Libanon Tagebuch – Tag 05 (Sonnenblumenschule)

Heute Nacht hatte ich wieder eine Idee. Ja, ich weiß, da schrillen die Alarmglocken, aber diesmal war es eine bessere als gestern mit dem Netz: es würde doch sicher toll aussehen, wenn wir die Holztische und Holzbänke in der neuen Schule bunt streichen würden!

Lehrer und Schüler der Sonnenblumenschule sind mittlerweile schon einiges von mir gewohnt und reagieren gelassen, als wir die Acrylfarbe aus dem Kofferraum holen.
Wir sind um 7.45 Uhr in Beqaa (Schulbeginn ist um 8 Uhr), aber vor der Tür stehen schon gute 100 Kinder. Sie helfen beim Reintragen der Farbeimer und hören sich geduldig meinen Vortrag darüber an, dass ich auch am liebsten gleich loslegen würde, dass es aber wirklich besser ist, wenn ich das mit den Lehrern am Abend mache, weil die Tische dann über Nacht in Ruhe austrocknen können. Wir wechseln einen bedeutungsvollen Blick und dann machen wir die Farbeimer auf und fangen an zu malen. Man kann schließlich nicht immer vernünftig sein.

 

Alle Kinder sammeln sich in dem Zimmer, in dem gerade  NICHT gestrichen wird und wir verteilen die Schulrucksäcke. Einige hält es schon beim Öffnen des Koffers nicht mehr auf den Sitzen und wir haben 15 chaotische Minuten, aber dann hält jedes Kind einen der wunderschönen, von Fritzis Familie und Freunden gestalteten Schulrucksäcke in der Hand. Die Freude ist groß, denn erst mit Rucksack, Stiften, Spitzer, Radiergummi….. ist man ein richtiges Schulkind. Außerdem sind die bemalten Rucksäcke auch gleichzeitig unser Schulausweis: da es die natürlich nirgends zu kaufen gibt, können wir so immer die Kinder, die wirklich in unsere Schulen gehören, sofort identifizieren. Gerade beim Lebensmittelverteilen o.ä. kommen nämlich auch oft Kinder aus Nachbarcamps und stellen sich mit an.

 

 

 

 

Der nächste Nachbar der Sonnenblumen sind die Phoenixe. Die beiden Camps werden nur durch eine (momentan unter Wasser stehende) Schotterstraße getrennt. Die Phoenixschule liegt aber rund einen Meter tiefer als die Sonnenblumenschule und leider ist das ein Meter, der zählt: bei den Phoenixen steht wieder ein Klassenzimmer unter Wasser.

 

Lehrerin Reem hat alle Bänke in das trockene Zimmer geräumt und (enger bestuhlt) finden so nun 2 Gruppen gerade noch Platz, es muss also kein Kind auf den Unterricht verzichten. Noch ist das Wetter leider sehr instabil. Im Arabischen gibt es ein Sprachbild dafür, dass es regnet noch während die Sonne scheint, übersetzt heißt es, dass Katzen und Mäuse heiraten – diesbezüglich haben wir in den letzten Tagen viele Hochzeiten erlebt! Auch heute hat der Regen selbst dann nicht aufgehört, wenn die Sonne sich kurz durch die Wolken gedrängt hat, und morgens hatten wir sogar Hagel.

Zum Trost bekommen die Phoenixkinder ein paar Süßigkeiten und die restlichen bemalten T-Shirts, worüber sie sich sehr freuen.

Unsere Gummistiefel haben mittlerweile aufgegeben und sind nicht nur furchtbar schmutzig, sie sind auch nicht mehr dicht.

 

Ranim, Lilith, Linus und ich freuen uns daher sehr, als wir am Nachmittag unsere Füße am Ofen in Yehyas Zelt trocknen können, auch wenn der Grund, der uns zu Yehya führt, nicht erfreulich ist: Bürokram. Yehya und ich hassen es beide aus tiefstem Herzen, aber es muss gemacht werden: die Namenslisten für die neue Schule müssen komplett sein, Anwesenheitslisten müssen vorbereitet werden damit sie täglich geführt werden können, die Stundenpläne müssen festgelegt werden, damit sie in den Klassen ausgehängt werden können, Schulakten werden angelegt…….  Horror, aber wenigstens sind meine Füße warm und Yehyas Frau, Em Abdu, kocht und wir haben endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich einmal wieder Zeit, um mit Yehyas Familie gemeinsam zu essen, etwas das wir beim ersten Schulbau täglich getan haben und für das bei der wachsenden Zahl der Schulen immer seltener Zeit bleibt.

 

Wir freuen uns schon darauf, was der morgige Tag alles bringt und hoffen auf besseres Wetter!

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