Anuradha Koirala

Anuradha-KoiralaIn Ländern der Dritten Welt werden Frauen meist als entbehrlich angesehen, sie sind sozusagen „Verschleißmaterial“. Mädchen sind zusätzliche Esser, die selbst kaum die Chance haben, sich eigenständig versorgen oder Geld verdienen zu können, denen man passende Männer suchen muss, die eine teure Mitgift erfordern….

Nepal ist eines dieser Länder und es ist daher kaum verwunderlich, dass es fast an der Tagesordnung ist, dass Mädchen, die in ärmsten Verhältnissen geboren werden, von ihren Familien früh in Bordelle verkauft werden.

Anuradha Koirala aber ist eine Frau, die sich weigerte, entbehrlich zu sein; die nicht 10 Kinder in 13 Jahren bekommen wollte, um dann vollkommen entkräftet in ihren Dreißigern zu sterben und die Töchter ihrem Schicksal zu überlassen. Anuradha wollte einen Unterschied machen, nicht nur für sich, sondern vor allem auch für andere Frauen wie sie. Heute ist ihr 67. Geburtstag und sie kann von sich behaupten, über fünfzigtausend Mädchen vor der Zwangsprostitution gerettet zu haben. – Klingt ziemlich unentbehrlich, oder?

Anuradha StopAnuradha wurde in Indien geboren und ihre Familie verehrte Mutter Teresa als Ikone der Nächstenliebe. Auch Anuradha selbst nannte sie immer wieder als Inspiration für ihr soziales Wirken. Über 20 Jahre lang unterrichtete sie Englisch in einer Mädchenschule in Katmandu, ehe sie einen lang gehegten Traum realisieren konnte: missbrauchten Frauen zu helfen.

Anuradha selbst wurde sehr früh verheiratet und von ihrem Mann misshandelt, was zu drei Fehlgeburten führte, ehe sie ihn verließ. Es gab keinerlei Frauenhäuser oder andere soziale Stellen, an die sie sich hätte wenden können, deshalb beschloss sie schon damals, ihr Leben der Aufgabe zu widmen, solch eine Einrichtung zu schaffen.

anuradhakoirala imagine

1993 war es dann so weit und Anuradha gründete Maiti Nepal, wobei „Maiti“ übersetzt so viel bedeutet wie „mütterliches Zuhause“. Es ist ein Zufluchtsort für Mädchen, die es geschafft haben, aus Bordellen zu fliehen oder deren Zuhälter an der Grenze nach Indien bei dem Versuch, die Mädchen, ins Ausland zu verkaufen, festgenommen wurden. In Anuradhas Organisation bekommen sie medizinische und psychologische Hilfe und das Angebot, in ihre Familien zurückgebracht zu werden, sofern beide Seiten das möchten. Viele der Mädchen sind jedoch HIV-positiv oder zu traumatisiert oder werden von den Familien wegen des Stigmas der Prostitution nicht mehr aufgenommen, diese können dann in Maiti Nepal bleiben und dort einen Beruf erlernen, um unabhängig zu werden.

methods of trafficking

Jedes Jahr werden 15.000 (!!!) nepalesische Mädchen in indische Bordelle entführt oder den Eltern abgekauft. Nach dem großen Erdbeben vor einem Jahr gaben sich die Schlepper sogar teilweise als Mitarbeiter von Hilfsorganisationen aus, um die Eltern dazu zu bringen, ihnen ihre Töchter anzuvertrauen.

The traffickers give the families a year’s salary up front. They say, “Send her to the city with me now and when she comes to visit you in a year she will bring even more money home.” The families think their daughter has been given a great opportunity and send them away.

In Indien sind die nepalesischen Mädchen mit ihrer hellen Haut und den mongolischen Gesichtszügen heiß begehrt. Manche Mädchen werden ihren Familien so früh weggenommen, dass mit Hormonspritzen die Pubertät künstlich herbeigeführt wird, nur um sie endlich „einsatzbereit“ zu machen. Die Schlepper bekommen pro Mädchen zwischen 80.000 bis 200.000 Rupien, das sind etwa 700 – 1700€ (je nach Alter und Aussehen), die Investition hat sich für die Bordellbetreiber also schnell amortisiert.

When the traffickers come hey never say, “Come with me and I will make you a prostitute.” What happens is they come and say to the girl, “You will get a big job in the city and you will earn money.” There is also an education issue. The government says education is free but it is not free. What happens is that families rather send their boys to school than their girls. There are also no job opportunities for girls. It seems like a good opportunity when a disguised trafficker says, “I have a big job for your daughter in the city where she will make money and get married.” 

Mehr als 50.000 Mädchen und Frauen hat Anuradha mit  „Maiti Nepal“ seither aus indischen Bordellen befreit. Sie leistet auch präventive Arbeit und besucht regelmäßig Dörfer im Himalaya, um über die Tricks der Schlepper zu informieren und die Eltern aufzuklären, welches Schicksal ihre Mädchen erwartet, wenn sie sie den Schleppern mitgeben.

anuradha-koirala-and-celebrIm Jahr 2010 wurde Anuradha von CNN für ihre unermüdliche Arbeit zum „Hero oft he Year“ gekürt, doch das ist für die zierliche Dame im Rentenalter kein Grund, kürzer zu treten, im Gegenteil. Deshalb gehört sie auch bei uns auf dem Blog zurecht in die Heldinnen-Riege.

Wenn Sie Maiti Nepal mit einer kleinen Spende unterstützen möchten (funktioniert sogar per Paypal), dann können sie das hier tun.

Wer selbst erleben möchte, wie inspirierend und kraftvoll Anuradha ist, sollte sich auch unbedingt ihren TED Talk (ganz unten im Beitrag) ansehen.

The whole world would say girls are trafficked because of poverty. I would say that is not the case. Poverty is one of the causes but there are also no job opportunities and there is no education. There is gender disparity, a lack of literacy, and then, of course, there is poverty. The main cause is gender disparity. There is such a huge disparity of gender in our country that girls are considered second-class citizens. Women are considered second-class citizens.

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinrssyoutube