„Mark Zuckerberg ist Fidel Castro in Flip-Flops“

MK Fidel Castro kompDieses unsterbliche Zitat des sub-genialen Pierce Hawthorne (aka Chevy Chase) aus Community ist heute zutreffender denn je.

Eigentlich sind es Asiletten, aber wer nimmt das bei Diktatoren schon so genau…

Dem Mann gehört Facebook, Instagram und WhatsApp – also praktisch die Welt. Und eine Menge grauer T-Shirts. Er hat 60 Millionen Follower auf seinem Facebook-Account – was kein Wunder ist, denn er postet so interessante Sachen wie das hier:

FruitsBin ich also die ganze Zeit im Unrecht, wenn ich mich darüber aufrege, dass die Leute ihr Essen fotografieren und auf Facebook posten? Soll man das? Zuckerbergs Weintrauben wurden jedenfalls von über 250.000 (!!) Leuten geliked und von über 2.900 Leuten geteilt! – Bin ich die Einzige, die diese Welt, die Zuckerberg gehört, nicht mehr versteht?

Neben den größten Trauben besitzt er außerdem eine Villa in Palo Alto, dessen Privatsphäre der Mann, der Privatsphäre eigentlich für total überholt hält, so schützt, dass er die vier umliegenden Villen auch gekauft hat. Vor sechs Jahren noch war er auf der Liste der reichsten Männer der Welt nur Platz 212 (also praktisch Sozialhilfe), heute ist er auf Platz 6.

CeoDoch der einstige Computer-Nerd, der kein Glück bei den Frauen hatte, und aus Rache auf seine erste Visitenkarte „I’m CEO, Bitch!“ druckte, ist längst in Sphären angekommen, in denen Zahlen keine große Rolle mehr spielen.

Der Mythos des Gurus umgibt ihn, eine Art Hoodie-tragende Kreuzung aus Bono und Steve Jobs, aus Che Guevara und J.R. Ewing. Eine sich selbst inszenierende, sich selbst ständig updatende künstliche Intelligenz mit perfekter Marketing-Maschinerie im Rücken. „Zuck“, wie ihn seine 62 Millionen Freunde liebevoll nennen, ist der neue Heilsbringer. Und anders als Jesus kann er nicht nur übers Wasser gehen, sondern besitzt das mediale Megaphon, um das Selfie, das er dabei von sich gemacht hat, an 1,65 Milliarden Menschen zu schicken.

Er ist einer, der öfter neue Versionen von sich heraus gibt, als Apple neue iPhones auf den Markt wirft. Self-Improvement ist das Schlüsselwort, und wenn man nicht sich selbst verbessert, dann doch zumindest das Bild von sich, das man nach außen trägt.

Zuckerberg 16.0 ist nun ein Philantrokapitalist.

Das Wort kennen Sie nicht? Das liegt daran, dass Zuckerberg natürlich nichts ist, was es vorher schon gab, das könnte ja jeder. Eingeleitet wurde die neue Zuck-Version von der Geburt seiner Tochter Max im Dezember 2015 und des darauf folgenden offenen Briefes an sie.

Letter„Ein Brief an unsere Tochter“ lautete die Überschrift, der Text, der danach folge, war aber natürlich an die Welt gerichtet: Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan „spenden“ 99% ihres Vermögens. Wobei das Wort „Spenden“ hier sehr frei interpretiert ist, aber dazu später mehr… 99% des Vermögens sind bei den Zuckerbergs 45 Milliarden. Die größte Spende in der Geschichte. Natürlich. Aber ist es eine Spende? Gingen die 45 Milliarden an die UN, Oxfam, die Flüchtlingshilfe des Roten Kreuzes oder die Winklevoss-Zwillinge? Das sind Details, die erst einmal keine Rolle zu spielen schienen, denn die Welt war außer sich vor Aufregung: Danke, Mark! Danke für dieses revolutionäre Geschenk an die Welt! Zuckerberg erreichte einen weiteren Superlativ, denn kein Ego wurde in der Geschichte der Menschheit jemals so gebauchpinselt wie Zuck in den Tagen nach seinem Brief.

Das Problem ist nur: es gab kein Geschenk. Es gab keine Spende. Er hat nichts aufgegeben. Das Geld wird nach wie vor von einem einzigen Mann kontrolliert und der heißt Mark Zuckerberg. Der einzige Unterschied ist, dass er jetzt keine Steuern mehr bezahlt.

Als erste Skeptiker auf den Plan kamen, um zu hinterfragen, wohin das Geld denn nun genau gehe, sammelten sich um den Finanzjournalisten Felix Salmon sogleich auch leidenschaftliche Verteidiger. Stimmt, sagen sie, es ist doch keine Spende, aber es ist besser als eine Spende!

But here’s the thing: it’s better than charity. It’s a new, radical movement that we like to call “philanthrocapitalism” – and it’s going to make you all rich. How, you might ask? By giving more philanthropy to the wealthy. 

Hmmm. Ok. Besser als eine Spende. Salmon ist der Ansicht, dass ein Mark Zuckerberg sich natürlich nicht mit normaler Charity zufrieden geben kann, er will die Welt auf radikale Weise verändern, und das könne er nicht, indem er einfach Geld an die Armen gäbe. – Verstehe. Deswegen behält er es wohl lieber. Seine 45 Milliarden hat er nämlich nicht gespendet, sondern ein Investmentvehikel geschaffen. Zugegeben, das klingt nicht so sexy wie die Spende, ist aber dafür wahr.

Der amerikanische Journalist Jesse Eisinger hat es auf den Punkt gebracht:

Mr. Zuckerberg was depicted in breathless, glowing terms for having, in essence, moved money from one pocket to the other.

Mark-Zuckerberg-Quote-300x165Zuckerbergs neue L.L.C. wird sich sicher auch dem einen oder anderen wohltätigen Zweck zuwenden, aber Fakt bleibt, dass er auch entscheiden kann, mit dem Geld Roboter zu bauen (sein aktuelles Jahresziel für 2016 ist, eine AI für zuhause zu bauen, die ihm im Haushalt hilft, seine Arbeit erleichtert und in Max‘ Zimmer nach dem Rechten sehen kann). Er könnte mit dem Geld auch eine Partei unterstützen. Er kann damit Lobby-Arbeit für Gesetzesentwürfe machen oder verhindern. Er kann. Und das allein ist schon das Problem, denn in einer perfekten Welt hätte es Zuckerberg nie erlaubt sein dürfen, eine derartige Summe anzuhäufen und über ihre Verwendung zu verfügen.

„Philanthrocapitalism is what happens to charity after capitalists swallow it.“  (Linsey McGoey)

Was sich hier entwickelt, ist eine neue Form der Oligarchie, doch es scheinen sich erstaunlich wenig Menschen daran zu stören. Facebook-Freunde hat Zuckerberg deswegen jedenfalls nicht verloren, er ist immer noch der Guru, der Underdog, der schüchterne Nerd, der seinen Traum nicht aufgab. Und viele fragen sich bereits, ob das nicht Potential für mehr bietet? Wird Zuckerberg eines Tages Präsident der Vereinigten Staaten? Das multi-kulturelle Powerpaar hätte sicher das Zeug dazu.

zuckerbergBisher war John F. Kennedy der reichste Präsident in der Geschichte der USA, auf heutige Werte umgerechnet besaß er etwa eine Milliarde. Zuckerberg hat mehr Geld als alle bisherigen Präsidenten zusammengenommen. Und war da nicht noch was? Achja, ihm gehört ja immer noch das größte Megaphon der Welt…..

Seine politische Macht scheint jedenfalls unbestritten, wie erst kürzlich durch einen Facebook-Mitarbeiter offenbar wurde: Facebook-Mitarbeiter dürfen nämlich jede Woche an einer internen Umfrage teilnehmen, um Fragen einzureichen, die Zuckerberg dann beim nächsten (natürlich ebenfalls internen) Q&A beantworten soll. Eine eingereichte Frage lautete:

What responsibility does Facebook have to help prevent President Trump in 2017? 

FB trGut, einen Präsidenten Trump wollen wir alle verhindern, aber dennoch ist es beängstigend, mit welcher Beiläufigkeit hier eingeräumt wird, dass Zuckerberg die Macht hat, die Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen.

Also wie lange dauert es wohl noch, bis er seine Visitenkarten in „I’m President, Bitch!“ ändert?

Wenn es so weit ist, werden es seine 62 Millionen Follower sicher als allererstes erfahren. Bis dahin unterhält er sie weiter mit Bildern seiner Weintrauben oder seiner Tochter (und seiner schockierenden Brustbehaarung), denn wenn es nach Zuck geht, ist das Private nicht nur nicht mehr politisch, sondern es ist gar nicht existent.

Mark-and-Max

 

From Gutenberg to Zuckerberg: Disruptive Innovation in the Age of the Internet (Taschenbuch)


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