Akif Pirinçci und andere Idioten

Bisher war Akif Pirinçci für mich immer „der mit den Katzenbüchern“. Jetzt ist er „der mit den KZs“ – so schnell kann’s gehen. Die Katzenbücher haben ihn bei mir schon vor seiner Rechtsdrehung nicht besonders beliebt gemacht (Katzen als Hauptdarsteller von Krimiromanen?). Gut, mit denen ist es jetzt (Gott sei Dank) erstmal vorbei; aufgrund der Äußerungen des deutschen Schriftstellers mit türkischen Wurzeln hat Random House ihn nämlich rausgeschmissen. Buchhandlungen, die etwas auf sich halten, räumen seine verbleibenden Titel gerade aus den Regalen und wenn die NPD sich nicht in absehbarer Zeit einen eigenen Belletristik-Verlag leistet, werden wir wohl (zumindest in gedruckter Form) vom sympathischen Pirinçci nichts mehr hören. Sein neues Buch „Die große Verschwulung“ (auch nett, oder? Schwule und Lesben hasst er fast so sehr wie Moslems) hätte heute erscheinen sollen, vermutlich war der Pegida-Geburtstag als kostenlose Publicity-Aktion geplant. Publicity hat er nun, nur kein Buch mehr. Sogar auf seinem eigenen Blog Der kleine Akif ist jetzt erstmal Sendepause, denn sein Webmaster hat ihn ebenfalls rausgeschmissen.

pegida-demonstranten-vor-derIn fast romantischem Ambiente vor der Dresdner Semperoper traf sich am 19. Oktober Deutschlands intellektuelle Elite mit Fahnen, beleuchteten Kreuzen und Bannern um sich selbst und den Jahrestag ihrer kulturell hochstehenden Pegida-Märsche zu feiern. Ihr „Stargast“ (das sagt schon einiges) war nun eben Akif Pirinçci, der  schon vorher im Internet damit Werbung gemacht hatte, dass seine „Wutrede“ neue Maßstäbe setzen werde. Das hat sie. Die Formulierung, die ihn seinen Verlagsvertrag kostete, ist ironischerweise falsch verstanden worden: „Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZ sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Damit meinte er (überraschenderweise) nicht, dass Flüchtlinge ins KZ gesteckt werden sollten, vielmehr sah er sich selbst gefährdet, dort zu landen, weil deutsche Politiker angeblich so hart mit „Gesellschaftskritikern“ (als solchen sieht er sich) wie ihm umgehen würden. Aber keine Sorge, wir müssen jetzt keine Unterschriften sammeln wegen dieser Fehlinterpretation und Random House bitten ihn wieder in die Arme zu schließen, der Rest seiner Rede rechtfertigt seine Kündigung durchaus: Eine „Umvolkung“ finde in Deutschland statt, Politiker würden immer mehr zu „Gauleitern gegen das deutsche Volk“. Jeder „Dahergelaufene“ (das ist einer von Pirinçcis höflicheren Ausdrücken für Flüchtlinge) dürfe sich „mit deutschen Scheißkartoffeln auf Luxusniveau bis an sein Lebensende sattfressen“. Den Sprecher der Erfurter Moschee nannte er einen „Moslemfritzen mit Talibanbart, der mit der deutschen Kultur so viel gemein hat wie mein Arschloch mit Parfümherstellung“. Deutschland sei eine „Moslem-Müllhalde“, „Flüchtilanten“ würden über deutsche Frauen herfallen und „ihren Moslemsaft in sie hineinpumpen“. Es gäbe noch zwei Dutzend weiterer Beispiele für seine verbalen Entgleisungen, die zu wiederholen ich ihm hier nicht den Gefallen tun möchte.

Alle Nicht-Pegida-Besucher haben jetzt ein neues Feindbild, wir sind kollektiv empört, nicken zustimmend, wenn wir lesen, dass er nun von seinem Verlag gefeuert, von Bloggerkollegen angegriffen und in allen aktuellen Zeitungen zum Antichristen gemacht wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt (was immer das heißen mag) und wir sind beruhigt, es ist noch alles in Ordnung. Aber dabei übersehen wir meiner Meinung nach das Wichtigste: ja, da stand ein rechtsradikaler, selbstverliebter, fremdenfeindlicher Volksverhetzer auf einer Bühne und es ist nur Recht und Billig, dass er jetzt die Konsequenzen tragen muss. Aber diese Bühne wurde ihm gebaut von tausenden, die seine Ansichten teilen, gefeiert wurde der Geburtstag eben dieser Ansichten und er hielt die Rede, die wir jetzt alle so verurteilen, vor 15.000 jubelnden Deutschen.

ARCHIV - Anhänger des «Pegida»-Bündnisses (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) demonstrieren am 22.12.2014 in Dresden (Sachsen) gegen die angebliche Überfremdung durch Flüchtlinge und halten ein Transparent mit der Aufschrift «Wir sind das Volk» in die Höhe. Foto: Kay Nietfeld/dpa (zu dpa Themenpaket «Ein Jahr Pegida» vom 19.10.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++Der Mann braucht kein Rednerpult, er braucht Hilfe“, schreibt der Spiegel (fast hilflos) über ihn und hat damit vielleicht recht, aber die Frage ist: was brauchen dann die, die ihm so begeistert zuhören? Gibt es so viel Hilfe überhaupt?

„Wir sind das Volk“ steht auf den Plakaten der Pegida-Anhänger.

Beängstigender Gedanke.

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