Libanon Tagebuch III – Tag 6 (last day – Phoenix und Fuchs)

Da unser Flug heute bereits um kurz vor 17 Uhr geht und die Sicherheitskontrollen am Beiruter Flughafen tödlich sind (wir müssen spätestens um 13 Uhr da sein, wenn wir unseren Flug erwischen wollen) ist heute nicht mehr genug Zeit, um noch einmal nach Beqaa zu fahren. 🙁

Deshalb gehen wir heute einkaufen für die Fuchs-Schule. Statt neuer Zeltplanen habe ich mich gestern Abend dafür entschieden, dass wir das Gerüst mit MDF-Platten verkleiden. „Das wird aber teuer, Madame“, wandte Yehya ein. Er ist der sparsamste Mensch, den ich kenne, ich habe ihn schon Kinder, die sich unrechtmäßig 2 Pixi-Bücher statt eines aus der Kiste nahmen, durchs ganze Camp verfolgen sehen! 🙂

Ich sage ihm, dass wir uns das, dank der großzügigen Spende der Namensgeberin Frau Fuchs, leisten können. „Manchmal muss man Gewalt etwas Stärkeres entgegensetzen als eine Kunststoffplane“ sage ich ihm und er nickt. Die MDF-Platten werden nächsten Freitag geliefert, so lange wird der Unterricht in der zerschnittenen Schule fortgesetzt. Die wichtigsten Schulmaterialien haben wir bereits ersetzt, mit dem Rest warten wir, bis die Schule wieder abschließbar ist.

Wichtig ist auch, dass wir bereits ein Camp gefunden haben, in dem bei meinem nächsten Besuch das zweite Toolport-Zelt aufgebaut wird.

Da man uns in Beqaa mittlerweile kennt, werden wir beim Vorbeifahren an Camps ständig gestoppt und die Leute rufen mir zu „Bau eine Schule bei uns, unsere Kinder brauchen dringend eine!“ Das ist einerseits herzzerreißend, andererseits muss man leider ganz klar sagen, dass nicht in jedem Camp eine Schule gebaut werden kann. Manche haben gar nicht die Freifläche, die wir brauchen, um Platz für eine Schule zu haben, manche Camps haben zwar die Fläche, aber die Miete ist unbezahlbar. Manche Camps werden von der libanesischen Mafia mit Drogen versorgt, manche haben keine Zufahrt, die breit genug für unsere Wasserlaster ist. Diese Woche habe ich mir ein Camp angesehen, das eigentlich alle unsere Voraussetzungen erfüllen würde, aber der libanesische Campvorsteher ist mit einer 11jährigen verheiratet und es ist mir persönlich leider unmöglich, mir die nächsten Jahre bei jedem Besuch (ich muss in engem Kontakt mit den Chefs der Camps bleiben) den Tee von diesem Mädchen servieren zu lassen und so zu tun, als wäre das in Ordnung. Es ist also jedes Mal wieder eine Herausforderung, geeignete Camps zu finden und ich freue mich sehr, dass wir das für die nächste Schule bereits geschafft haben.
Ansonsten ist der Rest des Vormittags „Tourismus“-tag. Bei der Ausreise am Flughafen werden nicht selten die Bilder auf den Kameras kontrolliert und da wir als Einreisegrund jedes Mal „Tourismus“ angeben, will ich nicht zum dritten Mal meine alten Nationalmuseums-Fotos zeigen müssen. Hamad, die Kinder und ich brausen also mit einem Affenzahn durchs libanesische Hinterland und machen Fotos von der überwältigenden Jeita-Höhle, zu der man mit einer kleinen Seilbahn fahren kann (im Inneren der atemberaubenden 2 Höhlen muss man Kamera und Handy leider abgeben, aber ich bin sicher, wenn Sonja während wir im Flieger sitzen den Beitrag heute online stellt, findet einen Link mit Bildern für euch 🙂 [Anm.: Unter http://www.libanon-info.de/grotten-von-jeita.html werden die Grotten, die 2013 den Welttourismus-Award bekommen haben, wunderbar beschrieben]), Byblos, einer der ältesten Städte der Welt, das Qadisha-Tal….. (eine Übersicht der Sehenswürdigkeiten im Libanon findet ihr auf der Homepage derlibanon.de). Die Kinder wechseln im Auto immer wieder die T-Shirts, damit die Fotos so aussehen, als hätte ich sie im Lauf der ganzen Woche gemacht.
Einige dieser Fotos will ich euch keinesfalls vorenthalten weil sie zeigen, was für ein unfassbar schönes Land der Libanon einmal war – und wieder sein könnte.
  
Linus macht sich aber Sorgen um seine Lehrerin: „Mama, das ist ja Betrug! Wir dürfen doch von der Schule fehlen, weil wir hier zum Arbeiten sind, und heute ist es ja wie Urlaub! Wenn das Frau Schwartze erfährt!“

Ich versichere ihm, dass das ok ist, weil heute ja Sonntag ist und wir die Eröffnung der Schule (also unsere „Arbeit“) schon geschafft haben. 🙂

Dann rufe ich nochmal Yehya an und erzähle ihm von meiner Schengen-Idee. Wie erwartet ist seine erste Frage, was aus der Giraffenschule wird, wenn er drei Tage nicht da ist. Ich versichere ihm, dass der Fundraiser erstens auf ein Wochenende fallen wird und zweitens es ja auch mal möglich wäre, die Schule 3 Tage zu schließen, da wir ohnehin nie Ferien machen. Es ist totenstill am Telefon und ohne ihn zu sehen, weiß ich, dass er gerade seiner Frau einen Blick zuwirft, der bedeuten soll, dass ich komplett den Verstand verloren habe. – Er wird noch heute Abend anfangen, eine Vertretung für den Unterricht zu organisieren, da bin ich mir sicher. 🙂

Für uns geht es jetzt auf zum Flughafen und zurück nach Deutschland, um Geld für die nächsten Schulen und vor allem auch für den weiteren Unterhalt unserer mittlerweile 6 bestehenden Zeltschulen zu sammeln.

Und dann sind wir wieder hier, denn ein „nächstes Mal“ MUSS es für die Menschen hier geben. Bald.

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