Gloria Steinem

Einige von Ihnen haben den Namen Gloria Steinem vielleicht noch nie gehört, ihr bekanntestes Zitat kennt aber jeder: „Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad!“

Fish bicycleDie (mittlerweile verstorbene) Feministin Carolyn Heilbrun brauchte fünf Jahre für ihre Biographie von Gloria Steinem, „The Education of a Woman„. Sie erschien 1995, also als Gloria 61 war. Heilbrun war damals fasziniert von Glorias „endless lending of herself to causes great and small”, und tatsächlich scheint es fast, als wäre Glorias Leben gar nicht ihr eigenes, als diene es nur als Katalysator für „die Sache“. Heilbrun hatte das Gefühl, dass Gloria kaum Zeit für Persönliches, für Reflexion und Intimität bliebe, doch was sie dabei außer Acht ließ ist die Tatsache, dass für Gloria das Politische immer schon zutiefst persönlich war.

Das wird spätestens deutlich wenn man Glorias Autobiographie „My Life On The Road“ liest, die fast zwanzig Jahre später erschien. Gloria hat sie einem unbekannten Londoner Frauenarzt gewidmet, Dr. John Sharpe, der 1957 eine Abtreibung bei Gloria vornahm, als das noch verboten war.

Dr. Sharpe sagte damals zu ihr:

“You must promise me two things. First, you will not tell anyone my name. Second, you will do what you want to do with your life.”

AbortionGloria betont in ihrer Autobiographie immer wieder, dass Dr. Sharpe und die Abtreibung selbst ihr das Leben ermöglichten, das sie später führte. Dass fast sechzig Jahre später Abtreibungen in großen Teilen der Welt nach wie vor verboten sind, sollte eigentlich unglaublich frustrierend sein, doch Gloria sieht das (wie die meisten anderen Dinge auch) sehr nüchtern: „Strides may be made in other areas – same-sex marriage, equal pay and opportunity – but abortion will be the last issue to fall.

Fast ihre ganze Jugend über, von zehn bis siebzehn, kümmerte sie sich um ihre psychisch kranke Mutter Ruth auf einer heruntergekommenen kleinen Farm in Ohio. Mit ihrem Vater Leo waren sie erst jahrelang mit einem Trailer durchs ganze Land gezogen, bis er sie verließ und sprichwörtlich sich selbst überließ. Ihre Eltern hätten sie geliebt, sagte Gloria Jahrzehnte später einmal in einem Interview, hätten sich aber nicht um sie kümmern können.

Sie studierte schließlich am prestigeträchtigen Smith College, anders als die meisten ihrer Mitstudentinnen aber nicht, um dort einen Mann zu finden. „In the 1950s, once you married you became what your husband was, so it seemed like the last choice you’d ever have…I’d already been the very small parent of a very big child—my mother. I didn’t want to end up taking care of someone else,“ sagte sie später dem People Magazin.

Der Rest ihres Lebens ist (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschichte. Sie arbeitete lange Jahre als freie Journalistin und ging Anfang der 60er Jahre „undercover“ in Hefners Playboy Club in New York und schrieb den berühmten Artikel  „I was a Playboy Bunny“ über die schlechten Arbeitsbedingungen und die miserable Bezahlung der Frauen dort. 1962 schrieb sie (noch vor Betty Friedans Buch „Weiblichkeitswahn“, über das wir nächste Woche berichten) einen Artikel im Esquire über den Zwiespalt der Frauen, zwischen Familie und Beruf wählen zu müssen. Anfang der 70er Jahre zog sie dann mit Flo Kennedy durchs Land (wünschten Sie sich auch gerade, Sie hätten eine Zeitmaschine?), danach gründete sie schließlich das feministische Magazin Ms., das bis heute existiert. Sie schrieb ein Buch über Marilyn Monroe, unterstützte Präsidentschaftswahlkämpfe von Bobby Kennedy bis Hillary Clinton, lebte zwei Jahre in Indien und war dort als Aktivistin tätig, reiste jahrzehntelang durch die ganze Welt, erhielt unzählige Auszeichnungen…..

gloriasteinem3Und während Gloria ihr Versprechen an Dr. Sharpe erfüllte und ihr Leben lebte, wurde sie von den Medien zu der feministischen Ikone hochstilisiert, obwohl sie das selbst nie wollte.

 

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