Tür 04 – RAWA

Tür 04 - Afghanistan

Die vierte unserer 24 Türen in die Welt öffnet  sich nach Afghanistan, eines der Länder, in dem Frauen bis heute die wenigsten Rechte haben. 1977 gründete die damals erst 19-jährige Dichterin und Aktivistin Meena Keshwar Kamal in Kabul die Organisation RAWA (Revolutionary Association of the Women of Afghanistan). Nomen est omen, denn mit nichts weniger als Revolution wollte sie sich zufriedengeben. Sie organisierte heimlichen Unterricht für Mädchen, engagierte sich in Flüchtlingscamps und publizierte ein bilinguales Frauenmagazin, Payam e-Zan (was so viel heißt wie „Botschaft für Frauen“).

RAWASie heiratet Faiz Ahmad, den Gründer der Afghanistan Liberation Organization, ein Freiheitskämpfer wie sie, und sie haben drei gemeinsame Kinder. 1986 wird Faiz von Mudschaheddin-Führer Gulbuddin Hekmatyar ermordet.

Nur ein Jahr nach ihrem Mann und nur zehn Jahre nach Gründung von RAWA, 1987, wird Meena in der pakistanischen Stadt Quetta von Agenten des Afghanischen Geheimdienstes KHAD ermordet. Der Aufenthaltsort der Kinder ist nicht bekannt, Gerüchten zufolge wurden sie von RAWA-Mitarbeitern außer Landes gebracht.

Der Weltöffentlichkeit bekannt wurde RAWA erst Ende der 90er Jahre durch das heimliche Filmen einer öffentlichen Exekution im ehemaligen Fußballstadion von Kabul. Erschreckende Bilder einer verhüllten Frau, die in die Mitte des Stadions geführt wird, sich auf den Boden knien muss und von einem Taliban-Kämpfer mit drei Schüssen hingerichtet wird, gingen um die Welt, gefilmt von einem RAWA-Mitglied, das die Kamera unter der eigenen Burka versteckt hatte. Immer mehr wurde die Burka zur Tarnkappe für illegale Aktionen, etwa zum Schmuggeln verbotener Bücher ins Land oder zum Schmuggeln heimlich gefilmter Verbrechen aus dem Land hinaus.

Die Organisation ist aufgebaut wie eine Terrorgruppe; eine Zellstruktur soll die Sicherheit der Mitglieder erhöhen. Jedes Mitglied kennt jeweils nur eine Handvoll andere, die Gesamtzahl der Mitglieder wird jedoch auf mehrere tausend geschätzt.

Meenas blood PosterÜber Jahrzehnte leben die Frauen von RAWA in Angst vor dem irakischen Geheimdienst NDS (der in großen Teilen Afghanistans immer noch „KHAD“ genannt wird, ein Überbleibsel der russischen Belagerung aus den 80er Jahren, als der Geheimdienst fest in russischer Hand war) und das Magazin wird daher heimlich gedruckt und verteilt. Hamid Karzai ließ RAWA überwachen und Bibliotheken oder Buchläden, die das Magazin offen verkauften, mussten sich sofort vor dem NDS rechtfertigen und mit Bestrafung rechnen.

RAWA ist noch immer aktiv und kämpft täglich für die Verbesserung der Menschenrechte und speziell der Frauenrechte in Afghanistan. Sie können RAWA dabei unterstützen, z. B. indem Sie dringend benötigtes Equipment (vor allem für Computer und Kameras) spenden, das vor Ort schwer aufzutreiben ist. RAWA hat eine Amazon-Wunschliste, durch ein paar Klicks bekommt RAWA ein benötigtes Produkt geliefert und Sie bekommen die Rechnung. Selbstverständlich ist auch eine Geldspende möglich.

Mit dem neuen Präsidenten, Ashraf Ghani, einem modernen Politologen und Finanzexperten, der aus Afghanistan eine Marktwirtschaft machen will, kamen erste positive Veränderungen für afghanische Frauen, vor allem auch durch eine für arabische Verhältnisse revolutionäre First Lady, die wir morgen vorstellen werden: Rula Ghani.

 

I’ll Never Return

I’m the woman who has awoken
I’ve arisen and become a tempest among the ashes of my burnt children
I’ve arisen from the rivulets of my brother’s blood
My nation’s wrath has empowered me
My ruined and burnt villages fill me with hatred against the enemy.
I’m the woman who has awoken,
I’ve found my path and will never return.
I’ve opened closed doors of ignorance
I’ve said farewell to all golden bracelets
Oh Compatriot, I’m not what I was
I’m the woman who has awoken
I’ve found my path and will never return.
I’ve seen barefoot, wandering and homeless children
I’ve seen henna-handed brides with mourning clothes
Ive seen giant walls of the prisons swallow freedom in their ravenous stomach.
I’ve been reborn amidst epics of resistance and courage
I’ve learned the song of freedom in the last breaths, in the waves of blood and in victory
Oh Compatriot, Oh brother, no longer regard me as weak and incapable
With all my strength I’m with you on the path of my land’s liberation.
My voice has mingled with thousands of arisen women
My fists are clenched with the fists of thousands of compatriots
Along with you I’ve stepped up to the path of my nation,
To break all these sufferings all these fetters of slavery,
Oh compatriot , Oh brother, I’m not what I was
I’m the woman who has awoken
I’ve found my path and will never return.

(Meena Keshwar Kamal)

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