US-Wahlen: Guide für Dummies, Trump-Anhänger und AfD-Wähler

Nicht erst seit Donald Trump der republikanische Präsidentschaftskandidat ist, werde ich von Freunden oft gefragt, wie das amerikanische Wahlsystem eigentlich funktioniert. Verstehe ich gut, wenn einer wie Trump die Vorwahlen gewinnen kann, kann man schon ins Grübeln kommen…

Wir beantworten heute mal die wichtigsten Fragen.

Sie denken wohl auch, dass am 8. November der neue Präsident gewählt wird?

Tja, schon falsch. Im November wird nur das „Electoral College“, also das Wahlmännergemium gewählt.

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What the fuck is a „Wahlmännergremium“?

Das Gremium besteht aus 538 gewählten Männern (zu viele) und Frauen (zu wenig) aus allen 50 Staaten. Um Präsident zu werden, braucht ein Kandidat mindestens 270 Stimmen. Dieses Wahlmännergremium trifft sich dann  im „Meeting of Electors“ am 17. Dezember und wählt den Präsidenten. Die Stimmzettel werden versiegelt und dem amtierenden Vizepräsidenten übergeben. Ausgezählt werden sie erst am 6. Januar in einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus – eigentlich steht also erst dann endgültig fest, dass Hillary wieder ins Weiße Haus einzieht…. 🙂

Wie viele Stimmen haben die einzelnen Bundesstaaten?

Die Stimmen errechnen sich proportional zur Einwohnerzahl des Staates und differieren daher sehr stark.

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Warum sind die Wahlen immer an einem Dienstag?

Schon 1845 hat der Kongress festgelegt, dass die Wahlen alle vier Jahre „am Dienstag nach dem ersten Montag im November“ stattfinden. Es ist der November, weil da die Ernte bereits eingefahren ist, meist aber noch kein Schnee liegt, so dass niemand durch die Arbeit auf seiner Farm oder durch das schlechte Wetter am Wählen gehindert wird. Auf den Dienstag kam man mit dem Ausschlussprinzip, nachdem alle anderen Tage schon mit anderen Terminen belegt waren: Sonntag war der Tag des Herrn, Samstag war Markttag, Freitags musste man den Markt vorbereiten, Donnerstags wählten schon die Briten ihr Parlament…..

Wer kann Präsident werden?

Wenn man Trump fragt, nicht besonders viele. Eigentlich sind die Regeln aber denkbar einfach: man muss US-Amerikaner sein und über 35. Trumps Ansprüche sind da etwas höher. So griff er z. B. einen anderen republikanischen Kandidaten, Ted Cruz, an, weil seine Familie sich zum Zeitpunkt seiner Geburt in Kanada aufhielt. Trump warf ihm vor, nicht die Anforderungen für einen Präsidentschaftskandidaten zu erfüllen, obwohl Cruz selbstverständlich US-Amerikaner ist. Trump, lange Zeit das Sprachrohr der „Birther-Bewegung“, war auch lange überzeugt, Obama sei nicht in den USA geboren worden und seine diesbezüglichen Äußerungen (lange nachdem das Weiße Haus Obamas Geburtsurkunde veröffentlicht hatte)  sind mittlerweile ebenfalls legendär.

United States presidential election, 2016Wer darf wählen?

Jeder US-Bürger über 18 Jahre, der sich registrieren ließ – und genau das ist das Problem.

Wie kann man wählen?

Die USA sind das Land der gelebten Eigenverantwortung – was ich generell wunderbar finde, bei Wahlen aber wirklich denkbar schlecht ist. Man wird nicht per Post darauf aufmerksam gemacht, wann, wo, wie und wen man wählen kann, man muss sich selbst darum kümmern. Wer sich nicht rechtzeitig als Wahlberechtigter registrieren ließ, darf am Wahltag nicht abstimmen. Hinzu kommt, dass die Registrierung (und auch die Wahl selbst) von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich durchgeführt wird.

Wieso wurde Al Gore 2000 nicht Präsident, obwohl er nachweislich die meisten Stimmen hatte?

Tja, also sein Bruder hat nicht Florida regiert, als die Stimmen in diesem Staat ausgezählt wurden, das war sicher auch ein Faktor. Aber abgesehen davon hatte er zwar 600.000 Stimmen mehr als George W. Bush, aber eben nur Stimmen vom gemeinen Volk (Pöbel wie Sie und ich), nicht Wahlmännerstimmen!

Was bedeutet das „The Winner Takes It All“-System?

Das bedeutet, dass jeweils die Stimmen eines ganzen Staates an den Kandidaten gehen, der in diesem Staat die Mehrheit hat. New York z.B. hat 29 Wahlmänner. Sollte Trump bei der Wahl am 8. November 15 von ihnen bekommen (was nicht passieren wird), gingen alle 29 Stimmen des Staates New York an ihn (was nicht passieren wird).

Was ist aus Bernie, Jeb und den anderen Köpfen geworden, die Präsident werden wollten?

Wie Sie sicher schon  bemerkt haben, gab es vor ein paar Monaten ja mal mehr Bewerber um das Präsidentschaftsamt als Hillary und „The Donald“.

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Die Aussortierung überflüssiger Köpfe übernehmen die Vorwahlen, die sog. „Primaries“. Die beiden großen Parteien (also die lieben Demokraten und die bösen Republikaner) nominieren hier ihre beiden Kandidaten, die dann ins Rennen geschickt werden.

democrats_were_not_perfect_but_theyre_nuts_rouWas sind Swing States?

Traditionell werden Wahlen in den Swing States gewonnen, deswegen sind sie auch immer bis zum Schluss spannend und enden nicht in einer großen Koalition (gähn) wie anderswo. Es sind Staaten, in denen keine der beiden großen Parteien eine Mehrheit hat und bei denen wirklich erst am Wahltag feststeht, an welche Seite die Wahlmänner dieses Staates gehen. Klassische Swing States sind z.B. Florida, Ohio, Pennsylvania und Virginia.

Wann steht fest, wer gewonnen hat?

Hillary hat gewonnen. Glauben Sie mir. Ganz egal, was passiert, Hillary hat gewonnen.

Wie können Sie Präsident der Vereinigten Staaten werden?

Ganz einfach:

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2 Kommentare

  • Pavel Musitschenko

    „Wann steht fest, wer gewonnen hat?

    Hillary hat gewonnen. Glauben Sie mir. Ganz egal, was passiert, Hillary hat gewonnen.“

    Hillary liegt hinten 😉

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