alle. Sogar die Beckhams haben erst kürzlich öffentlich Schelte bekommen als Töchterchen Harper mit vier Jahren noch mit einem Schnuller abgelichtet wurde und erfuhren am eigenen Leib, wie schnell „die Gesellschaft“ angebliches Erziehungsversagen anprangert.

Wenn wir uns frei machen von diesem Bedürfnis, als Mütter überzeugen zu wollen (die einzigen, um deren Wertschätzung wir uns kümmern sollten, sind unsere Kinder) ist es auch kein Tabu mehr, offen über Reue oder Zweifel zu sprechen, denn diese richten sich nicht gegen unsere Kinder, sondern gegen die festgefahrenen, unterdrückenden Rolleninterpretationen der Mutterschaft.

Orna Donaths Studie hat eine Lawine im World Wide Web ausgelöst und sicher dringend überfällige Denkanstöße gegeben, doch man sollte bedenken, dass all die Frauen, die so „offen“ über ihre bereute Mutterschaft sprachen, dies anonym taten. Wenn also eine anonyme Studie als Meilenstein in unserer tabuisierten  Mütterdiskussion gilt, dann sollte uns das zu denken geben.

Wir werden weiter darüber lesen, was verzweifelte Mütter ihren Kindern antun, wenn wir keinen Dialog darüber zulassen, wie Mütter sich fühlen (müssen); wenn die Gesellschaft Frauen weiterhin vorzugeben zwingt, dass nichts glücklicher macht, als Mutterschaft und wie sehr wir dieses Leben in jeder Minute genießen. Das tun wir nicht. Es gibt Minuten, Tage, Nächte, in denen wir es grauenhaft finden. Aber wir müssen uns auch klar machen, dass wir ein kinderloses Leben auch nicht jede Minute genießen würden. Leid und Reue sind ein Teil jedes Lebens: die Zweifel, sich vielleicht falsch entschieden zu haben, das erdrückende Gefühl, etwas nicht mehr rückgängig machen zu können….. Es muss legitim sein, das zuzulassen und zu äußern, wie in jedem anderen Bereich des Lebens.

Mom of the YearAber damit darf es nicht getan sein. Wir müssen anfangen, unsere Mütterdefinition zu überdenken. Das Mutterbild der sog. Gesellschaft ändert sich nicht ohne uns, wir selbst müssen erst einmal aufhören, uns über unsere Kinder zu definieren. Frauen dürfen sich nicht mehr dafür rechtfertigen müssen, wenn sie keine Kinder wollen; es dürfen ihnen keine Steine in den Weg gelegt werden, wenn sie abtreiben wollen; wir müssen unsere Teenager-Kinder, die immer früher sexuell aktiv werden, besser aufklären und (last but absolutely not least) müssen wir aufhören, uns gegenseitig zu belügen. Tragen wir den Mythos der glorreichen Mutterschaft bitte nicht noch eine Generation weiter; Kinder zu haben ist vielleicht die Bestimmung und Erfüllung einiger Frauen, aber längst nicht aller, nicht jedes Mutterleben ist glücklich und nicht jedes kinderlose unglücklich.

Indem wir uns ständig vormachen, mit welcher Leichtigkeit und Begeisterung wir unsere Mutterschaft meistern, verschlimmern wir die Schuldgefühle derer, denen dieses Schauspieltalent fehlt. Wir leben in einer Welt, in der Perfektion zum Minimalprinzip geworden ist, unsere Biographien haben makellose Oberflächen, unser Lächeln zeigt blendend weiße Veneers, doch spätestens bei unseren Kindern sollte damit Schluss sein.  23 anonyme Frauen in Israel haben einen Anfang gemacht und wir sollten ihnen auf ihrem Weg in die aufrichtige Mutterschaft folgen, anstatt uns gegenseitig weiter weiszumachen, dass wir uns nichts schöneres vorstellen können, als um Mitternacht Sonnenblumenkostüme zu nähen, weil wir den Termin mit dem Sommerfest am nächsten Tag irgendwie verbummelt haben. Wir nähen, natürlich tun wir das, weil wir unsere Kinder lieben. Aber zu dieser Liebe gehört nicht so viel Selbstverleugnung, dass wir dabei auch noch vorgeben müssen, es zu genießen, nur weil wir Angst vor dem Verlust der Wertschätzung der anderen Mütter haben. Kein  Na, die war aber schon lange bei keinem Elternabend mehr oder Hast du gesehen, die hat Bonbons mitgebracht, anstatt einen Kuchen zu backen oder  Wozu hat sie überhaupt Kinder, wenn sie nie Zeit für sie hat?  mehr.

Wir sind die Gesellschaft.
Tun wir uns das doch bitte nicht mehr an.

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