Die Model-Feministin

Bei uns auf dem Blog geben wir nicht oft Supermodels das Wort, doch für Paulina Porizkova mache ich eine Ausnahme.

Und das nicht nur, weil sie mit „A Model Summer“ ein wirklich gut geschriebenes, äußerst lesenswertes Buch abgeliefert hat, sondern weil ihre aufregende Biografie sie von der Tschechoslowakei über Schweden und Frankreich in die USA geführt hat und sie so die Gelegenheit hatte, ganz unterschiedliche nationale Feminismus-Definitionen am eigenen Leib zu erfahren – und darüber zu berichten.

I used to think the word “feminist” reeked of insecurity. A woman who needed to state that she was equal to a man might as well be shouting that she was smart or brave. If you were, you wouldn’t need to say it. I thought this because back then, I was a Swedish woman.

Mit 9 Jahren kam Paulina nach Schweden. Ihre Eltern waren 1968 vor der sowjetischen Invasion hierher geflohen, konnten Paulina aber erst sieben Jahre später nachholen. Sie war bei ihren Großeltern geblieben. Schon an ihrem ersten Schultag in Schweden wurde sie mit einem ganz neuen Bild des Frauseins bzw. Mädchenseins konfrontiert: ein Junge machte sich über Paulina lustig, weil sie Immigrantin war, und ehe sie darauf reagieren konnte, hatte ein anderes Mädchen ihn dafür ins Gesicht geschlagen. Die Mädchen in ihrer alten Heimat hätten sich das nie getraut. In Schweden jedoch schienen die Mädchen dieselben Rechte zu haben wie Jungs.

In Czechoslovakia, women came home from a long day of work to cook, clean and serve their husbands. In return, those women were cajoled, ignored and occasionally abused, much like domestic animals. But they were mentally unstable domestic animals, like milk cows that could go berserk you if you didn’t know exactly how to handle them. 

Die Offenbarungen gingen weiter:

  • Hausarbeit wurde in Schweden gerecht zwischen den Partnern aufgeteilt
  • Kondome bekam man kostenlos von der Schulschwester
  • Der Sexualkundeunterricht pries die Masturbation
  • Die Pubertät schien die Bedeutung der Mädchen noch weiter zu heben: sie waren umzingelt von Verehrern, deren Begehren die Mädchen nur noch mächtiger machte. Wenn einer von ihnen erhört wurde, war er überglücklich. Slut Shaming? Was ist das?

Muss man Schweden nicht einfach lieben?

Doch Paulinas Zeit dort lief ab, denn mit nur 15 Jahren war sie von einem Model-Scout entdeckt worden und zog nach Paris. Sie hatte sich auf viele Veränderungen in ihrem neuen Leben vorbereitet, aber auf eine vollkommen neue Frauenrolle war sie nicht gefasst:

When I moved to Paris at 15 to work as a model, the first thing that struck me was how differently the men behaved. They opened doors for me, they wanted to pay for my dinner. They seemed to think I was too delicate, or too stupid, to take care of myself. 

Paulina fühlt sich bevormundet. Sie reagiert auf das Problem, wie sie es in Schweden getan hätte: als sexuell selbstbewusste Frau, doch damit läuft sei bei den französischen Männern gegen Wände:

Frenchmen don’t work this way. In discos, I’d set my eye on an attractive stranger, and then dance my way over to let him know he was a chosen one. More often than not, he fled. And when he didn’t run, he asked how much I charged.

Also bedeutet das, ausgerechnet die berüchtigten Französinnen sind nicht emanzipiert?

Selbst in ihren jungen Jahren erkannte Paulina bereits, dass es ebenso viele verschiedene Versionen von Stärke gibt wie von Schwäche und dass nicht immer die offensichtlichste die wirkungsvollste ist.

In France, women did have power, but a secret one, like a hidden stiletto knife. It was all about manipulation: the sexy vixen luring the man to do her bidding.

Mit 18 zieht Paulina in die Vereinigten Staaten und verliebt sich in einen Amerikaner – und spätestens jetzt wird es Zeit, sexuelle Stereotype zu überdenken.

It turned out most of America didn’t think of sex as a healthy habit or a bargaining tool. Instead, it was something secret. If I mentioned masturbation, ears went red. Orgasms? Men made smutty remarks, while women went silent. There was a fine line between the private and the shameful. A former gynecologist spoke of the weather when doing a pelvic exam, as if I were a Victorian maiden who’d rather not know where all my bits were.

Das Wort Feminismus scheint in Amerika plötzlich nicht mehr so verstaubt, so überholt, umgeben von Frauen, die ihr Selbstwertgefühl aus dem Versuch bezogen, ewig dünn und ewig jung zu sein, begehrenswert für Männer, die sie selbst nicht zu begehren schienen. Man redet Frauen ein, sie könnten alles erreichen (natürlich nur für 40% weniger Gehalt), aber wenn eine Frau es wirklich nach oben schafft, stellt man ihr kurz vor der Spitze empört ein Bein.

In America, important men were desirable. Important women had to be desirable. That got to me.

In 194 Ländern auf dieser Welt müssen Frauen 194 verschiedene Wege finden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, innerhalb der Schemata, die ihre kulturellen Gegebenheiten ihr bieten. Es gibt nicht „den Feminismus“, es gibt Dutzende Versionen davon, keine besser oder schlechter als die andere, aber jede einzelne davon absolut lebensnotwendig.

In the Czech Republic, the nicknames for women, whether sweet or bitter, fall into the animal category: little bug, kitten, old cow, swine. In Sweden, women are rulers of the universe. In France, women are dangerous objects to treasure and fear. For better or worse, in those countries, a woman knows her place.

 

 

But the American woman is told she can do anything and then is knocked down the moment she proves it. In adapting myself to my new country, my Swedish woman power began to wilt. I joined the women around me who were struggling to do it all and failing miserably. I now have no choice but to pull the word “feminist” out of the dusty drawer and polish it up.

 

My name is Paulina Porizkova, and I am a feminist.

Willkommen in unserer Welt, Paulina!

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