Tür 24 – Und was ist der Plan?

 

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23 Tage lang haben wir durch unsere 24 Türen in die Welt nun den Nahen Osten besucht und von Armut, Krieg, Zerstörung, Verfolgung, Terror, Tod gehört – und jetzt? Fazit? Ergo? Heute ist schließlich Weihnachten, also was ist der Plan, damit alles besser wird?

Es gibt unzählige engagierte Menschen und ebenso viele Ideen, die (angeblich) Flüchtlingen helfen. Carry the Future ist eine von vielen Initiativen, die in den letzten Wochen und Monaten aus dem Boden schossen und momentan ihre Kreise durch die sozialen Netzwerke ziehen. Carry the Future wurde vor wenigen Monaten von Cristal Logothetis gegründet, einer Kalifornierin griechischer Abstammung, die bei einem Familienbesuch auf Kos die dort täglich ankommenden Flüchtlinge sah und etwas tun wollte.

Baby CarrierIn ihrer Kampagne geht es darum, Baby Carrier zu sammeln und nach Griechenland zu fliegen, um sie dort an Flüchtlingsfamilien zu verteilen. Das Echo auf ihre Initiative ist überwältigend, mittlerweile sind über 7.000 Baby Carrier in Griechenland angekommen oder gerade auf dem Weg dorthin, weitere 30.000 möchte sie in den nächsten Monaten auftreiben.

Hmmm. – Hunderttausende hungrige, medizinisch seit Wochen und Monaten unterversorgte, traumatisierte Flüchtlinge, die oft während der Flucht Teile ihrer Familie verloren haben – und das, was am nötigsten gebraucht wird, sind unsere ergonomischen Baby-Tragen in skandinavischem Design und  gedeckten Sandfarben? Sammeln wir als nächstes Eames-Stühle, damit die Flüchtlinge vor dem LaGeSo in Berlin nicht im Stehen warten müssen? Ach nein, von denen wollen wir uns ja nicht trennen….

Verstehen Sie mich nicht falsch, Cristal Logothetis hat sicher die besten Absichten, aber ihre Aktion ist ein Beweis für das Sprichwort, dass das Gegenteil von „gut“ oft „gut gemeint“ ist. Können Sie sich vorstellen, wie man die Situation der Flüchtlinge hätte verbessern können, wenn jeder, anstatt eines Baby Carrier einfach nur das Geld gespendet hätte?

Wir befinden uns hier in einem Konflikt, der so alt ist wie die Menschheit: wir wollen helfen, wir wollen das Gefühl haben, „etwas zu tun“, aber wir wollen den zeitlichen und finanziellen Aufwand so gering wie möglich halten. Das Minimalprinzip: sich mit minimalem Input als maximaler Gutmensch fühlen. – Aber so einfach ist das leider nicht. Der Gedanke, dass der lange lästig gewordene Inhalt unserer Keller diesen Menschen helfen kann ist verführerisch, aber in den meisten Fällen leider sehr unrealistisch. Unsere Hilfe sollte wohl überlegt und vor allem langfristig sein. Und sie wird etwas kosten.

Haben wir nicht vorhin über einen Plan gesprochen? Ich hätte einen, den Sie vermutlich auch kennen: Plan International. Plan hat zahlreiche unglaublich wertvolle Initiativen und Projekte, doch das haben auch andere Organisationen. Was mir aber an Plan so gut gefällt, sind folgende drei Punkte:

  • Plan macht klar, dass Hilfe keine einmalige Aktion in der Adventszeit sein darf, wir müssen einen Weg finden, das „Anderen-helfen“ in unser ganz alltägliches Leben selbstverständlich zu integrieren.
  • Wir müssen wissen, wem wir helfen und welche Art Hilfe wirklich benötigt wird, wir müssen die Menschen in den bedürftigen Ländern kennenlernen, da aber Reisen dorthin oft nicht möglich sind, bietet Plan mit seinen Patenschaften die zweitbeste Möglichkeit: wir kennen zumindest die Familie, die wir unterstützen und deren Leben wir positiv verändern können. Wir lernen auch den Ort und ihr Land kennen, sehen also, wohin die Spenden gehen.
  • Kommunikation ist das A und O und bei Plan hat man die Möglichkeit, sich (zumindest schriftlich) mit seinem Patenkind und dessen Familie auszutauschen. Ich übersetze für Plan seit Jahren ehrenamtlich solche Briefe zwischen den Patenkindern und den Paten und die Dialoge, die dort über Jahre und tausende von Kilometern geführt werden, reichen vom Wetter bis hin zu Lebensphilosophien und sind meistens wunderbar. Und vor allem können auch Ihre Kinder mit dem Patenkind kommunizieren und z.B. erfahren, dass Schule nicht nur blöd ist, sondern in manch anderen Ländern ein Privileg, das ohne Ihre Spende gar nicht möglich wäre. So lernen unsere Kinder, dass soziales Engagement nicht nur aus „Ach, der Pullover kratzt immer so, den geben wir den Flüchtlingen“ oder „Bei dem Puzzle fehlen sowieso 2 Teile, das können die Flüchtlinge haben“ besteht.

Plan ist auch seit Jahren speziell in der Flüchtlingshilfe weltweit aktiv. Derzeit gibt es auf der Welt 60 Millionen (!!!) Flüchtlinge und Vertriebene, etwa die Hälfte davon sind Kinder. Selbstverständlich können Sie gezielt für diese Flüchtlingshilfe einmalig spenden, ich möchte Ihnen jedoch aus oben genannten Gründen eine Patenschaft dringend ans Herz legen, eben weil sie keinen Einmal-Effekt hat und Sie Ihre Familie so erweitern können mit jemandem vom anderen Ende der Welt, der dann nicht mehr fremd ist.

Ich möchte Sie auch dringend bitten, die Patenschaft für ein Mädchen zu übernehmen, weil es in fast allen Kulturen der Welt für Mädchen sehr viel schwieriger ist, Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und einem gewaltfreien, selbstbestimmten Leben zu bekommen. Patenschaften kann man übrigens auch verschenken, also wer last minute noch nach einem Geschenk sucht, ist hier genau richtig.

Wem eine Patenschaft zu viel ist, der kann sich natürlich auch an den zahlreichen Aktionen von Plan beteiligen, meine derzeitige Lieblings-Initiativen sind die Äthiopien EselbibEsel-Bibliotheken in Äthiopien und die Ziegen für Familien im Sudan.

Wir werden uns angewöhnen müssen, den Rest der Welt nicht erst dann bewusst wahrzunehmen, wenn er uns in Feuer und Asche um die Ohren fliegt. Wir haben tausend Möglichkeiten zu helfen. Tun wir es doch einfach.

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