Disney-Filme und andere Albträume

New York Post Wedding DressOscar de la Renta sagte in einem Interview über Amal Alamuddin zu der von ihm entworfenen Robe, das Hochzeitskleid sei das „most important dress in the life of a woman“. Niemand widersprach, noch nicht einmal Amal selbst. Wir müssen also davon ausgehen, dass es völlig egal ist, was sie am Tag ihres Studienabschlusses in Oxford trug oder an ihrem ersten Arbeitstag am Internationalen Gerichtshof in Den Haag oder während der Verhandlungen ihrer Mandanten Julian Assange oder Julija Tymoschenko, denn das Highlight ihres Lebens war ja ganz offensichtlich die Hochzeit mit einem alternden Filmstar. Auch auf jeder Fashion Show ist das Highlight am Schluss immer das Hochzeitskleid. In Kyoto werden mittlerweile sogar sogenannte „Solo Weddings“ angeboten: ein Zwei-Tagestrip, der alles beinhaltet, was auch zu einer normalen Hochzeit gehört (Festessen, Party mit vielen Gästen, tolles Kleid, Übernachtung in einem Luxushotel….), nur eben ohne Mann. Organisiert wird das Ganze von professionellen Hochzeitsplanern und ist in Japan so ein Riesenerfolg, dass es sicher auch hier nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Also, wieso sind wir so besessen vom Heiraten, von dem einen Tag, an dem wir „Prinzessin“ sind?  – Na, merken Sie was? Wo kommt der Prinzessinnen-Mist denn her?

Disney Princesses

Heiraten ist immer noch eine Art „Validation“ für Frauen. Durch Geheiratetwerden (und anscheinend nur dadurch) kann man seinen (Begehrens-)Wert, seine Weiblichkeit beweisen. Wen kümmert ein Uni-Abschluss, eine Beförderung, ein Oscar oder ein Verdienstorden? Verheiratet muss man sein, sonst stimmt was nicht mit einer Frau.

Und ins Ohr gesetzt hat uns diesen hirnlosen Floh natürlich Walt Disney himself mit seinen intelligenzfreien Filmchen, in denen Frauen grundsätzlich nichts anderes tun als herumsitzen und warten, bis sie geheiratet werden. Und das Herumsitzen absolvieren sie natürlich in langen Kleidern mit langen Haaren, Wespentaillen, riesigen Kulleraugen und roten Schmollmündchen, ist klar. Walt war praktisch ein Vorreiter des Reality-TVs.

1985 erfand die amerikanische Cartoon-Zeichnerin und Autorin Alison Bechdel den sogenannten Bechdel-Test, mit dem messbar ist, welches Frauenbild in einem Film vermittelt wird. Zum Test gehören nur 3 Kriterien:

  • Gibt es mindestens 2 Frauenrollen?
  • Sprechen sie miteinander?
  • Sprechen sie über etwas anderes als einen Mann?

Bechdel-Test

Sollte zu schaffen sein, oder? Sie wären überrascht, wie viele Filme an diesem Test scheitern, und was Disney betrifft: sehen Sie sich einfach mal mit diesen 3 Fragen im Hinterkopf „Die Eiskönigin“ an, dann wissen Sie, wovon ich spreche. Mit einer Altersfreigabe ab 0 Jahren sitzt man in einem Kino voller fünf- bis achtjähriger Mädchen, die sich zwei Stunden lang ansehen, dass es im Leben nichts Wichtigeres gibt, als von einem Prinzen geheiratet zu werden. Und was noch schlimmer ist: ihre Mütter sitzen daneben und scheinen das normal zu finden.

Kein Wunder also, dass wir besessen sind vom Heiraten, schon als Kinder Pläne schmieden, wie – wo – wann (wen scheint sekundär zu sein) und vor allem: In welchem Kleid?

Peggy Orenstein, Psychologin und Autorin von „Cinderella Ate My Daughter“ ist der Ansicht, dass es eine direkte Verbindung zwischen der Stabilität der Beziehung und dem Wunsch nach Heirat gibt:

“Maybe people think that if they do the wedding, it’ll mask the hard work lateron. Maybe it’s that marriage is such an anachronism, you have to go into it with a big bang.” 

Peggy erzählt in ihrem Buch auch davon, wie das Princess-Merchandise-Imperium von Disney gegründet wurde. Im Jahr 2000 besuchte ein Disney-Executive namens Andy Mooney eine „Disney on Ice“ Show und fand sich dort umgeben von kleinen Prinzessinnen in (Horror!) selbst genähten und improvisierten Kleidern ihrer Heldinnen. Bereits am nächsten Tag fand eine Teamsitzung dazu statt und heute gibt es bei Disney mehr als 26.000 verschiedene Prinzessinnen-Artikel, die der Firma einen Jahresumsatz von über fünf Milliarden einbringen. Wollen wir wirklich alten weißen Männern, die unseren Töchtern erzählen, dass sie schön, dünn und begehrenswert sein müssen, so viel Geld geben?

Was bei einer vierjährigen einfach nur „süß“ aussieht, wird mit zunehmendem Alter unmerklich schnell zu mehr.

“It’s not that princesses can’t expand girls’ imaginations,” sagt Peggy Orenstein, “but in today’s culture, princess starts to turn into something else. It’s not just being the fairest of them all, it’s being the hottest of them all, the most Paris Hilton of them all, the most Kim Kardashian of them all.”

Heißt übersetzt so viel wie: Was also vielleicht ganz unschuldig anfängt, kann oberflächlich, narzisstisch und nuttig enden, wie auch Britney und Miley praktisch nahtlos und über Nacht ihre „Purity Rings“ abgelegt und mit Pole Dancing begonnen haben, denn wer mit fünf süß sein will, der muss konsequenterweise mit fünfzehn sexy sein wollen, diese Mädchen haben früh gelernt, den Vorgaben der Gesellschaft zu entsprechen und zu gefallen, um den sagenumwobenen Prinzen abzukriegen.

Wie wäre es also, wenn ihre Tochter im nächsten Fasching mal den Prinzen oder (noch besser!) das Pferd gibt, statt immer nur das wartende Prinzesschen? Da hat man mehr Spaß und dauernd nur schön sein ist sowieso total Neunziger…..

I am not a princess

Weiblicher Narzissmus: Der Hunger nach Annerkennung (Broschiert)


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