Im Ramadan sind die Tore des Himmels weiter geöffnet als sonst…..

Für einen Monat im Jahr hört der Großteil von 1,6 Milliarden Muslimen weltweit auf, tagsüber zu essen, zu trinken, Sex zu haben. Sie fühlen sich näher bei Gott, glauben, dass die Tore des Himmels etwas weiter geöffnet sind als sonst. –  Zumindest theoretisch ist auch uns Christen die Bedeutung der Fastenzeit nicht fremd (immerhin haben wir Ostern), unsere Version ist aber längst nicht so streng und wir halten uns auch weit weniger konsequent daran.

Für Muslime ist der Ramadan der heiligste Monat des Jahres, das Fest der Offenbarung des Koran an den Propheten Mohammed; das Leben in diesem Monat ist vollkommen verändert, im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gestellt: der Tag wird zur Nacht und umgekehrt, Kinder gehen nicht zur Schule, feste Riten des Alltags gelten nicht mehr.

Überall hört man „Ramadan Kareem“ (womit man sich einen großzügigen Ramadan wünscht, weil der Monat eine Zeit vieler Segnungen und großer Dankbarkeit ist) und „Ramadan Mubarak“, was gewissermaßen eine Gratulation ist, denn man freut sich über den Ramadan und die Nähe zu Gott, die er bringt.

Der Ramadan ist viel mehr als eine Zeit des Fastens, er steht für innere Reflexion, Nächstenliebe, Dankbarkeit, Mitgefühl, Großzügigkeit. Wir haben mit Prof. Dr. Barbara Wally darüber gesprochen, die mit einem Jemeniten verheiratet ist, selbst zum Islam konvertierte und schon einige heilige Monate mit ihrer jemenitischen Familie in Sanaa verbracht hat.

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Zum gemeinsamen Feiern des Ramadans gehören auch kollektive Ausspeisungen, gestiftet von einzelnen Wohltätern oder Wohltätigkeitsorganisationen. Nach Sonnenuntergang und dem Abendgebet beginnt das Fastenbrechen.

Zum gemeinsamen Feiern des Ramadans gehören auch kollektive Ausspeisungen, gestiftet von einzelnen Wohltätern oder Wohltätigkeitsorganisationen. Nach Sonnenuntergang und dem Abendgebet beginnt das Fastenbrechen.

Der Ramadan findet immer im neunten Monat des arabischen Mondkalenders statt und zelebriert das Wort Gottes, das auf die Erde kam, also den Koran selbst. In diesem Monat zu fasten gehört zu den 5 Säulen des Islams. Was hat das Fasten für den Koran für eine spirituelle Bedeutung?

Das Fasten soll für eine bestimmte Zeitspanne die Nähe des Gläubigen zu Gott intensivieren und erneuern und auch sein soziales Empfinden vertiefen. Das freiwillige Fasten soll Empathie und Solidarität mit jenen stärken, die aus Armut hungern/fasten müssen. Deshalb ist der Ramadan auch mit Gaben für die Armen und Bedürftigen, mit Teilen und Umverteilung verbunden. Ramadan feiern heißt auch, die Gemeinschaft in der Familie und die Gemeinschaft der Gläubigen zu stärken.

„Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet“, heißt es im Koranvers 2:183. –  Ist das Fasten für die Muslime eine notwendige Pflicht, um nicht gegen alte Traditionen zu handeln, oder ein religiöses Bedürfnis? Sinkt man in der Anerkennung der anderen, wenn man nicht fastet?

Der Vers verweist auf die Sunna, auf religiöse Gebräuche, Überlieferungen und Traditionen im Islam. Also Verhaltensweisen, die durch den Koran und die Hadithe festgeschrieben und überliefert wurden. Das Fasten (auf Arabisch „Saum“) ist Pflicht und Bedürfnis zugleich und wird in den islamischen Ländern ziemlich strikt eingehalten. „Gottesfürchtig“ meint auch, dass man Strafe im Jenseits zu befürchten hat, wenn die religiösen Pflichten nicht eingehalten werden. Menschen, die im Ramadan nicht fasten, müssen dies heimlich tun. Offene Ablehnung wird nicht akzeptiert – Essen und Trinken tagsüber in der Öffentlichkeit daher nicht toleriert.  Ganz anders ist dies bei Muslimen in der Diaspora. Für diese ist das Einhalten des Fastengebots mehrfach erschwert und kann daher unter Umständen nicht eingehalten werden.

images-4Darf der Ramadan verschoben oder nachgeholt werden? Wer ist ganz davon befreit?

Ganz befreit sind nur chronisch Kranke und Altersschwache sowie Kinder. Kinder werden langsam an das Fasten gewöhnt, mit 10 Jahren schaffen sie einzelne Tage, mit etwa 12 sind sie stolz, wenn sie mit den Eltern den Ramadan durchhalten. Dann gibt es auch Menschen, die suspendiert sind, aber die Fastentage später nachholen sollten. Dabei handelt es sich um Kranke, Reisende, Frauen während der Menstruation, der Schwangerschaft und der Stillzeit. Betroffen sind davon aber auch Menschen in der Diaspora, die das Fastengebot nicht immer einhalten können, aus zwei wichtigen Gründen:

Erstens nimmt die Lebensweise nicht auf die Fastenzeit Rücksicht wie in den islamischen Ländern, wo der Alltag ganz der Fastenzeit angepasst wird, d.h. Schulen geschlossen sind und nur reduziert gearbeitet wird. Auch die Öffnungszeiten der Geschäfte schalten auf die Lebensgewohnheiten im Ramadan um, als da sind: Ruhezeit nach dem Morgengebet um ca. 4 Uhr bis zum Mittagsgebet um etwa 12 Uhr mittags. Oft wird danach auch noch bis zum Nachmittagsgebet um 16 Uhr geschlafen. Von 16 Uhr bis 19 Uhr Essensvorbereitung und „Durchhängen“ bis zum Sonnenuntergang um ca. 19 Uhr, dann Abendgebet und Fastenbrechen und damit beginnt der Tag und das eigentliche Leben, wobei die familiäre Gemeinschaft besonders wichtig ist. Dazu gibt es Besuche bei oder von Verwandten und Nachbarn mit Mitbringseln, Bummeln in Geschäften, die bis früh morgens offen sind und Fernsehserien bis zum Exzess, die mit 28 Folgen genau auf die Dauer des Ramadan bemessen sind.

In der Diaspora, also z.B. in Deutschland, wird auf den Ramadan keine Rücksicht genommen, d.h. Muslime sind dem Tageslauf der Arbeitswelt unterworfen und müssen bis zu 20 Fastenstunden unter Alltagsbedingungen einhalten. Das schwächt enorm und Fastende schleppen sich gegen Ramadan-Ende nur noch dahin.

images-1Hinzu kommt, dass die religiösen Abläufe der muslimischen Welt auf eine geografische Lage in der Nähe des Äquators konzipiert sind, wo die Abweichungen von der Tag- und Nachtgleiche gering sind, d.h. auch die Fastenzeiten relativ gleich bleiben. Für Muslime in der nördlichen Hemisphäre in unseren Breitengraden ist der Ramadan 2016 extrem schwierig, denn das Fasten beginnt, je nach Lokalzeit, um ca. 2:00 morgens mit dem Fajrgebet (ca. eineinhalb Stunden vor Sonnenaufgang) und  endet um ca. 21 Uhr mit dem Sonnenuntergang, d.h. die Fastendauer beträgt täglich 19-20 Stunden. Das ist bei einem normalen Arbeitstag sehr schwer durchzuhalten, da ja auch nicht getrunken werden darf. Fällt der Ramadan auf den Dezember (in knapp zwei Jahren), beschränkt sich die tägliche Fastendauer hingegen auf ca. 10 Stunden vom Fajr um 5 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang um 15:30, was relativ leicht durchzuhalten ist.

Der Ramadan ist nicht nur eine Zeit des Fastens, sondern auch eine Zeit der Versöhnung, der Reinigung der Seele, der Reflexion und der Nächstenliebe. Was bedeutet das für die Kriegsaktivitäten im Jemen? Wie wird der Ramadan gelebt in einer Region, die von Kriegen gespalten wird?

food ration RAMADAN 6 JUNE 2016Die Jemeniten versuchen, den Ramadan wie immer zu feiern, d.h. so etwas wie die Normalität im Besonderen aufrecht zu erhalten. Jemeniten sind sehr fromm, bei der Landbevölkerung, welche die Mehrzahl der Jemeniten ausmacht, kann man von einer inbrünstigen Frömmigkeit sprechen, aus der Überlebenskraft und Gottvertrauen auch in Kriegszeiten gewonnen werden. Das gemeinsame Erleben wird hoffentlich auch wieder das Gemeinschaftsgefühl und die Solidarität stärken, welche durch Kriegspropaganda und religiöse Hetze und die Unerträglichkeit der Lebensbedingungen im Krieg unterminiert sind.

Hier tun sich in Sanaa derzeit Spannungen auf. In manchen sunnitischen Traditionen ist es üblich, nachts in Strophen (Tarawih) in den Moscheen zu beten, nächtlich bis zum Ramadan-Ende werden mehr Strophen gebetet, zum Schluss stundenlang. Von den Lautsprechern der Moscheen schallen seit einigen Jahren stundenlang die Tarawih-Gebete in voller Lautstärke. Nun ist ein Konflikt ausgebrochen, weil die regierenden Houthis angeordnet haben, dass die Lautsprecher der Moscheen abgestellt werden müssen. Bei den Houthis, welche zaiditischen Regeln folgen, gibt es den Brauch des Tarawih nicht, und sie fühlen sich durch die dröhnenden Moschee-Mikrofone gestört oder provoziert. Es wurden einige Imame inhaftiert, weil sie sich den Anordnungen der Houthi-Stadtverwaltung widersetzten, und durch andere ersetzt. Soweit mir bekannt, beschränkt sich der Konflikt auf Sanaa.

imagesIm Übrigen ist der Ramadan auch eine Zeit des Gemeingefühls, der Hilfsbereitschaft und der sozialen Haltung: Arme werden mit den notwendigen Lebensmittelspenden (vor allem Reis, Zucker, Zerealien, Öl, Tee) für den Ramadan versorgt. Überall werden Spenden für die Armen gesammelt und in den Moscheen an die Darbenden ausgegeben. Auch die reichen Brüder im Golf, welche den Jemeniten zigtausende Bomben in einer brutalen Aggression ihrer Kampfflieger beschert haben, bescheren nun den obdachlosen verarmten Jemeniten Hilfspakete und lassen sich dafür feiern.

Sie sind in Österreich, weil nach wie vor keine Flüge in den Jemen gehen, haben vor Beginn des Krieges aber schon öfter den Ramadan mit Ihrem Mann und dessen Familie in Aden verbracht. Wie sah der Alltag in Ihrer Familie in diesem besonderen Monat dann aus?

Schaffut danach lechzen Fastende nach langem Flüssigkeitsentzug: weiche Fladen aus Sauerteigbrot werden zerkleinert und mit einer Soße aus Sauerrahm, viel Knoblauch, Koriander und Salz übergossen. Schaffut wird aus der gemeinsamen Schüssel gelöffelt.

Schaffut danach lechzen Fastende nach langem Flüssigkeitsentzug: weiche Fladen aus Sauerteigbrot werden zerkleinert und mit einer Soße aus Sauerrahm, viel Knoblauch, Koriander und Salz übergossen. Schaffut wird aus der gemeinsamen Schüssel gelöffelt.

Ich denke ziemlich traurig daran, denn den letzten gemeinsamen Ramadan haben wir im Juli/August 2014 in Sanaa gefeiert. Wegen der von Saudi-Arabien verhängten Grenzblockaden kann ich seitdem nicht in den Jemen einreisen und mein Mann nicht ausreisen, weil es keine Flugverbindungen mehr gibt.

Den Ramadan 2014 haben wird mit meinem Mann alKhadher und dreien seiner sechs Kinder verbracht. Wir haben mit Nawal (damals 18), Jacub (16) und Mosraa (14), also einer höchst pubertären Gesellschaft in unserem Haus im Zentrum von Sanaa Ramadan gefeiert. Gerade weil man fastet, spielt das Essen eine große Rolle. Der Tag fängt am mittleren Nachmittag an und schon geht die Kocherei los. Jacub zieht mit einem Einkaufszettel los und muss sich ums Einkaufen und die Getränkezubereitung kümmern, wir drei weiblichen Mitglieder teilen unsere Arbeit ein. Ramadan-Küche ist viel aufwendiger als normales Kochen, da Frühstück und Mittagessen in schneller Folge gegessen werden. Es gibt also Stress. Mit wenigen Variationen gibt es jeden Tag ziemlich die gleiche Essensfolge, aber diese besteht aus mehreren Speisen. Mosraa, die Jüngste ist für die Sambusa und das Tischdecken (am Boden auf einer Matte) zuständig. Nawal, die Große, macht Sanuna, Baji und Schorba, und ich Maraq, Fleisch, Reis und die Soße Sahawiq. Es ist eine Art Blindkochen, denn man darf ja nicht kosten und beim Essen gibt es dann einige Überraschungen hinsichtlich des Geschmacks. Meist wird es sehr hektisch, weil der Sonnenuntergang naht und noch nicht alles fertig ist. Kanonendonner über Sanaa und Fernsehankündigungen zeigen an: Es ist soweit. Khadher spricht ein Gebet wir sitzen rund um unsere reichhaltig gedeckte Matte und brechen mit einer Dattel als „Öffner“ des Fasten, dazu gibt es ziemlich süßen Saft. Dann wird das Sonnenuntergangsgebet gebetet, Khadher bringt nach dem Moscheegang seine Ration Qat mit und wir beginnen genüsslich zu essen. Es gibt die typisch jemenitischen Ramadanspeisen:

  • Sambusa – im ganzen Orient verbreitet, sind dreieckige Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen aus Fleisch, Kartoffeln, Eiern, Käse und Gewürzen, in der Pfanne gebacken.
  • Schaffut – auf der Basis des Sauerteigbrotes Lahoh, das mit einer Soße aus Sauerrahm, Knoblauch, Koriander und Salz übergossen und gelöffelt wird.
  • Baji – sind Falafel-ähnliche Knödelchen aus einem mühsam geschroteten Bohnenmasse.
  • Sanuna – eine Art Gulasch aber mit viel Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln in der Soße.
  • Degaga – gebratenes Hühnchen.
Sambusa ist ein Must der Fastenspeisen. Verschiedene Füllungen aus faschiertem Fleisch, Eiern, Käse, Kartoffeln, Gewürzen werden in dünne Teigstreifen zu Dreiecken gewickelt und ausgebacken.

Sambusa ist ein Must der Fastenspeisen. Verschiedene Füllungen aus faschiertem Fleisch, Eiern, Käse, Kartoffeln, Gewürzen werden in dünne Teigstreifen zu Dreiecken gewickelt und ausgebacken.

Am Anfang sind alle heißhungrig, aber langsam vergeht die Hektik. Nach dem Nachtgebet geht es weiter mit Maraq, einer klaren Suppe aus Lammfleisch und dann folgt Schorba, eine dicke Suppe, auch mit etwas Lammfleisch und Haferflocken. Den anschließenden Gang mit Fleisch, Reis und Sahawiq schaffen wir dann kaum noch.

Die Mädchen warten schon auf ihre „Musalsal“, das ist eine der Fernsehserien, die für den ganzen arabischen Raum speziell für den Ramadan produziert werden. Die Mädchen schauen eine Bollywood-Produktion rund um eine kämpferische indische Prinzessin an, die sie heiß verehren und imitieren. Dann gibt es meistens auch eine Dorfgeschichte vor historischem Hintergrund, in welchem sich die Dorfintrigen unter den Augen einer grausamen, schikanösen Kolonialmacht abspielen. Da diese qualitativ hochwertigen Filme in Syrien produziert werden, sind die fiesen Kolonialherren meist Franzosen. Da es schon 2014 ständig Stromausfälle gab, wurden die einzelnen Folgen dreimal täglich zu verschiedenen Zeiten gesendet, so dass man sich die Folge eventuell „zusammenstückeln“ konnte.

Nach dem Essen kommt die Nachbarin zu Besuch und bringt etwas selbst Zubereitetes mit. Wir tratschen ein bisschen. Dann geht sie wieder und bittet mich, sie bald zu besuchen.

Jacub ist nächtlich meist unterwegs. Die Kinder wachsen in Aden auf, Sanaa hat Neuheitswert. Die Mädchen gehen nachts nicht so gern vor die Tür, sie sind es nicht gewöhnt. Frauen- und Mädchen-Ausgehzeit ist der Nachmittag. Aber je länger der Ramadan voranschreitet, desto mehr gehen sie vor die Tür und in die nahe gelegene Einkaufsstraße. Im Jemen bekommen alle zum Eid alFitr neue Kleider für das kommende Jahr. Der Ramadan ähnelt hier ein bisschen dem Advent, so wie er in den 1970er Jahren verbracht wurde: im Konsumrausch. Und das Geschäftsleben hat sich dem angepasst. Es gibt viel mehr im Angebot, aber alles ist teurer als zu Normalzeiten. Doch noch vor dem Konsum steht das gemeinsame Erleben – der Ramadan wird als die hohe Zeit im Jahr zelebriert und stärkt den Lebenswillen. Dazu dienen auch die sich steigernden nächtliche Gebete in der Moschee. Ich wünsche den Sananis und allen Jemeniten, dass sie dieses Inferno, das im Frühjahr 2015 über sie hereingebrochen ist, mit ihren Familien ungebrochen überleben und das Land wieder aufbauen können.

Am 4. Juli endet der Ramadan mit dem Zuckerfest, dem Eid Al Fitr. Das gemeinsame Fastenbrechen, Iftar, ist ein großes Ereignis, wie läuft das im Jemen ab?.

Am Eid alFitr, dem Feiertag zum Ende der 28tägigen Fastenzeit führen die Mädchen ihre neuen Kleider aus und schwelgen in Süßigkeiten. Kinder werden langsam an das Fasten herangeführt.

Am Eid alFitr, dem Feiertag zum Ende der 28-tägigen Fastenzeit führen die Mädchen ihre neuen Kleider aus und schwelgen in Süßigkeiten. Kinder werden langsam an das Fasten herangeführt.

Der Eid alFitr ist das zweitwichtigste Fest im muslimischen Festkalender. Es gibt übrigens viel weniger Feiertage als im christlichen Kalender. Morgens gehen alle – mit den neuen Gewändern – in die Moschee und freuen sich wie in einem Gefühl der Erlösung. Anschließend treffen sich die Großfamilien zu einem gemeinsamen Essen, die Kinder  bekommen Süßigkeiten und Spielzeug – und alle sollten glücklich sein. Dann fängt ganz schnell das normale Leben wieder an. Sunniten sind in ihrer Religionspraxis eher nüchtern – vergleichbar den Protestanten. Sie feiern die Feste eher spartanisch, ohne Liturgien und Prozessionen und kennen keinen Pomp des Klerus.

Noch immer wissen Muslime sehr wenig über christliche Traditionen. Und westlich geprägte Menschen – von denen ja nur ein Bruchteil christlichen Traditionen folgt – wissen nur sehr wenig über den Islam und muslimische Traditionen. Viele christliche und muslimische Werte liegen nahe beieinander, gerade die Werte des Sozialen und Barmherzigen, sind aber im Islam viel lebendiger als bei uns, wo das „christliche Abendland“ seit etwa hundert Jahren im Rückzug ist und die individuellen und kollektiven Wertvorstellungen kaum mehr beeinflusst.

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Barrack Obama feierte während seiner gesamten achtjährigen Amtsperiode jährlich mit amerikanischen Muslimen ein gemeinsames Iftar, während es in Deutschland bereits einen Sturm der Empörung auslöste, dass die Kanzlerin allen Muslimen einen „gesegneten Ramadan“ wünschte, Christen wünsche sie hingegen immer nur „frohe Weihnachten“ was ein deutlicher qualitativer Unterschied sei. Ist hierüber noch jemand absolut sprachlos?

Wen würden Sie gerne gemeinsam an einem Tisch beim Zuckerfest sitzen sehen?

Ramadan Mubarak!

Ramadan Kareem!

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