Tür 11 – ISIS – Ideologie der Vergewaltigung

Tür 11 - Irak

Heute stoßen wir am elften Tag unserer 24 Türen in die Welt noch einmal sehr große Tür auf, die uns vor allem in den Irak zu den Jesiden und ihrem Martyrium unter der ISIS-Herrschaft führt.

ISIS ist böse, das immerhin wissen wir. Das ist selbst denen klar, die sonst nichts über die Konflikte im Nahen Osten wissen. Wären wir in Hogwards, wäre ISIS Lord Voldemort. Leider ist ISIS auch ähnlich gesichtslos und schwer greifbar wie He Who Must Not Be Named. Was macht ISIS eigentlich genau so böse? Wir lesen über bewaffnete Auseinandersetzungen und zerstörte Kulturdenkmäler. Furchtbar, aber leider nicht neu, das hat man auch vor ISIS in den letzten paar hundert Jahren schon das eine oder andere Mal erlebt. Worüber viel zu wenig geschrieben und gesprochen wird, ist die religiöse Absolutheit von ISIS und die damit verbundene unvorstellbare Grausamkeit gegenüber all jenen, die „ungläubig“ sind. Besonders deutlich wird beides am Schicksal der Jesiden, die von ISIS vor den (bewusst abgewandten) Augen der Weltöffentlichkeit zu Sklaven gemacht werden.

melaktausDie Jesiden sind eine kurdische religiöse Minderheit, die aber immerhin auf 450.000 Angehörige allein im Irak geschätzt wird, und die, anders als die meisten Kurden, keine sunnitischen Muslime sind. Zugegeben, die Jesiden machen es anderen Religionen nicht eben leicht, zu verstehen, woran sie eigentlich glauben. Ihre Religion setzt sich aus altpersischen, frühchristlichen und islamischen Elementen zusammen und neben einem Gott beten sie außerdem noch sieben Engel an, von denen der mächtigste Melek Taus ist, also der „Engel Pfau“.

Die meisten Jesiden haben sich im Nordirak nahe des Sindschar-Gebirges angesiedelt, das nur ca. 100 km von Mossul, der ISIS-Hochburg, entfernt ist, was dramatische Folgen hatte.

Für ISIS sind Jesiden Ketzer und Gotteslästerer und unter Berufung auf den Koran findet im Nordirak nichts weniger als ein Genozid statt. Männliche Jesiden werden systematisch getötet, weibliche werden zu Sexsklaven gemacht.

stepmap-karte-Jesiden-karte-jesiden-im-irak-1445709Am 3. August 2014 stürmten ISIS-Kämpfer die Dörfer der südlichen Flanke des Sindschar-Gebirges und noch während der ersten Stunde der Invasion wurden die Jesiden nach Geschlechtern getrennt. Jungen mussten ihre T-Shirts hochheben um zu zeigen, ob sie schon Haare unter den Achseln haben. Hatten sie welche, mussten sie sich zu ihren Vätern und älteren Brüdern stellen, falls nicht, zu den Frauen und Mädchen. Anhand der Körperbehaarung wurde über Leben oder Tod entschieden, denn die  Männer wurden auf naheliegende Felder geführt, wo sie sich auf den Boden legen mussten und mit Maschinengewehrsalven hingerichtet wurden.

Die Frauen, Mädchen und kleinen Jungen wurden auf Laster geladen und weggefahren. Sie sind jetzt „Sabaya“, Sklaven, und das ist keineswegs eine Metapher: ISIS hat den Sklavenhandel offiziell legalisiert und ein ausgeklügeltes bürokratisches System zur Verwaltung, dem Transport, der Lagerung und dem Verkauf seiner jesidischen Sklaven entwickelt. Sie sind sogar Teil des Recruiting-Programms von ISIS, mit dem sie neue Kämpfer für ihre Sache anwerben wollen: das Recht auf eine oder mehrere Sklavinnen ist gewissermaßen ein Incentive für junge Muslime, für die Sex vor der Heirat andernfalls utopisch wäre….

Vor vier Wochen konnten kurdische und jesidische Kämpfer die Sindschar-Berge zurückerobern, doch der jesidische Sklavenhandel ist nach wie vor ein fester Bestandteil der ISIS-Ideologie. Frauen, denen es gelungen ist, zu fliehen, berichten, dass die Kämpfer vor und nach jeder Vergewaltigung beten, dass sie die Gewalt an den Ungläubigen selbst als Dienst an Allah sehen. Auch Kinder sind nicht sicher, denn die „Regelung“, dass Mädchen erst nach ihrer ersten Periode als Sklaven verkauft werden dürfen, wird oft missachtet. Tausende jesidische Männer wurden im Norden Iraks getötet, Tausende jesidische Frauen und Kinder versklavt, doch die Weltöffentlichkeit sieht weg und die westlichen Regierungen und die UNO schweigen.

Falls Sie zu den Menschen gehören, die in der Vorweihnachtszeit immer einen gewissen Betrag für Spenden einplanen, überlegen Sie doch bitte, dieses Jahr die Free Yezidi Foundation mit einer Spende zu unterstützen. Das ist eine Einrichtung, die u.a. versucht, sichere Unterkünfte für jesidische Frauen und Mädchen, die noch nicht von ISIS ergriffen wurden oder denen es gelungen ist, vor ihren Sklavenhaltern zu fliehen, zu errichten, und die auch beständig daran arbeitet, dass die UN die Geschehnisse im Nordirak endlich offiziell als Genozid einstuft und dementsprechend handelt.

 

The Yezidis: The History of a Community, Culture and Religion (Taschenbuch)


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