Libanon Tagebuch I – Tag 6 (Giraffen)

IMG_1420Heute war wieder ein sehr produktiver Tag, an dem wir ein großes Stück weitergekommen sind. Diala hat stundenlang  an ihrer Außenwand weitergemalt, aber das ist wohl das einzige, was bis zu unserer Abreise nicht fertig werden wird und „nachgearbeitet“ werden muss, denn Kunst braucht eben seine Zeit (vor allem in der prallen Sonne bei über 40 Grad!).

Ansonsten haben wir heute den letzten Koffer mit Rucksäcken ins Camp geschafft und ausgepackt (und dort natürlich die Rucksäcke versteckt, denn die sollen eine Überraschung für die Kinder bei der Eröffnungsparty morgen sein) und ihn praktisch voll wieder mit zurück nach Beirut genommen, weil Lilith und Diala die tolle Idee hatten, IMG_1417die Steine, die unweigerlich beim Bemalen etwas Farbe abbekommen haben, mit nach München zu nehmen und bei einem Pausenverkauf zu verkaufen – echte libanesische Zeltschulensteine, von der Künstlerin vertröpfelt!  🙂

DSC_0309Wie jeden Tag gab es dann mittags ein Festessen, wir können die Camp-Bewohner leider nicht davon überzeugen, dass das wirklich nicht nötig ist, wir sind jeden Tag in ein Zelt eingeladen und es wird gefühlt eine ganze Wochenration verkocht. Sie sind nach wie vor unheimlich interessiert an uns, können gar nicht fassen, dass jemand aus Europa zu ihnen kommt, um ihnen eine Schule zu bringen, haben 1000 Fragen und saugen alle Antworten in sich auf. Ich habe heute mit zehn Kindern sicher fast eine Stunde lang mein Handy durchgeschaut, sie wollten jedes Foto sehen, jede Geschichte hören, haben zugesehen, waren begeistert von einem Video, bei dem Linus vom 3m-Brett springt oder Lilith Klavier spielt oder die Tumblingerkinder die Zeltplane bemalen (ein Aufschrei, als sie sie natürlich sofort wiedererkannt haben und auf meinem Mini-Display den Namen aller Kinder gesagt bekommen wollten). Die meisten Familien sind bereits seit mehreren Jahren im Camp und haben das Gefühl großer Isolation, deswegen diese überschwängliche Dankbarkeit, dass jetzt jemand kommt, dass so weit weg jemand sie wahrnimmt und als der Mühe wert sieht. Es ist wirklich sehr sehr rührend.

Das Highlight war heute aber eindeutig, dass unsere Plane endlich wie geplant zur Seitenwand der Schule wurde

Zeltschule

und die Kinder waren absolut begeistert und standen ewig davor (und den Arbeitern im Weg) um alles zu entdecken, was sich darauf befand.  Dass später auch noch das Dach auf die Schule kam, hat schon kaum mehr jemanden interessiert, wer braucht ein Dach, wenn er so eine tolle Seitenwand hat?

Fazit der Kinder (wie gestern): Gut, gut, gut, danke! 

Mein absoluter Lieblingsdialog heute:
Memnun: „Jacqueline, wie alt bist du?“
Ich: „40.“
Memnun: „Ah, das ist meine Großmutter auch!“

(Ich sollte vielleicht dazusagen, dass Memnun 10 ist……)

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