Der Damaskus-Clan

Die Assad-Familie steht dem Denver Clan sowohl in Macht und Einfluss, als auch an Intrigen und Drama in nichts nach.

Als Hafez al-Hassad im Juni 2000 starb, hatte er schon einiges hinter sich: zwei Herzattacken und mehrerey Mordversuche überlebt, zwei seiner Kinder beerdigt, einen nicht enden wollenden Strom an westlichen Regierungschefs in seinem Arbeitszimmer begrüßt und in 30 Jahren „Regentschaft mit eiserner Hand“ ein Quasi-Entwicklungsland in eine der relevantesten und wirtschaftlich unabhängigsten Regionen des Nahen Ostens transformiert. Dennoch stand er einem altmodischen Polizeistaat vor, moderne Errungenschaften wie das Fax (oder gar das Internet!) waren ihm suspekt.

Im jahrzehntelangen Kampf um Frieden im Nahen Osten sind die Führer der Streitländer immer gefragte Kommunikationspartner für diverse westliche Außenminister, doch niemand im Arabischen Raum war gefragter als Hafez, niemand begrüßte mehr Staatsbesucher aus dem Ausland und umgab sich gleichzeitig mit einer solchen Aura der absoluten Gleichgültigkeit und Überheblichkeit. Er selbst reiste kaum, noch nicht einmal innerhalb Syriens, er verbrachte sein Leben mehr oder weniger in seinen Büroräumen, saß 18 Stunden pro Tag an seinem Schreibtisch und arbeitete – und verlangte von seinen Besuchern ebenso viel Durchhaltevermögen. Sie brachten ihm eine Art widerwilligen Respekt entgegen. Hafez galt als professionell und unnachgiebig, intelligent und berechnend, selbstironisch und vor allem unermüdlich. Seine Staatsbesuche schrieben vor allem auch wegen der Länge der Unterredungen Geschichte. Als Henry A. Kissinger 1973 als erster Außenminister in 20 Jahren Damaskus besuchte, dauerte sein erstes Treffen mit Hafez fast 7 Stunden. Die wartenden Journalisten hatten bereits die Frage aufgeworfen, ob er entführt worden sei.

Die Mammut-Gespräche gingen so weit, dass es zu den Aufgaben des Amerikanischen Botschafters gehörte, die Staatsbesucher vor den Meetings zu briefen, nicht zu viel Kaffee oder Tee zu trinken, weil es einen Bruch des Protokolls dargestellt hätte, während einer Besprechung um eine Toilettenpause bitten zu müssen.

Sie hätten das die „bladder diplomacy“ genannt, erklärte Edward P. Djerejian, der Amerikanische Botschafter von 1988 bis 1991.

Hafez war der erste in seiner Familie, der studierte, und weil seine Familie wenig Geld besaß, reichte es auch bei ihm nur zu einem Studium an der Militärakademie, das er teilweise in Russland absolvierte. Er galt bereits damals als Arbeitsmaschine. Schon mit 20 trat er der neuen Baath-Partei bei, die einen säkularen, sozialistischen Staat frei von westlicher Dominanz predigte. Jahre Später regierte er auch durch die Baath-Partei und nutzte deren säkulare Ideologie, um Freunde seiner alawitischen Minderheiten-Religion in Machtpositionen zu setzen und damit seine Diktatur zu stärken.

Er will viel für Syrien erreichen, aber er ist zu keinem Zeitpunkt politisch verblendet. US-Präsident Jimmy Carter schreibt über ihn:

“Even in his bitterness toward Israel, he retained a certain wry humor about their conflicting views, and he seemed to derive great patience from his obvious sense of history.”

1991, als Hafez zum 4. Mal für eine 7jährige Regentschaft kandidiert, erlangt er 99,9% der Stimmen. Ein syrischer Journalist schrieb damals lakonisch: „Selbst wenn Allah angetreten wäre, hätte er nicht so gut abgeschnitten.

Privat hat Hafez nicht alles so fest im Griff. Mit seiner Frau Anisa hat er sechs Kinder: die erstgeborene Tochter Buschra stirbt noch im Säuglingsalter. Das zweite Kind ist zwar gesund, ist aber wieder eine Tochter, die wieder den Namen Buschra bekommt. Obwohl Hafez auf einen Sohn gehofft hatte, entwickelt sie eine sehr enge Beziehung zu ihrem Vater und ist ihm auch charakterlich von allen Kindern am ähnlichsten.

Ihren Brüdern ist Buschra intellektuell weit überlegen, ist wie ihr Vater die geborene Strategin und hat auch seine kompromisslose Härte. Ende der 80er Jahre lernte sie den Armeeoffizier Asif Schaukat kennen. Keine ideale Wahl um bei der Familie zu punkten, denn Schaukat ist geschieden und hat bereits 5 Kinder. Insgesamt dreimal ging er ins Gefängnis wegen seiner Liebe zu Buschra, erst nachdem ihr jüngerer Bruder Basil, der ersehnte „Thronfolger“, 1994 bei einem Autounfall ums Leben kommt, nutzt sie die Gunst der Stunde, setzt sich durch und heiratet Schaukat. Die Ehe wird anfangs geheim gehalten, doch das Paar zeigt bald seine Power-Qualitäten: Schaukat stieg rasch an die Spitze des Militärgeheimdienstes auf und Buschra, die selbst an der Universität in Damaskus einen Abschluss in Pharmakologie gemacht hatte, setzte Reformen um, die Syrien weitestgehend unabhängig vom Medikamentenimporten machten. Wegen Schaukats Macht über den syrischen Geheimdienst und Buschras Einfluss auf ihren Vater wurde das Paar lange als das „syrische Königspaar“ bezeichnet.

Basil al-Assad wurde von klein auf dazu erzogen, in die Fußstapfen seines Vater zu treten.

Trotz seiner vorherbestimmten wichtigen Rolle ist wenig Persönliches über ihn bekannt. Es gibt Gerüchte über Frauen und Drogen, aber niemand würde es wagen, sie laut auszusprechen. Er hatte eine sehr enge Beziehung zum Vater. Hafez liebte es, „Abu Basil“ genannt zu werden, das bedeutet „Vater von Basil“. Basil war Ingenieur und Major der Palastgarde, er liebte schnelle Pferde und schnelle Autos – letzteres sollte ihm zum Verhängnis werden. In den frühen Morgenstunden des 21. Januar 1994 steuerte Basil seinen Mercedes mit 130km/h durch dichten Nebel. Er war auf dem Weg zum etwa 30 km außerhalb Damaskus liegenden Flughafen, um seinen Flug nach Deutschland nicht zu verpassen. Neben ihm saß sein Cousin Hafez Machluf, sein Chauffeur saß sinnigerweise auf dem Rücksitz, weil Basil Autofahren so liebte. Er übersah die Abfahrt zum Flughafen und kollidierte mit einer Betonsperre. Basil war sofort tot, sein Cousin hatte eine Kopfverletzung, der Chauffeur war vollkommen unverletzt.

Basils Tod ist ein Schock für das ganze Land. Innerhalb weniger Tage wird er zu „Basil dem Märtyrer“, überall im Land werden Plätze und Straßen nach ihm benannt, auch der Flughafen in Latakia. Fotos von ihm, Hafez und Baschar hängen überall, bis heute.

Der größte Schock ist Basils Tod aber mit Sicherheit für seinen jüngeren Bruder Baschar, den nächsten in der Reihe. Baschar al Assad ist ein Kind des elften September – ganz sprichwörtlich, denn das ist 1965 sein Geburtstag.

Er wächst zurückgezogen, als stilles, introvertiertes Kind im Schatten seiner dominanten Schwester und seines für die Nachfolge bestimmten Bruders auf. Er besuchte die Arabisch-Französische Schule Hurriya in Damaskus und lernte perfekt Englisch und Französisch. Er ist technisch begabt, ein Tüftler, hat keinerlei politische Ambitionen. Heute würde man ihn vermutlich als Nerd bezeichnen. Er studiert Medizin, spezialisiert sich als Augenarzt und lebt in London. In der Nacht, in der sein Bruder starb, änderte sich sein Leben für immer.

Hafez beordert ihn sofort nach Damaskus zurück und schickt ihn auf die Militärakademie in Homs. Baschar muss sich innerhalb weniger Jahre zum Colonel hocharbeiten, gleichzeitig aber bereits als Berater seines Vaters bei offiziellen Anhörungen und Sitzungen anwesend sein. Niemand traut ihm Hafezs Nachfolge wirklich zu, am wenigsten er selbst. Sein anonymes, ruhiges aber selbstbestimmtes Leben in London, mit einer zwar syrisch-stämmigen, aber durch und durch westlich erzogenen Investmentbankerin, Asma Fauaz al-Akhras, ist vorbei. Sie müssen  über Jahre eine Fernbeziehung führen.

Hafezs Gesundheit verschlechtert sich rapide und Buschra nutzt die Gelegenheit, um ihr Talent als Strippenzieherin unter Beweis zu stellen. Sie hält ihren Bruder als Nachfolger für Hafez zwar für denkbar ungeeignet, fügt sich aber in die Gegebenheiten und forciert eine Freundschaft zwischen Baschar und Schaukat, die ihren Mann für die Zukunft absichern soll.

Am 10. Juni 2000 starb Hafez al-Assad und der ganze Nahe Osten hielt den Atem an. Wenn man in Beirut Menschen auf der Straße fragt, was sie gerade taten, als sie von Hafezs Tod erfuhren, kann sich jeder ganz genau daran erinnern. Die Menschen legten ihre Arbeit nieder, als die Nachricht über alle Kanäle flimmerte; in Beirut, einer der lautesten und umtriebigsten Städte, die ich kenne, wurde es still. Ein Diktator ist tot, aber es war ein Diktator, den man kannte, den man einzuschätzen wusste. Offiziell rechnete man ihm an, den Bürgerkrieg im Libanon beendet  und dafür gesorgt zu haben, dass er während der 90er Jahre nicht wieder ausbrach. Dass er auch mit dafür verantwortlich war, dass der Bürgerkrieg überhaupt so lange gedauert hatte, wurde ganz bewusst vergessen, wie vieles andere auch.

Drei Trauertage folgten, in dem der ganze Nahe Osten zweifelte, Fragen stellte, Wetten abschloss: Würde es jetzt Machtkämpfe in Syrien geben? Würden sie in den Libanon überschwappen? Wird der „Ersatzerbe“, wie man Baschar nannte, an die Macht kommen? Und wenn ja, wie lange kann er sich halten? Kommt der Krieg zurück? Was wird Israel tun?

Ein letztes Mal ist Hafez al-Assads Bild auf jeder freien Fläche zu sehen, nicht nur in Syrien, auch in den Nachbarländern. Und Bilder von ihm und Baschar, als mediale Vorbereitung auf das, was kommen wird, unausweichlich. Und es kam: nur  3  Tage nach Hafezs Tod senkt das syrische Parlament in einer Nacht- und Nebel-Aktion schnell das Mindestalter für Präsidentschaftskandidaten von 40 auf 34 Jahre, damit Baschar überhaupt kandidieren kann, weitere 7 Tage später wird er (ohne Herausforderer) mit 97% der Stimmen gewählt. Er wird außerdem Parteivorsitzender der Baath-Partei und Oberbefehlshaber der syrischen Armee.

Hafez wird in Quardaha, der Geburtsstadt seines Vaters, in einem großen Mausoleum neben Basil beigesetzt.

Während Buschra während der Beisetzung in Tränen aufgelöst ist, ist Baschars Gesicht wie versteinert, wohlwissend, welche Rolle er in wenigen Tagen auszufüllen hat.

Neben Baschar steht bei der Beisetzung sein jüngerer Bruder Maher. Zwei weitere Söhne bekam seine Mutter Anisa nach Baschar: Majed und Maher.

Majed wurde weitestgehend von der Öffentlichkeit ferngehalten. Er soll geistig behindert zur Welt gekommen sein und starb 2009 nach langer Krankheit in einem Pflegeheim. Dafür ist Maher umso bekannter: er ist der gefürchtetste Mann Syriens, wird auch der „Schlächter von Daraa“ (nachdem er dort eigenmächtig im Mai 2011 unbewaffnete Demonstranten niedergeschossen hatte) oder „zweiter Präsident“ genannt, wegen der Macht, die er im Land zu haben scheint.

Die Aufgabenverteilung zwischen den Brüdern scheint klar: der introvertierte Baschar vertritt das Regime politisch nach außen, Maher ist der Mann fürs Grobe. Er gilt schon als Jugendlicher als absoluter Choleriker, jähzornig, gewalttätig, ein Psychopath. Auch Buschra weiß ein Lied davon zu singen: ihrem Mann Schaukat schoss er 1999 bei einem Streit in den Bauch und er überlebte nur knapp, nachdem er für eine Notoperation nach Frankreich ausgeflogen werden musste. Maher leitet sowohl die Republikanische Garde als auch die Vierte Division, eine hochgerüstete Eliteeinheit, für die er fast ausschließlich Alawiten rekrutiert. Bei der Niederschlagung der Proteste spielt diese Truppe eine wichtige Rolle, da das Regime sich auf ihre Loyalität verlassen kann. Maher ist auch der Herr des Giftgases, fast alle bisherigen Giftgaseinsätze werden seinem Kommando zugeschrieben. Das Volk nennt ihn auch den „Vollstrecker“. Seine Schwägerin Majd Jadan floh nach einem Streit mit ihm in die Vereinigten Staaten und prangert auch aus der Ferne noch Mahers Ignoranz an:

“He reads but is not cultured and his English is weak. When he is convinced of something, nothing changes his mind, even when he is presented with evidence to the contrary.“

Baschar wurde anfangs als frischer Wind empfunden, der Reformen in eine Region besetzt von alternden Diktatoren bringen könnte. Er war außerordentlich gebildet und hatte im Westen gelebt, schien bei weitem moderner und aufgeschlossener als alle bisherigen Führer. Kurz nach dem Tod seines Vaters heiratete er außerdem in aller Stille Asma (wir haben hier auf dem Blog bereits ausführlich über sie berichtet), die sich ebenfalls weigerte, ein klassisches Bild der „unsichtbaren Frau“, wie Hafezs Frau Anisa es über Jahrzehnte gelebt hatte, zu erfüllen. Asma war sehr präsent und sehr beliebt und allein die Tatsache, dass er eine Sunnitin geheiratet hatte (Syriens Bevölkerung ist in der Mehrheit sunnitisch) schien seine Aufgeschlossenheit zu beweisen.

Anfänglich schien er auch begierig darauf, eine Kulturrevolution durchzuführen. Er erklärte, Demokratie sei „der Schlüssel zu einem besseren Leben“, fügte jedoch auch hinzu, dass Demokratie in Syrien Zeit brauche. In seinem ersten Jahr als Präsident versprach er auch, die korrupten Strukturen im Land aufbrechen und Syrien in das Zeitalter der Technologie zu hieven, also Internet und Handys im Land zu etablieren.
Dr. Rodger Shanahan, Nah-Ost-Experte vom Lowy Institut äußerte sich in punkto Demokratie ähnlich: die Bevölkerung sei frustriert darüber gewesen, wieviel Macht Familie und Parteifreunde in der Regierung übernommen hätten:

“You can’t open up free speech in a closed political system.”

Als Baschar das Ruder übernahm, war Syrien in einem schlechtem Zustand. Vieles von dem, was Hafez aufgebaut hatte, war durch eine Rezession zerstört worden. Der Kollaps der UdSSR, dem wichtigsten Unterstützer und Handelspartner, hat in Syrien Spuren hinterlassen. Dennoch zeigte das Land ein Jahr nach Baschars Amtsantritt erste Anzeichen einer modernen Gesellschaft: internationale Satelliten-Programme, Internetcafés, Handys…..

Eine Wirtschaftsreform erwies sich jedoch als weit schwieriger. Der voluminöse und dazu korrupte Regierungsapparat schien wie eine Fußfessel, die jede Bewegung auf einen freien Markt hin unmöglich machte. Baschar hatte entweder nicht den Mut oder nicht genügend Parteieinfluss, um die notwendigen strukturellen Änderungen umzusetzen, die nötig gewesen wären, um Syrien ins 21. Jahrhundert zu katapultieren.

Außenpolitisch machte das neue Powerpaar bei Staatsbesuchen zwar eine Menge her, doch der Eindruck täuscht. Baschar kämpft mit Altlasten: eine mehr als schlechte Beziehung zu Israel, die zehrende Militärpräsenz im Libanon, Spannungen mit der Türkei wegen Wasserrechten….. und dem generellen Gefühl, dass er nicht wirklich Einfluss auf die Entwicklungen im Nahen Osten hat.

Auch Buschra ist in der Krise. Durch ihr Verhandlungsgeschick konnte sie zwar eine Aussöhnung zwischen ihrem Mann Schaukat und ihrem Bruder Maher herbeiführen, doch sie sollte später nur dazu führen, dass Schaukat bei dem Bombenangriff, bei dem Maher sein Bein verliert, ums Leben kommen sollte. Außerdem ist sie ganz und gar nicht mit Asma und deren eigenwilliger Definition ihrer Rolle an Baschars Seite einverstanden. Schon der Titel „First Lady“ widerstrebt ihr, und sollte Buschras Meinung nach ihrer Mutter Anisa zustehen. Auch die aktive Rolle, die Asma übernimmt (sie hat ein eigenes Büro, einen eigenen Pressesprecher, offizielle Termine ohne ihren Mann, weitreichende Stiftungsprojekte und äußert sich offen in der Presse über politische Belange) ist für Buschra unvorstellbar. Mehr noch, dass Baschar ihr diese Rolle gestattet.
Auch die drei Kinder werden in die PR-Maschinerie eingebunden:

Tatsächlich scheint auch der Westen sich an Asma zu spalten: von einer mehrseitigen Vogue-Bilderserie über sie, in der sie als „Desert Rose“ bezeichnet wird bis hin zu Aufrufen im Guardian, ihr die britische Staatsbürgerschaft zu entziehen, ist alles dabei. Fakt ist, dass sie zu Anfang von Baschars Regentschaft im Volk unglaublich beliebt war ob ihrer Offenheit, Schönheit, Unabhängigkeit und Volksnähe. Fakt ist auch, dass Baschar ihr von Anfang an alle Freiheiten ließ und sie aktiv in seine Politik einband. Daraus resultiert, dass sie wohl auch seine Entscheidungen seit 2011 mitträgt.

Auch über Trumps Gegenschlag nach dem jüngsten Giftgasangriff äußert sie sich sehr deutlich – und in offizieller Funktion für ihren Mann:

“The presidency of the Syrian Arab Republic affirms that what America has done is an irresponsible act that only reflects a shortsightedness, a narrow horizon, a political and military blindness to reality and a naive pursuit of a frenzied false propaganda campaign.”

Abgesehen davon, dass sie in Sachen Trumps Borniertheit den Nagel wohl auf den Kopf getroffen hat, sprechen ihre Aussagen eine deutliche Sprache: sie steht hinter den Entscheidungen ihres Mannes. Oder denen seines Bruders? Denen der Partei? Wer immer momentan das Sagen hat in diesem Krieg….

Keine der Menschenrechtsreformen, die Baschar bei Übernahme seiner Präsidentschaft plante, wurde umgesetzt. Obwohl er von Hafezs Kindern derjenige ist, der am allerwenigsten nach seinem Vater kommt, führt er (oder die Partei?) das Land noch wie vor 25 Jahren. Die wenigen Neuerungen, die er durchgesetzt hat (vor allem das Internet) werden reglementiert: 2007 erlässt das Parlament ein Gesetz, dass alle Chats in Chat-Foren öffentlich sichtbar sein müssen. 2008 und dann noch einmal 2011 werden mehrere Seiten (wie z.B. Facebook und YouTube) verboten. Tausende politische Gegner werden inhaftiert und gefoltert.

Viele Menschen, nicht nur in Syrien sondern auch in den Nachbarländern, sahen in Baschar al-Assad die Chance auf einen Umschwung, einen Vorstoß in die Moderne. Mittlerweile ist klar, dass es eine Veränderung in Syrien nur ohne ihn geben kann, an jeden Wandel im Land sein Rücktritt oder sein Tod geknüpft ist. Die Syrer wissen nun, dass sie nicht nur die Wahl zwischen Autoritarismus und den Interessen Israels haben, dass man pro-demokratisch und pro-Palästina sein kann. Pro scheint das neue Wort der Stunde im Nahen Osten zu sein, auch im Libanon hat man die Nase voll davon, anti-zionistisch, anti-liberalistisch…. anti-frei zu sein. Pro-revolution  zu sein, heißt in Syrien aber leider auch weiterhin, den hohen Preis dafür zu kennen.

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