Libanon Tagebuch IV – Tag 01 (Löwen)

Abflug in MUC

Anders als sonst immer, hat unsere Reise diesmal eigentlich ganz gut begonnen: als wir mit unseren genau 181 kg Gepäck im Libanon landeten waren nicht nur Trolleys da, sondern wir waren im Flugzeug auch wieder eine kleine Truppe (Lilith konnte sich allein auf einen Dreiersitz legen und schlafen), die sich gut verstand und von denen einige gerne am Gepäckband halfen.

An Bord war natürlich das einzige Thema der Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten und was dieser Triumph der Hisbollah wohl für den Libanon bringen möge. – Jedenfalls bis die Zoll-Einreisebögen verteilt wurden, ab da hatte ich zu tun: die Einreisebögen müssen nur Nicht-Libanesen ausfüllen (logischerweise), deswegen sind sie nur in Englisch und Französische gedruckt, nicht in Arabisch. An Bord waren aber fast ausschließlich Syrer und Libanesen mit deutschem Pass (die seit 15 und mehr Jahren in Deutschland leben) und die kein Englisch und Französisch sprechen. Die letzten eineinhalb Stunden der Reise habe ich also mit dem Ausfüllen von zig Formularen verbracht…. 🙂

Mein Lieblingssatz an Bord von einem jungen Libanesen als wir morgens um 3 Uhr im Landeanflug auf ein hell erleuchtetes Beirut waren: „Hey, wir haben sogar gerade Strom!

Bei unserem vielen Gepäck sah ich mich den Tag schon beim Zoll am Flughafen verbringen, aber wir hatten eine Glückssträhne: erst hat mich ein Beamter gebeten, mich bei der (viel kürzeren) Schlange für libanesische Staatsbürger anzustellen (nicht bei den Ausländern) und auf meinen Hinweis, dass ich aber einen europäischen Pass hätte, meinte er nur lächelnd: „So oft wie Sie schon hier waren sind Sie doch praktisch Libanesin!“

Beim Gepäckband kamen alle unsere Koffer innerhalb von 10 Minuten und ich habe festgestellt, dass ich 2 Gepäckwagen mit je drei Koffern gleichzeitig schieben kann – jedenfalls solange keine Kurve kommt. Als dann die Kurve zur Kontrolle kam, standen gleich zwei der Polizisten, die die Koffer scannen, auf, nahmen mir meine 2 Gepäckwagen ab und fuhren sie (in großem Bogen an den Scannern vorbei!!) für mich in die Halle – so schnell waren wir noch nie aus diesem Flughafen raus und das Land, in dem man kein Toilettenpapier die Toilette runterspülen darf, hatte uns wieder!

Kommentar von Hamad, unserem Fahrer, der sich schon wieder auf eine lange Nacht des Wartens bis wir durch den Zoll sind eingestellt hatte: „Was macht ihr denn schon hier? Ich wollte mir eben Shawarma holen!“

Damit endete unsere Glückssträhne leider und den Tag habe ich trotzdem beim Zoll verbracht: wegen der 300 Spielsachen, die wir vor mehreren Wochen per Spedition nach Beirut geschickt haben, die auch wenige Tage später ankamen, aber seitdem beim Zoll festhängen. Sie ließen sich dort auch nicht loseisen, denn wenn es eine Beanstandung geben hätte, hätte man darüber diskutieren können, aber sie warten immer noch auf die Zollbeschau, also müssen wir hier Daumen drücken, dass die jetzt schnell passiert.

Nach dem Zoll war gerade noch Zeit für Lilith und mich, die 600 in München mühsam gerollten und vakuumierten Shirts wieder auszupacken, zu glätten und nach Größen zu sortieren, damit wir beim Verteilen einen besseren Überblick haben. Jede Größe hat jetzt ihre eigene Riesentüte und auf diese Weise habe ich auch 2 leere Koffer, die ich morgen mit nach Shatila nehmen kann, um weitere ANA Dolls (erhältlich bei uns entweder im Shop und natürlich an unseren Verkaufsständen) und andere schöne Dinge für unsere nächsten Veranstaltungen (14.11. um 18.30 Uhr bei Schnitzer& und am 2.12. um 14 Uhr auf dem Zeltschule-Adventsmarkt in der Tumblingerschule) zu transportieren, wenn ich sie dort morgen abhole.

Dann ging es ins Warwick Palm Beach Hotel, wo wir zu einer Round-Table-Diskussion mit „Engagement Global“ und „Democracy Reporting International“ eingeladen waren. 14 Kommunalvertreter aus dem Allgäu der „Initiative Kommunales Know-How“ (IKKN) halten sich dort gerade auf und wir hofften auf einen fruchtbaren Austausch. Neben dem UNHCR, der Caritas und einigen weiteren hier tätigen NGOs durften auch wir uns dort vorstellen und freuen uns besonders darüber, dass gleich 8 der Allgäuer Kommunalvertreter spontan Beitrittserklärungen für unseren Verein ausgefüllt und mir mitgegeben haben und alle Interesse haben, uns nach ihrer Rückkehr in ihren Gemeinden zu unterstützen!

Vielen Dank für die begeisterten Reaktionen, das interessierte Nachfragen und die spontanen Hilfsangebote!

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