Libanon Tagebuch VI – Tag 05 (Allgäu)

Die Situation in den Camps ist oft ein Spiegelbild der Situation in Syrien. Wenn sich auf der einen Seite der Grenze große Umbrüche vollziehen, ist das meist auch auf der anderen Seite der Fall.

Das syrische Regime sieht den Krieg als „gewonnen“ an und will seine Geflüchteten zurückhaben, zumindest die, die von Nutzen sein können, also vor allem Facharbeiter, die zum Wiederaufbau nötig sind. Der Libanon will die Geflüchteten dringend loswerden. Was beiden Seiten jedoch ignorieren ist: ein großer Teil der Flüchtlinge könnte, selbst wenn der Krieg vorbei wäre (was er nicht ist, man muss nur einen Blick nach Idlib werfen) nicht in ihr Heimatland zurückkehren, so lange das Assad-Regime an der Macht bleibt. In der Bekaa-Ebene kollidieren also gerade ganze Interessenswelten und die Kollisionen hinterlassen tiefe Spuren.

Ausgewiesen können die syrischen Flüchtlinge nicht werden, aber es gibt Gemeinden in der Bekaa-Ebene, die „ihre“ Flüchtlinge aus den Camps auf ihrem Grund und Boden vertreiben und ihnen damit oft gar keine andere Wahl lassen, als in die Heimat zurückzukehren, die nicht mehr ihre Heimat ist. Tausende von Vertriebenen werden gerade aufs Neue vertrieben und niemand berichtet darüber.

Auch Baalbek ist eine dieser Gemeinden und viele der Flüchtlinge, über 70 Familien, sind in den letzten Tagen in unsere Camps gekommen und haben um Aufnahme gebeten, die wir ihnen natürlich gewährt haben. Der heutige Tag bestand daher vor allem darin, zusätzliche Lebensmittel zu verteilen und die Versorgung der (nun angewachsenen) Camps sicherzustellen. Heute Morgen haben wir also erst einmal eingekauft.

In allen Camps, auf die wir die neuen Flüchtlinge verteilt haben, haben wir diese Lebensmittel dann auch verteilt.

Außerdem konnten wir heute endlich die Phoenix-Schule besuchen. Ein riesiges Schlagloch auf der einzigen Verbindungsstraße hat uns tagelang davon abgehalten und die Straße unpassierbar gemacht. Da niemand sonst ein Interesse hat, in die Camps zu kommen, mussten wir selbst die Behebung des Schadens organisieren und dafür aufkommen. Heute konnten wir unsere Phoenix-Kinder endlich besuchen und sie haben sich sehr darüber gefreut.

Außerdem ist heute unser Besuch aus Gestratz angekommen und wir freuen uns sehr über Bürgermeister Johannes Buhmann und Michaela Nobis, ein Mitglied des Helferkreises. Beide werden uns morgen in die Bekaa-Ebene begleiten und bei der Eröffnung der neuen Schule, der ALLGÄUSCHULE, dabeisein.

Bis morgen!

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