The Boss und das Gesetz fürs Klo in North Carolina

Nein, Springsteen wurde nicht in Frauenkleidern und Heroin spritzend mit George Michael auf einer Toilette erwischt, tut mir leid. Der Skandal um die Südstaatenklos hat weniger schillernde, aber dafür umso wichtigere Ursachen.

BS MusicLetzte Woche cancelte Bruce Springsteen sein geplantes Konzert in Charlotte, North Carolina. Und, werden Sie fragen, was ist daran so besonders? Konzerte werden jeden Tag abgesagt, meist wegen zu wenig verkauften Karten oder zu vielen Drogen auf der Performer-Seite. Doch bei Springsteen war die Absage ein politischer Akt, und das ist doch (leider) mal was anderes, oder? Wer ist denn heute noch freiwillig (und öffentlich!) politisch?

Am 22. Februar verabschiedete North Carolina nämlich die „House Bill 2“, die umgangssprachlich auch „Toilettengesetz“ genannt wird. Sie erleichtert die Diskriminierung von Homosexuellen (indem ihnen z.B. erschwert wird, zu klagen, wenn ihre Rechte am Arbeitsplatz nicht geachtet werden) und Transsexuellen und zwingt letztere unter anderem, die Toiletten für das Geschlecht aufzusuchen, das in ihrer Geburtsurkunde steht.

Bruce und seine E-Street-Band reagierten postwendend. Sie sollten letzte Woche vor ausverkauftem Haus in Greensboro spielen, sagten das Konzert jedoch ab und veröffentlichten dazu ein Statement. Bruce begründet darin die Absage des Konzerts als die „wirkungsvollste Maßnahme, um sich Gehör zu verschaffen und sich denjenigen entgegenzustellen, die unser Land weiterhin Rückschritte statt Fortschritte machen lassen wollen“. Die Leute, die sich Tickets gekauft haben, bekommen ihr Geld zurück, das Greensboro Kolosseum verliert nun 100.000$.

Der (natürlich republikanische) Kongressabgeordnete Mark Walker war um eine Antwort nicht verlegen: Springsteens Reaktion sei kindisch und er sei sehr enttäuscht, dass dieser seine vertraglichen Verpflichtungen nicht einhalte.  Es würden andere Acts nach Greenboro kommen, erklärte Walker trotzig, wie zum Beispiel Justin Bieber – war das wohl als Trost oder als Drohung gemeint? – und fuhr fort:

„I’ve never been a Bieber fan, but I might have to go. Maybe artists who weren’t ‚born to run‘ deserve a little bit more support.“ (Das war ein brillantes republikanisches Wortspiel mit Springsteens berühmtem Song, falls Sie es nicht bemerkt haben).  „Bruce is known to be on the radical left.”

Ja, natürlich, alles was links von den Republikanern steht (also praktisch jeder), steht direkt neben Marx und Engels – und Bernie Sanders.

Charles BarkleyGott sei Dank blieb Springsteen mit seinem Protest nicht allein, vor wenigen Tagen cancelten auch Pearl Jam ihr Konzert. Charles Barkley von der NBA hat angekündigt, das All-Star-Spiel, das für 2017 in Charlotte geplant war, an einen anderen Ort zu verlegen, sollte das Gesetz nicht geändert werden. Auch das Unternehmen Paypal, das Millionen in North Carolina investieren und bis 2017 ca. 400 neue Arbeitsplätze schaffen wollte, macht mittlerweile einen Rückzieher.

Justin BieberAber was soll’s, dafür bleibt ihnen ja Justin Bieber!

 

Wir verleihen Bruce Springsteen jedenfalls unseren Ehren-Heldinnen-Status für die Tatsache, dass er sich etwas zu Herzen nahm, was viel zu viele Menschen vergessen: dass nämlich das Schlechte nur gedeihen kann, wenn die guten Menschen schweigen.

 

Statement Bruce Springsteen - brucespringsteen.net

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