Libanon Tagebuch VI – Tag 04 (Allgäu)

Heute hatten wir einen sehr ereignisreichen Tag. Also alles wie immer. 🙂

Zuerst haben wir in mehren unserer Camps die „My name is…..“-Kampagne gestartet. Ich habe den Kindern Blätter mitgebracht, auf die sie selbst ihre Namen geschrieben haben um sie darin zu bestärken, stolz darauf zu sein, dass sie ihren Namen nicht nur schreiben können, sondern dass sie ihn haben, dass sie jemand sind, dass sie wichtig sind und einzigartig, wertvoll und ganz besonders, dass die Welt zwar den Sammelbegriff „Flüchtling“ für sie gefunden hat und der sie nicht nur in eine Schublade (das ginge ja noch), sondern vielmehr in ein riesiges Silo mit Millionen anderen Menschen wegzuräumen versucht, aber hier, in unseren Schulen, sind sie keine Flüchtlinge. Sie sind Aabit, Fawad, Esma, Fadita, Vara, Ibrar……

Dann haben wir uns auf den Weg in die Löwenschule gemacht, Sonntags ist dort nämlich unser Literacy Course, in dem über 100 Frauen von 17 bis 61 Jahren Lesen und Schreiben lernen. Es schien auch Waschtag gewesen zu sein, aber das nur am Rande….. 🙂

Heute hatten wir ein besonderes Geschenk für unsere lernenden Frauen: schon seit der ersten Schule ist es uns wichtig, dass jedes Kind ein Buch sein Eigen nennen darf. Das gilt natürlich auch für unsere erwachsenen Schülerinnen. Heute bekam jede von ihnen ihr allererstes Buch, geschrieben von arabisch-stämmigen Autorinnen wie Samar Yazbek oder Dima Wannous, die das Leben unserer Frauen kennen.

Wir haben in unseren Camps gesehen, wie gut es unseren Camp-Kindern tut, wenn wir auch deren Mütter fördern. Mit unserem Literacy Course und unseren Näh-Workshops haben wir in diesem Jahr schon kleine Schritte in diese Richtung gemacht. Vorreiter auf dem Gebiet ist die Organisation WOMEN NOW FOR DEVELOPMENT, deswegen habe ich sie heute besucht. Die syrische NGO hat 2 Niederlassungen in Beqaa, eine in Chtaura und eine in Majdal Aanjar, direkt an der Grenze. Beide sind nur wenige Autominuten von unseren Camps entfernt. Anas Tello, Leiter der Niederlassung in Chtaura, hat seinen freien Tag geopfert, um mich durch beide Gebäude zu führen und mir die Projekte zu erklären. Es war sehr beeindruckend!

Das Programm basiert auf 4 Säulen:

  • Education: Women Now For Development bietet Frauen die verschiedensten Kurse an, Von lesen und Schreiben angefangen bis hin zu Englisch-, Näh, Computer- oder sogar Managementkursen. Frauen können sich ihrem Level angepasst in einer friedvollen Atmosphäre, in der sie sich sicher fühlen können, weiterbilden.
  • Protection: die psycho-soziale Betreuung der Frauen und Kinder hat Priorität, Therapeuten stehen ihnen zur Verfügung um die erlebten Kriegstraumata zu verarbeiten.
  • Participation: Die Frauen werden ermutigt, etwas vollkommen neues zu tun: am politischen und sozialen Leben aktiv teilzunehmen.
  • Advocacy: die Frauen haben in Women Now For Development Fürsprecher, die sie bei Problemen beraten, für sie einstehen, auf ihrer Seite sind.

Wer und wie die Organisation gegründet hat/wurde, kann hier bei uns auf dem Blog nachgelesen werden. Ich war sehr beeindruckt von der Konsequenz des Projektes, von Vortragsräumen über eine kleine Bibliothek, von Kinderbetreuungszimmern bis Computerräumen, von abseits gelegenen Therapiezimmern bis zu Handarbeitsräumen wurde an alles gedacht. Ich habe sehr viel gelernt und mitgenommen und wir hoffen, dass zukünftig eine Zusammenarbeit mit dieser wunderbaren Organisation möglich sein wird.
Morgen bekommen wir Besuch aus Gestratz und übermorgen wird unsere Allgäuschule eröffnet, es wird also wieder einiges zu berichten geben!

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