Libanon-Tagebuch II – Tag 07 (Tiger, Pinguine und Zebras)

Weil wir im Libanon sind, musste der letzte Tag natürlich so sein wie der erste: komplett jenseits aller Pläne.

Nicht umsonst heißt ein berühmtes libanesisches Sprichwort: „Wenn du glaubst, den Libanon verstanden haben, hat man ihn dir nicht richtig erklärt.“

Schon im Morgengrauen sind wir bei strahlendem Wetter losgefahren, nur um auf halber Strecke die ersten Sturzbäche aus den Bergen herabfließen zu sehen. In Bekaa hatte es offenbar wieder die ganze Nacht geregnet.  Noch von unterwegs schicke ich Yehya eine Nachricht mit der Frage, wie es in den Camps aussieht und erfahre, dass bei unseren Baustellen alles ok ist, dass aber die Straße zu unserem Lagerraum (in einem Gebäudekomplex in Bar Elias) unter Wasser steht und gesperrt wurde. Wir kommen also nicht an unsere Tische, Bänke, Tafeln…..

Da wir aber alles wirklich wichtige (Dialas Gemälde, die Bücher, Rucksäcke uns Spielsachen) Gott sei Dank schon am Tag zuvor in den Lieferwagen geladen haben, beschließen wir, die Schulen unmöbliert zu eröffnen und Yehya baut die Tische und Bänke am Montag auf, sobald die Straße  zum Lager wieder befahrbar ist.

Das ist eine gute Entscheidung, denn bei den Pinguinen werden wir schon erwartet.

Aber zuerst müssen wir uns natürlich noch um die Optik kümmern. Aus mehreren Gründen haben wir uns schon Anfang der Woche entschieden, Dialas Gemälde diesmal innen aufzuhängen. Erstens sind sie so wunderschön, dass wir sie an einem geschützten Ort bewahren und bewundern wollen, zweitens ist es aber auch so, dass wir im Moment sehr schnell expandieren (die Löwenschule wird in wenigen Wochen auch noch folgen) und so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf uns und diese Tatsache ziehen wollen. Die Schulen sollen möglichst unauffällig, also wie normale Zelte aussehen.

Danach kommt endlich Liliths Lieblingsteil: das Verteilen der Rucksäcke und Bücher (bitte denkt dran, dass wir für die Pinguinkinder noch Spielsachen brauchen!

Allerdings sind plötzlich sehr viel mehr Kinder in der Schule, als auf unserer Liste stehen, denn wenn es Geschenke gibt, wollen natürlich auch die Kleineren was. Um halbwegs den Überblick zu behalten, muss Yehya schließlich alle Kinder beim Namen aufrufen und lässt nur die von der Liste auch wirklich in die Schule zu mir. Erst wenn alle Schulkinder ihre Sachen bekommen haben, geben wir den Rest an kleinere Geschwisterkinder.

Das nehmen wir schon mal als wichtige Lektion mit für den Bau der Löwenschule in ein paar Wochen: bei fast 250 registrierten Schulkindern in dem Camp müssen wir mit 500-600 Kindern insgesamt bei der Eröffnung rechnen.

Dann geht es weiter zu den Tigern. Auch hier hängen wir zuerst Dialas Gemälde auf.

Und auch hier herrscht freudiges Erwartungschaos……  ☺☺

Wie auch beim letzten Mal haben sich die Kinder unglaublich über die Fotos in den Rucksäcken  und über die Bücher gefreut. In der Tigerschule wird natürlich auch das Foto der Türkheimer Grundschule, die die Patenschaft für die Tiger und die kommende Löwenschule übernommen hat, einen Ehrenplatz bekommen, sobald die Einrichtung am Montag in der Schule angekommen ist.

Wir haben noch tausend Fotos und 1000 Eindrücke, aber da wir uns nun bald auf den Weg zum Flughafen machen müssen, lade ich alle Erwachsenen, die mehr erfahren und mehr sehen wollen, herzlich am 4. April um 19.00 Uhr ins Paulaner Bräuhaus (Kapuzinerplatz 5, 80337 München) zu unserem Infoabend ein, die Tumblingerkinder besuche ich mit Vorträgen am 28.3. und bei den Türkheimer Kindern schaue ich auf einen Besuch vorbei, sobald auch deren zweite Patenschule, die Löwen, steht.

Auch die Geschichte von Dou‘ a musste ich euch schuldig bleiben, weil die ganze Woche so viel anderes passiert ist, dass dafür keine Zeit blieb, auch die werde ich beim Infoabend und bei den Vorträgen nachreichen. Nur so viel: sie war heute sehr glücklich, nicht nur weil seit dem Ende ihrer letzten Chemo vor 4 Monaten endlich wieder ihre Haare nachwachsen, sondern weil heute die Kinder im Camp auch endlich die Schule bekommen haben, auf die sie ihretwegen so lange warten mussten.

Bis bald!

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Ein Kommentar

  • Anton Kaplonski

    Wow, das habt ihr sehr gut gemacht. Bin nur noch stolz auf die zwei fleißigsten Mädels, die ich kenne! Hoffentlich können die Kinder in den neuen Schulen jetzt in Ruhe lernen:-)

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