DIY-(Welten)MACHERIN: Ajaita Shah

Ajaita macht Licht. Und das Wichtigste: nicht mit Kerosin! Denn Kerosin-Lampen sind in Indien das am weitesten verbreitete Leuchtmittel. Obwohl sie so gefährlich sind, kann sich die Mehrzahl der Inder keine andere Art der Beleuchtung oder Heizung leisten. Unzählige Unfälle fordern jedes Jahr zahlreiche Todesopfer.

2008 war Ajaita selbst Zeugin so eines Kerosin-Unfalls:

I saw a 5-year-old die in five seconds. There was nothing we could do.”

Das Bild des 5jährigen Mädchens, das in Sekunden in Flammen aufging, ließ Ajaita nie mehr los. Seither hat sie tausende Solarleuchten günstig auf den indischen Markt gebracht.

Dabei kannte sie Indien eigentlich nur aus den Sommerferien, denn geboren wurde sie in Scarsdale, New York, wohin ihre Eltern ausgewandert waren, um ihren Kindern eben gerade bessere Arbeitsmärkte als den indischen zu bieten. Nach ihrem Abschluss an der Tufts Universität, an der sie eigentlich Jura studieren sollte, sich aber dann doch mehr für Mikrofinanzierungen interessiert, kehrte Ajaita aber trotzdem nach Indien zurück – sehr zum Leidwesen ihrer Eltern.

Ajaita war noch keine dreißig, als sie 2011 ihre eigene Firma Frontier Markets gründete und ihre Arbeit in schwer zugänglichen Dörfern im indischen Hinterland begann.

Zugrunde liegt ihrer Firmengründung eine ebenso simple wie verwegene Idee: der armen Bevölkerung Indiens den Zugang zu billiger, sauberer, sicherer Energie zu verschaffen.

Frontier Markets stellt nichts her, sondern kauft Solarprodukte in riesigen Mengen und verkauft sie dann über mittlerweile mehr als 300 Franchise-Unternehmen. Ajaita nennt ihre Firma ein „profitables Unternehmen mit sozialer Mission“.

„We replace deadly kerosene and provide access to reliable lighting. Frontier Markets educates, trains and services local farmers, government, nonprofits, small retailers and women’s groups to reach households to stop deadly and toxic energy practices.“

Dabei ist das Problem keineswegs nur ein indisches: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sicherer Energie und benutzt zum Kochen, heizen und Licht machen Kerosin und andere ebenso gefährliche Stoffe, was zu mehr als 5 Millionen Todesopfern weltweit jedes Jahr führt.

Zehntausende dieser sicheren Solarprodukte hat sie mittlerweile in über 700 Dörfern rund um Rajasthan an den Mann gebracht – oder an die Frau, denn sie gründete auch die Kampagne „Solar Saheli“, die indische Frauen aus den ländlichen Gegenden dazu ermutigt, in ihren Dörfern zu Solar-Unternehmerinnen zu werden und die anderen Dorfbewohner über die Vorteile der Solarenergie aufzuklären.

Genau das ist nämlich oft das Schwierigste: die Dorfbewohner zu überzeugen, denn sie haben oft keine Ahnung von Solarenergie und stehen dieser für sie neuen Innovation sehr kritisch gegenüber.

Ihr Job besteht also mehr aus Aufklärung als aus Verkauf, sowohl bei ihren Investoren als auch bei ihren zukünftigen Kunden. Das tut sie zum größten Teil immer noch von Indien aus, auch wenn sie mittlerweile viel auf der ganzen Welt unterwegs ist, um für sichere Energie zu werben. 2016 wurde sie mit dem „Women of Worth“-Award für „Excellence in Environment“ ausgezeichnet, sie gehört zu den „30 einflussreichsten Menschen unter 30“ des Forbes Magazins und sie hält rund um den Globus Reden, um ihre Mission der sicheren Energie für alle ins globale Bewusstsein zu rufen.

Eine Welten-Macherin!

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