Libanon Tagebuch VI – Tag 07 (Allgäu)

Unser letzter Tag in Bekaa war ein sehr stressiger, aber schöner. Unsere erste Station war natürlich die Allgäuschule. Nachdem Linus und Lilith noch schnell die Reste der gestrigen Einweihungsparty entfernt hatten konnte der 1. offizielle Schultag für die Kinder losgehen. Der war natürlich sehr aufregend, denn wie versprochen wurden von unseren Gestratzer Gästen erst mal die Schulbücher, Hefte und Schulrucksäcke verteilt.

Danach trennten sich unsere Wege und die Gestratzer gingen zu einem Meeting mit dem Bürgermeister von Barr Elias, während wir die Tigerschue und die Pinguinschule besuchten, um Lebensmittel zu verteilen, da beide Camps Geflohene aus Baalbek aufgenommen haben.

Wir hatten außerdem eine sehr spannende Begegnung als wir das ALPHABET-Auto zum Kundendienst brachten: dort trafen wir in der Werkstatt auf einen fließend deutsch-sprechenden Syrer, der 2013 zu Fuß (!!!!) nach Deutschland floh. 68 Tage habe er gebraucht erzählt er uns und war 4 Jahre dort, hat bei Osram gearbeitet, die Sprache gelernt, sich „integriert“. Aber langfristig sehe er in Deutschland keine Zukunft für Syrer, man sei dort nie wirklich zugehörig, bleibe immer Außenseiter. Vor 8 Wochen kam er nach Beirut, und da er kein Flüchtling mehr ist, sondern ein Einreisender aus Deutschland, konnte er sich mit dem gesparten Geld selbständig machen und in einer Garage (ca. 25 qm) seine Werkstatt mit gekoppeltem Schrottplatz hinter der Garage eröffnen. Als ich ihm von unserer Arbeit erzähle ist er sofort Feuer und Flamme und bietet an, Workshops in unseren Camps anzubieten und den größeren Kindern Mechaniker-Kurse zu geben. Eine tolle Idee, die wir auf jeden Fall weiterverfolgen werden.

Noch eine weitere schöne Überraschung wartete an diesem Tag: im Camp der Allgäuschule gehört ein Stück Land dahinter dem Besitzer des Camp-Grundstücks. Auf dem Feld wird Gemüse angebaut, aber viel liegt verdörrt auf dem Boden und wurde nie geerntet. Als ich den Besitzer besuche, sagt er mir, er sei zu alt um sich in der Hitze um das Feld zu kümmern und wir vereinbaren, dass unsere Lehrer und Schüler die Pflege übernehmen und dafür auch das Gemüse ernten dürfen. Er war einverstanden und die Kinder waren begeistert.

  

Danach waren wir eingeladen, mit dem Bürgermeister von Barr Elias essen zu gehen in einem wunderschönen Restaurant in einem Naturschutzpark in Majdal Aanjar, direkt an der syrischen Grenze. Es war ein sehr positives Zusammensein und besonders hat mich gefreut, dass auch Yehya, unser wichtigster Lehrer, zu dem Treffen dazukommen durfte.

Morgen geht es leider zurück nach Deutschland, aber in den Herbstferien werden wir wieder hier, in unserer zweiten Heimat, sein und freuen uns schon sehr!

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