Daulatdia – Bangladeschs größtes Bordell

Bangladesch ist eines der wenigen islamischen Länder, das Prostitution toleriert – und versinkt fast darin. Über 20 Groß-Bordelle gibt es in dem kleinen Land, das größte ist Daulatdia. Mit über 1600 Prostituierten und über 3000 Freiern täglich ist es eines der riesigsten Bordelle weltweit.

Daulatdia besteht seit Anfang der 80er Jahre und wächst kontinuierlich. Kaum jemand schafft es heraus, aber über 100 minderjährige Mädchen kommen jedes Jahr neu hierher, die meisten von ihnen wurden gekidnappt und verkauft oder in der Not von ihren Eltern hergeschickt, um die bettelarmen Familien zuhause zu unterstützen. Fast täglich kommen in Daulatdia auch Babys zur Welt, viele der Prostituierten sind selbst hier geboren, haben ihre Mütter Freier empfangen sehen und tun nun dasselbe vor den Augen der eigenen Kinder. Familiengeschichten in kleinen Puffzimmerchen.

Daulatdia ist als Groß-Puff so „erfolgreich“, weil es an einem strategisch wichtigen Punkt liegt: direkt vor den Toren kreuzen sich die Eisenbahnlinie, die Hauptstraße, die in die ca. 100km östlich gelegene Hauptstadt Dhaka führt und die Fährlinie. Allein 2000 Trucks fahren hier täglich durch und die Trucker, selbst alles andere als reich, sind die Hauptkunden der Prostituierten.

Das Angebot an Frauen lässt hier keine Freierwünsche offen: von 10 Jahren bis 40 Jahren, von 60 Cent bis 12$ gibt es hier alles zu kaufen, was die Ausbeutung der Frau hergibt. Jedes Mädchen hat ihre eigene Wellblechhütte, diese fensterlosen Räume sind ihre ganze Welt, in denen sie, abgesehen von den Freierbesuchen mehrmals täglich, weitestgehend isoliert leben. Es gibt keine medizinische Versorgung, keine kostenlosen Verhütungsmittel, keine AIDS-Statistiken.

Bis vor wenigen Jahren durften die Frauen noch nicht einmal ihre Toten am Stadtrand begraben, weil sich die umliegenden Dörfler ständig über die „Hurenstadt“ echauffierten. Wenn ein Mädchen an Drogen, im Kindbett oder an einer Geschlechtskrankheit starb, musste sie in den Fluss geworfen werden. Das immerhin hat sich geändert: mittlerweile haben die Frauen einen eigenen Friedhof. Auch die Schulen der angrenzenden Dörfer durften die Hurenkinder nicht besuchen, deswegen hat eine ehemalige Prostituierte jetzt selbst eine Schule gegründet, etwa 500m entlang der Bahnschienen von Daulatdia entfernt, die derzeit von über 500 Kindern besucht wird. – Ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass vielleicht doch manche Kinder es hier heraus schaffen, obwohl selbst die Lehrerin skeptisch ist: die Jungs seien sehr gefährdet, später Drogen zu nehmen und die Mädchen, auf den Strich geschickt zu werden. Daulatdia ist eine Welt mit wenigen, gut versteckten Auswegen.

Die Lebenserwartung der Frauen hier ist gering, Geschlechtskrankheiten, die ungesunde Ernährung, Depressionen, Drogen, keinerlei medizinische Versorgung, viel Gewalt seitens der Freier und auch der Frauen untereinander tragen dazu bei, dass hier niemand sehr alt wird.

Da viele Frauen zu dünn sind, wird überall Oradexon verkauft, ein Steroid aus der Rindermast, das dazu führt, dass die Frauen fülliger, runder – und damit öfter frequentiert werden. Die Nebenwirkungen sind grauenhaft: Anaphylaxie, Dermatitis, Osteoporose, Leberversagen. Dennoch nehmen viele der Frauen das Medikament täglich, sind davon abhängig attraktiv und damit „verkäuflich“ zu sein. 10 Cent kostet eine Tagesdosis und das ist nur die Spitze des Drogen-Eisberges in Daulatdia: Heroin und Amphetamine gibt es fast umsonst, Alkohol (eigentlich verboten in Bangladesch) wird ebenso billig an die Freier verkauft.

Armut ist die Geisel des 21. Jahrhundert, aber Orte wie Daulatdia zeigen, was Armut speziell Frauen antut. In der westlichen Welt beschweren wir uns darüber, dass es immer noch ein Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern hinsichtlich Karrierechancen oder Gehälter gibt – und wir haben Recht damit. Aber die Ungleichheit existiert am entgegengesetzten Spektrum ebenso: nicht nur haben Frauen in der Ersten Welt weniger Möglichkeiten, Wohlstand und Unabhängigkeit für sich zu erwirtschaften, sie haben in der Dritten Welt auch weniger Möglichkeiten, sich den härtesten Folgen der Armut zu entziehen. Nicht einmal im Leid sind wir gleichgestellt.

Daulatdia ist nur eines von hunderten Großbordellen weltweit, geöffnet 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, mit hunderttausenden Mädchen und Frauen ohne Zukunft, ohne Wahl, ohne Rechte, ohne Chance. Frauen für die sich niemand interessiert, weil Worte wie Feminismus oder Gleichberechtigung in unseren Ohren schon so überholt klingen, aber die Ausbeutung von Frauen gehört immer noch zu den großen Geißeln unserer Zeit und die Mädchen von Daulatdia leben diese Tatsache jeden Tag.

_____________________________________________________________________
Save the children ist die einzige Organisation, die derzeit in Daulatdia aktiv ist, bitte unterstützen Sie sind, wenn Sie können mit einem Klick auf Save the Children/Bangladesh.

Oder Helfen Sie mit einer Unterschrift auf dieser Petition „Help Girls Who are Trapped in the Daulatdia Brothel

print
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.