Libanon Tagebuch VII – Tag 01 (Sonnenblumenschule)

Gestern sind meine Kinder und ich wieder im Libanon angekommen für den Bau der elften Zeltschule: der Sonnenblumenschule.

Die Sonnenblumenschule ist eine ganz besondere. Ja, ich weiß, das sage ich von jeder unserer Zeltschulen (und es stimmt auch immer), aber die Sonnenblumenschule ist noch ein bisschen besonderer:

Erstens wird sie gebaut im liebevollen Andenken an eine ganz besondere kleine Zeltschule-Unterstützerin, Fritzi, der die Kinder in unseren Camps sehr am Herzen lagen, und die leider nach einem schrecklichen Unfall im letzten Sommer viel zu früh in den Himmel vorausgegangen ist. Fritzis Familie und Freunde sponsorn die Sonnenblumenschule in ihrem Gedenken und auch die Campkinder kennen mittlerweile alle Fritzis Namen und ihre Geschichte, stellen mir viele Fragen zu ihr und fühlen sich mit ihrer Familie sehr verbunden. Verlust ist etwas sehr Greifbares in den Camps. Been there. Done that. Verlust ist eine Sprache, die hier alle sprechen; er ist überall, in jedem Zelt sitzt er mit uns auf dem Boden und trinkt Tee, omnipräsent, laut, unleugbar. Dass aber aus Verlust etwas so großartiges, hoffnungsvolles, positives, lebendiges erwachsen kann wie eine Schule, spendet uns allen Trost. Vielen Dank dafür an Fritzis Familie!

 

Der zweite Grund, warum die Sonnenblumenschule so besonders ist, ist der, dass Sturm Norma uns allen noch in den Knochen steckt. Ende Januar standen unsere Camps noch knietief unter Wasser. Wieder haben die Menschen hier verloren, zwar diesmal „nur“ Dinge, aber dafür die wenigen, die sie nur hatten. Noch immer sind wir dabei, Wasserschäden zu reparieren, Lebensmittel, Kleidung, Matratzen… die dem Wasser zum Opfer gefallen sind, zu ersetzen. Vermutlich wäre es klug, mit dem Bau der Schule bis Sommer zu warten, aber die Kinder im Sonnenblumencamp sind nun im achten Kriegsjahr ohne Schule, jeder weitere Tag scheint mir unzumutbar. Am 15.03. jährt sich der Ausbruch des Krieges zum achten mal. Da ab diesem Wochenende erneute Regenfälle angesagt waren (und diese Vorhersage auch eingetreten ist, wir sind im strömenden Regen gelandet), haben wir letzte Woche schon mit dem Fundament und dem Gerüst begonnen und über diese Entscheidung bin ich heute sehr glücklich. Das Fundament ist ausgehärtet, alles Weitere können wir auch im Regen fertigstellen. Und am Mittwoch soll die Sonne wieder scheinen und wir hoffen auf eine trockene Eröffnungsfeier mit Sonnenschein, wie es sich für die SONNENblumenschule gehört. Fritzi wird uns dabei bestimmt helfen.

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