Tür 12 – Raif Badawi

Tür 10 - Saudi Arabien

Tür 12 unserer 24 Türen in die Welt öffnet sich noch einmal nach Saudi Arabien.

In unseren Breitengraden dienen Blogs hauptsächlich der Unterhaltung – gut, vielleicht nicht unbedingt dieser hier 😉 . Wir lieben sog. „Gute-Laune-Blogs“ über schöne Bilder, schöne Deko, schönes Essen, schöne Bastelideen….. Meistens bloggen Frauen, meistens tun sie es „so nebenher“, bezeichnen es als Hobby, kreatives Outlet, Ausgleich zum Muttersein.

Wer im Nahen Osten bloggt, der fotografiert nicht seine Cake Pops oder seine Weihnachtsdeko. Blogs sind eine politische Macht, ein Sprachorgan, das schwerer vom Staat zu kontrollieren ist als Flugblätter oder öffentliche Reden. Blogs verbreiten Informationen, weltweit, in Sekundenschnelle, unaufhaltsam. Der wohl bekannteste Blogger im Nahen Osten, der sich dieser Waffe bedient hat, ist Raif Badawi aus Saudi-Arabien.

Raif Badawi2012 wurde er wegen zahlreicher „Verbrechen“ wie Ungehorsam, Internet-Kriminalität und Apostasie vom Islam verhaftet. Seine Website „Free Saudi Liberals“ wurde vom saudischen Regime vom Netz genommen.

Nachdem sein Fall über Monate von Gericht zu Gericht weitergereicht wurde, wird er im Juli 2013 schließlich zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren und 600 Stockhieben verurteilt. Nach einer erfolglosen Berufung wurde das Strafmaß im Mai 2014 sogar noch auf zehn Jahre Haft, 1.000 Stockschläge und eine Geldstrafe von einer Million Saudi-Riyal (etwa 195.000 Euro) erhöht.

Doch was genau hat Raif eigentlich getan? Apostasie (also der Abfall vom Glauben) ist in Saudi-Arabien ein Vorwurf, der schnell erhoben werden kann. Zum Beispiel reicht für eine Anklage schon, allein auf einer christlichen Homepage den Like-Button zu drücken. Auch Ungehorsam ist ein Straftatbestand, und in einem Land, indem nahezu alles vom Staat reglementiert ist und Menschenrechte systematisch ignoriert werden, schwer zu vermeiden.

Raif ist kein Islam-Gegner, auch wenn er einen säkularen Staat fordert. Man könnte sogar argumentieren, dass er versucht, den Islam zu schützen vor eben jenen saudischen, radikalen Wahhabiten, die ihn unterwandern und zersetzen:

Secularism respects everyone and does not offend anyone … Secularism … is the practical solution to lift countries (including ours) out of the third world and into the first world.

It is a revolution, led by students and the marginalized, a revolution in every sense of the word … that is … a decisive turning point … not only in the history and geography of Egypt but everywhere that is governed by the Arab mentality of dictatorship and security. It is not yet clear whether is Egypt is about to change, but it is our hope that a new Egypt will emerge from the painful birth pangs its people are experiencing … after years of subservience and oppression.

As soon as a thinker starts to reveal his ideas, you will find hundreds of fatwas that accused him of being an infidel just because he had the courage to discuss some sacred topics. I’m really worried that Arab thinkers will migrate in search of fresh air and to escape the sword of the religious authorities.

Am 9. Januar dieses Jahres bekam Raif die ersten 50 Stockhiebe, öffentlich in einer Moschee in Dschidda. Er sollte von da an wöchentlich weitere 50 erhalten, doch Gott sei Dank war der internationale Aufschrei nach der ersten Folterung so groß, dass weitere Hiebe seither „aus medizinischen Gründen“ ausgesetzt wurden, auch wenn das Urteil selbst nie ratifiziert wurde. Seine Frau Ensaf Haidar und seine 3 Kinder haben Asyl in Kanada bekommen und dürfen einmal die Woche 5 Minuten mit ihm telefonieren, müssen aber Woche für Woche befürchten, dass er nach dem Freitagsgebet wieder geschlagen wird, da es nie eine offizielle Begnadigung gab.

Free RaifBitte setzen Sie sich daher für eine Begnadigung für Raif Badawi ein, damit der internationale Druck auf Saudi-Arabien nicht nachlässt. Sie können mit ein paar Klicks über diesen Link via amnesty international direkt eine E-Mail an die saudische Regierung senden. Zusätzlich können Sie sich an dieser Petition beteiligen.

Besonders wirkungsvoll sind auch handgeschriebene Briefe an die saudische Botschaft oder an das Generalkonsulat in Ihrem Land:

Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien
S. E. Herrn Prof. Dr. med Ossama Abdulmajed Ali Shobokshi
Tiergartenstraße 33-34
10785 Berlin
Fax: 030 – 88 92 51 79

Generalkonsulat des Königreichs Saudi-Arabien
Herr Nabil Hussein Ashri, Generalkonsul
Friedrich-Ebert-Anlage 49, 20. Etage Messeturm
60308 Frankfurt am Main
Fax:   +49 69 768 095 11

Wie wir schon in unseren Beiträgen über Ali al-Nimr und Wajeha al-Huwaider mehrfach betont haben, ist Saudi-Arabien eine Art globaler Bully, der sich fortwährend sämtlichen Bestrafungen durch den Lehrer entzieht, weil seine reichen Eltern zu viel Einfluss auf die Schulleitung haben. Saudi-Arabien mag oberflächlich eine „Säule der Stabilität“ im Nahen Osten darstellen, tatsächlich ist es aber auch der Nährboden (und die Bank!) fanatischer Prediger, ISIS-Anhänger, der wahhabitischen Weltsicht und einer Form des Islam, die für den Nahen Osten und den Rest der Welt gefährlich ist. Man muss nur einen Blick in den Jemen werfen (oder gerne hierzu noch einmal mein Interview mit Prof. Dr. Barbara Wally lesen) um zu sehen, wozu Saudi-Arabien fähig ist. Trotzdem wird Saudi-Arabien bei Staatstreffen mit westlichen Regierungsvertretern nach wie vor auf Augenhöhe begrüßt, mit Respekt behandelt, als Verbündeter angesehen.

Raif Badawi machte sich keinerlei Illusionen über all das, als er auf seiner Website das Regime kritisierte. Zweifellos war seine Verhaftung keine Überraschung für ihn. Im Nahen Osten weiß man, dass Freiheit etwas ist, das einen hohen Preis fordert. Gerade deswegen verdient er jede Unterstützung durch uns, die wir geben können.

 

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