DIY – (Welten)MACHERIN: Lauren Bush Lauren

Lauren Bush Lauren ist die Enkelin von George Bush sen. und die Nichte von George W. Bush und Jeb Bush und bekommt von mir schon mal allein dafür Pluspunkte, dass sie nie versucht hat, in die Politik zu gehen. Danke, Lauren!

Im Gegensatz zu den vorgenannten ‚Büschen‘ ernährt sie stattdessen Millionen armer Kinder weltweit und das macht sie natürlich zu einer hervorragenden Kandidatin für unsere DIY-(Welten-)Macherinnen.

Lauren Bush and FEED team visiting the Primary School in Munege, southern Rwanda.

Lauren Bush and FEED team visiting the Primary School in Munege, southern Rwanda.

Lauren war eigentlich Model, sogar ein sehr erfolgreiches, das es sogar als Cover-Girl auf den Pirelli-Kalender, die Vogue und Vanity Fair schaffte, wollte sich aber darauf nicht festlegen lassen. In Princeton machte sie ihren Abschluss in Anthropologie, 2004 wurde sie offizielle Botschafterin des Welternährungsprogramms der UN (WFP) und reiste in deren Auftrag Guatemala. Und wie Reisen das manchmal so an sich haben, veränderte diese ihre Leben.

“It was overwhelming. I was frustrated not knowing what I could do.”

In Guatemala sah sie mit eigenen Augen die Auswirkungen von Hunger, aber vor allem auch einen Weg, der die Situation maßgeblich verbessern kann: Schulmahlzeiten. So bestätigte sich bei späteren Reisen für das WFP nach Kambodscha und Tschad  immer wieder, dass eine einzige kostenlose, nahrhafte Mahlzeit am Tag es Kindern ermöglicht, die Armutsspirale, in die sie hineingeboren wurden, zu durchbrechen.

LBL Ellen2007 gründete Lauren zusammen mit Ellen Gustafson, einer Politikwissenschaftlerin, die ebenfalls für das WPF arbeitete und seit langem durch ihre Arbeiten die Verbindung zwischen Hunger und Gewaltbereitschaft nachweisen wollte, das Lebel „FEED“.

Was zuerst nur als Fundraiser für das WPF geplant war, entwickelte bald ein Eigenleben. Lauren erkannte, dass sie viel mehr tun wollte, dass sie viel mehr tun konnte, dass es möglich war, die Nahrungsverteilung auf globaler Ebene zu verändern.

lauren-bush-quotes-2301In FEED beschäftigt sie sich mit etwas, womit sie sich auskennt: Fashion im weitesten Sinn. Es geht dabei nämlich vor allem um Taschen. Ja, schon wieder ein Semi-Promi, der Accessoires designt, der Unterschied ist dabei nur, dass Laurens Taschen hunderttausende von Leben retten. Der Kampf gegen den Hunger soll für die Käufer im wahrsten Sinne des Wortes greifbar werden, deswegen  hat jede ihrer Taschen eine Zahl eingestempelt, die anzeigt, wie viele Mahlzeiten man mit diesem Kauf finanziert hat.

FEED TascheMeine Lieblingstasche wird von Massai-Künstlern gefertigt und jeder Kauf finanziert die Schulmahlzeiten zweier Kinder für ein ganzes Jahr! Unglaublich, oder?

“What Feed does is give individuals a way to participate in very big, overwhelming world issues in a way that’s fun, creative, accessible and easy. You are not asking someone to dedicate their life to  the issue. You are just saying, ‘Here’s this easy thing to do, you are going to make a difference.’ We’re very transparent about the difference people can make.”

LBL oneBis heute hat Feed Unvorstellbares vollbracht. Zu den Taschen kamen längst andere Produkte hinzu, T-Shirts, Schals, Accessoires und Babysachen werden in den Ländern gefertigt, in denen die Not am größten ist, um den Menschen keine Almosen zu geben, sondern Hilfe zur Selbstversorgung. 60 Millionen Mahlzeiten hat FEED nach Kolumbien, Guatemala, Haiti, Indien, Kenia und Peru gebracht, bis zum zehnten Geburtstag des Unternehmens nächstes Jahr will Lauren die Marke der 100 Millionen erreicht haben. Das Überleben tausender Kinder ist durch Lauren gesichert.

Nach ihrer Heirat mit David Lauren, Sohn des Modeschöpfers Ralph Lauren, wird aus Lauren Bush „LBL“, wie Freunde ihre kuriose Namensverdoppelung seither abkürzen.

Baby James hat die Familie vorerst komplettiert, doch auch er ist natürlich kein Grund für Lauren, kürzer zu treten. Was sie und FEED von anderen Initiativen unterscheidet; ist der herzergreifende Pragmatismus, der der Idee zugrunde liegt. Sie ist keine Missionarin, keine selbstlose Gutmenschin, die ständig den moralischen Zeigefinger hebt – sie ist immerhin unter Büschen aufgewachsen.

Security PerspectiveWichtig sind ihr zwei Dinge:

  • Zu vermitteln, dass Armut und Hunger gefährlich sind. Nicht nur für die Hungernden, sondern auch für sonst diäthaltende Erste-Welt-Bewohner. Zusammen mit Ellen Gustafson hat sie immer versucht, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es eine direkte Verbindung zwischen Armut, Hunger, der ungerechten Verteilung der Nahrungsmittel auf der Welt, Gewaltbereitschaft und Terrorismus gibt. Den Hunger zu bekämpfen heißt also auch, Terrorismus zu bekämpfen und die eigene Sicherheit zu erhöhen.
  • Die Einfachheit des Helfens aufzuzeigen. Das Wort Spende ist meistens gekoppelt an Verzicht, wir sollen etwas weggeben; Geld, das wir eigentlich dafür ausgeben wollten, uns etwas zu gönnen, soll nun an Bedürftige gehen. Verzicht ist unserer Gesellschaft schwer zu verkaufen und das hat Lauren erkannt: statt einer Konsumgesellschaft den Konsum ausreden zu wollen (was leider utopisch wäre), hat sie einen Weg gefunden, den Konsum zu nutzen und ihn als Mittel zum Zweck des Helfens einzusetzen. Konsumieren Sie ruhig, kaufen Sie, gönnen Sie sich eine Designertasche ganz ohne schlechtes Gewissen, denn genau damit helfen Sie bei FEED.

LBL Kids3LBL hatte eine fantastische Idee: sie hat Helfen für uns auf eine Kaufentscheidung reduziert und hat es damit nicht nur einer empathieträgen Gesellschaft leichter gemacht, Gutes zu tun, sondern will damit auch bewusst machen, dass in unserer Zeit gerade unsere Kaufentscheidungen die relevantesten politischen Entscheidungen sind, die wir überhaupt treffen.

Quote BagWann haben wir zuletzt eine nicht konsumgesteuerte Entscheidung getroffen? Wann trafen Sie zuletzt eine Wahl, die nicht damit zu tun hat, was Sie essen, anziehen, oder bei Amazon bestellen wollen, welche Konzert- oder Kinotickets Sie kaufen oder ob Sie sich das neue iPhone gleich oder erst in ein paar Wochen kaufen? Wahlen sind nur alle paar Jahre, also zählen die nicht, und wann haben Sie zuletzt bewusst etwas gespendet, sich an einer Hilfsaktion beteiligt oder waren politisch aktiv? Sehen wir den Tatsachen ins Auge, der überwältigende Großteil unserer Alltagsentscheidungen sind Konsumentscheidungen, und eben diese müssen wir bewusster treffen, politischer treffen, denn mit einigen von ihnen können wir Leben retten.

LBL Kids2

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