Tür 14 – bacha bazi – Afghanistans dunkelste Seite

Tür 04 - Afghanistan

Die vierzehnte unserer 24 Türen in die Welt führt uns zurück nach Afghanistan, und zwar zu einer sehr dunklen Seite Afghanistans, nämlich dem bacha bazi. Das arabische Wort bacha bedeutet Knabe, bazi bedeutet Spiel. In der Tat ist das Knabenspiel in Afghanistan archaisch und weit verbreitet. Homosexualität ist natürlich verboten, dennoch sieht man in Kabuls Straßen nicht selten ältere Männer, die Hand in Hand mit einem hübschen Jungen gehen und bei der Art und Weise, wie sie den Jungen berühren, wird einem sofort klar, dass er nicht ihr Sohn ist.

Seit Jahrhunderten frönen reiche afghanische Männer dem bacha bazi. Das Knabenspiel steht nicht nur für sexuelles Amüsement, sondern vor allem für Prestige. Die Männer geben an mit ihren Lustknaben, haben manchmal mehrere gleichzeitig, um Reichtum und Macht zu demonstrieren.

Forschungen zufolge hat die Hälfte der Männer des einflussreichen Pashtun-Stammes in Kandahar und anderen Städten im Süden solche Lustknaben. Über Jahrhunderte gehörten alle politischen Führer Afghanistans den Pashtun an, auch Hamid Karzai.

Bisher war jeder Versuch, diese „Tradition“ zu unterbinden erfolglos, da es immer die Männer in hohen politischen Positionen sind, die sich den Luxus eines Toyboys erlauben. Amerikanische und britische Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind, mussten mehr als einmal den Missbrauch dieser Jungen mit ansehen, ohne etwas dagegen tun zu können. Um die im Kampf gegen die Taliban notwendigen guten Beziehungen zur afghanischen Polizei und dem Militär zu erhalten, gab das Pentagon immer wieder die Order an die stationierten amerikanischen Soldaten, „wegzusehen“, wenn sie Zeugen dieser pädophilen Auswüchse wurden. Die Soldaten, die sich daran nicht halten wollten oder konnten, standen nicht selten vor einem Karriereende. Dan Quinn, ein ehemaliger Captain der Special Forces, schlug 2011 einen afghanischen Militärkommandanten nieder, der einen Jungen als Sexsklaven an ein Bett gekettet hielt, daraufhin wurde er genötigt, die Army zu verlassen.

Die meisten Knaben sind im Alter zwischen neun und fünfzehn Jahren. Wenn der eigene Sohn von einem einflussreichen Mitglied des Pashtun-Stammes auserwählt wurde bleibt den Eltern keine andere Wahl als den Jungen gehen zu lassen. In Kandahar, einer Stadt mit einer halben Million Einwohner, sind sogenannte Tanzpartys ein regelmäßiges, fast wöchentlich abgehaltenes Ritual. Die Jungen tragen Mädchenkleider, werden geschminkt, tragen Paillettentücher und Glöckchen an ihren Füßen und tanzen für eine Horde älterer Männer, die ihnen Geld zuwerfen und sie anfeuern. Nach dem Tanz kommt dann die kulturell sanktionierte Vergewaltigung.

All das war verstörend genug, dass das amerikanische Verteidigungsministerium immerhin eine Untersuchung in Auftrag gab (obwohl die Pädophilie-Fälle in Afghanistan seit langem dokumentiert sind). Das Verteidigungsministerium engagierte Anna Maria Cardinalli (ein Blick auf ihre Wikipedia-Seite lohnt sich übrigens, die Frau hat ein sehr bewegtes Leben als Militär-Ermittlerin und Gitarristin!). Ihr Bericht „Pashtun Sexuality“ enthüllte zwar nicht viel Neues, ließ sich allerdings nun in schwarz auf weiß bedeutend schwerer ignorieren. Erschreckend in dem Bericht ist vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der diese „Tradition“ selbst von den Opfern angenommen wird. Cardinalli sprach mit jungen Männern, die seit Jahren feste „Herren“ haben und manche behaupten sogar, diese zu lieben und von ihnen geliebt zu werden. Einer der Lustknaben hat als festes Ziel, später selbst mehrere Jungen zu halten, wenn er es sich leisten kann. Ein anderer ist bereits 24 und hat immer noch sexuelle Beziehungen zu seinem Herren, da er aber als Toyboy zu alt ist, heiratet er nun die Tochter seines Herren, um weiterhin in seiner Nähe zu bleiben, da sein Herr sich weitere sexuelle Kontakte mit ihm wünscht.

Soziologen und Anthropologen glauben, dass das Problem generell aus der perversen Interpretation islamischer Gesetze resultiere. Frauen sind im wörtlichen Sinne unantastbar; mehr noch, unsichtbar hinter ihren Burkas. Afghanische Männer dürfen vor der Ehe mit Frauen nicht einmal allein sprechen, ganz zu schweigen von sexuellen Erfahrungen, so ist das Knabenspiel eine einfache, gesellschaftlich anerkannte Alternative die Sexualität auszuleben. Sie werden nicht verdächtigt, pädophil oder homosexuell zu sein,  denn sie argumentieren, dass sie in ihre Jungen ja nicht „verliebt“ sind, sondern sich aus reinem Spaß und Statusdenken mit ihnen umgeben. Sogar  nach der Eheschließung behalten viele gut situierte Afghanen ihre Lustknaben, da ihre Ehen oft arrangiert und lieblos sind. Ein beliebtes Sprichwort in Afghanistan lautet: „Women are for children, boys are for pleasure.“

Aschraf Ghani ist seit mehreren hundert Jahren der erste afghanische Präsident, der nicht dem Pashtun-Stamm angehört. Der moderne Kosmopolit, der dreißig Jahre in den Staaten lebte und mit der palästinensischen Christin Rula Ghani verheiratet ist, verurteilt bacha bazi hart. Inakzeptabel sei diese Tradition, sagte er, und in seinem Afghanistan würden Pädophile zur Rechenschaft gezogen, egal wer sie seien.

6-year-, 8-year-, 10-year-olds are raped, and I’m not going to tolerate this. To the extent to which the authority of the state can be harnessed to this task, we are going to focus on it and not permit it.”, erklärte er in einem Video-Interview in Kabul mit der New York Times, doch das wird weit schwieriger werden als es klingt, denn obwohl viele Afghanen vom Knabenspiel ebenso angewidert sind wie wir, ist es dennoch in der afghanischen Kultur tief verankert und landesweit verbreitet und stand (ironischerweise) nur während der Zeit der Taliban-Regierung unter Strafe. Und das Phänomen ist alt, auch das ist Ghani klar: “Our Greek and Turkish heritage have generated periods of long practices. Those require a large cultural-social dialogue that require purpose and energy.”

 

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