DIY-(Welten)MACHERIN: Rapelang Rabana

Smartphones sind überall. Es gibt Geschichten von Leuten, die in Hundekacke treten, in den Canale Grande fallen, von Straßenbahnen überfahren oder gegen Laternenmasten laufen, weil sie ihren Blick nicht von ihrem Handy abwenden können. Und auch wenn wir uns (mich eingeschlossen) über sie aufregen, so hat Rapelang Rabana einen Weg gefunden, genau diese Handysucht für etwas sinnvolles zu nutzen und das allein ist es doch schon wert, dass wir sie in die Reihe unserer (Welten)Macherinnen aufnehmen, oder?

Die 32jährige Botswanerin hat nämlich die Firma „Rekindle Learning“ gegründet – und der Name ist Programm. E-Learning und andere Formen der digitalen Bildung sind nicht neu, aber meistens wird dafür ein PC oder Laptop benötigt. Südlich der Sahara, wo nur 2% der Menschen einen Computer besitzen, haben solche Konzepte aber keine Chance. In Afrika gibt es aber 67 Millionen Smartphones und bis zum Jahr 2025 soll diese Zahl sogar noch explodieren auf 360 Millionen. Deswegen führt der Weg zu Bildung in Afrika ganz klar über das Handy. Die Rekindle App wurde extra für kleine Screens entwickelt und funktioniert sowohl offline als auch online, um die unzuverlässigen afrikanischen Internetverbindungen auszugleichen. Der User kann in jeder 5-Minuten-Pause, Busfahrt, im Lift oder Wartezimmer kurze, personalisierte Aufgaben und Tests absolvieren um das Gelernte zu verfestigen. „Micro-learning“ nennt Rapelang diese Mini-Wissensportionen in Tweet-Länge, die individuell auf den User zugeschnitten sind, ihn immer wieder zurückbringen zu dem, was er beim letzten Mal falsch gemacht hat, solange bis es sitzt. Diese Methode ist auf nahezu jeden Stoff anwendbar: Sprachen, Mathematik, Business-Kurse….

“I see Rekindle Learning enabling people to build knowledge from the palm of their hands. From school children, to young high school graduates, to entrepreneurs, to women farmers,” she says. This might seem like an overly ambitious goal for a young entrepreneur — especially since mobile learning has far to go to prove its claimed benefits.“

Programmieren lernen zu müssen erschien Rapelang zwar wenig verlockend, doch sie freundete sich rasch damit an:

“You could think up your own stuff and actually create something from the figment of your imagination, from nothing — there seemed to be real power there.“

Mit 22 transportiert sie diese Macht ins Leben 1.0 und gründet eine Firma., der Rest ist Geschichte. Sieben Jahre später ist sie auf dem Cover des Forbes Magazins und gehört zu den 30 einflussreichsten Menschen in ganz AfrikaLängst bezeichnet man sie als Afrikas Marissa Mayer (bis vor kurzem CEO und Präsidentin von Yahoo). Wie viele Pionierinnen empfindet sie es belastend, keine weiblichen Vorbilder zu haben.

„The challenge as female entrepreneurs is to continue to pursue our dreams and success, with very limited historical reference of people we can personally relate to, in the absence of an established framework that reflects our ideas, interests, values, and views of success.“

Jemand nacheifern zu können ist also unmöglich, deswegen geht sie einfach vollkommen eigene Wege, ist heute selbst ein Role Model für afrikanische Mädchen, die im Technik- und IT-Bereich Karriere machen wollen. Vor wenigen Monaten wurde sie vom World Economic Forum als „Young Global Leader for 2017“ ausgezeichnet, doch man hat den Eindruck, sie hat ganz andere Prioritäten.

“Most of us will be familiar with the Chinese proverb about teaching a man to fish as opposed to giving him a fish. My proposition is: teach a man to fish and you will feed him for a lifetime. Expose a man to the internet and he will change his life.”

Sie glaubt an die (positive) Kraft des Internets in einer Zeit der nicht enden wollenden Selfie-Tsunamis, die uns andere eben dieses Internet verfluchen lässt. Und, mehr noch, sie glaubt daran, Smartphones zum Werkzeug der Selbstwertsteigerung und Stärkung einzusetzen. Dass 16jährige in Zukunft lernen statt zu tweeten, wenn sie ihre Handys in der Hand haben, ist ihre Zukunftsvision.

„I believe the internet and mobile represent for the millions and especially young people around the world, the most effective tool for empowerment. I believe that in 10 years one of the greatest drivers of data usage on the continent will not just be entertainment and social media, but educational, training and learning content, and I want Rekindle Learning to be at the crux of that.“

Ich kann es kaum erwarten.

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