Mary McLeod Bethune

Marys Eltern Samuel und Patsy McLeod waren Sklaven auf einer Plantage in South Carolina, wie auch die meisten ihrer Kinder. Als die McLeods Mary McLeod Bethunefreigelassen wurden, sparten sie ihr Geld und kauften eine kleine Farm. Mary war als fünfzehntes von siebzehn McLeod-Kindern das erste, das in Freiheit geboren wurde. Alle Kinder mussten auf dem Feld mitarbeiten. Mit neun Jahren pflückte Mary 250 Pfund Baumwolle pro Tag, etwa so viel wie ein erwachsener Mann im Durchschnitt schafft. Außerdem machte ihre Mutter immer die Wäsche für die weißen Leute der Umgebung und Mary half ihr bei der Auslieferung. Manchmal konnte sie dabei auch einen Blick in die Kinderzimmer der weißen Kinder werfen und als Mary dort einmal  eines der Bücher aufschlug, wies das Kind sie sofort zurecht: „Leg das weg, du kannst doch sowieso nicht lesen!“ Da entschied Mary, dass der größte Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen der war, dass Weiße lesen und schreiben konnten. Mit elf Jahren durfte sie zum ersten Mal eine Schule besuchen (die Missionsschule der Presbyterianer). Sie lief jeden Tag 5km zur Schule und wieder zurück, und am Abend brachte sie ihren Eltern und Geschwistern bei, was sie gelernt hatte.

Nach ihrem Abschluss 1893 blieb ihr Wunsch, Missionarin in Afrika zu werden, unerfüllt, denn absurderweise war Schwarzen Missionarsarbeit untersagt. 1898 heiratete sie Albertus Bethune und wurde Mutter eines Sohnes,die Ehe hielt jedoch nicht lange.. Mary zog mit ihrem Sohn nach Daytona Beach/Florida und gründete 1904 die „Daytona Literary and Industrial School for Training Negro Girls“. Sie startete mit sechs Schülern (fünf Mädchen und ihrem Sohn) ohne jegliche Schulausstattung (umgedrehte alte Kisten ersetzten Tische und Stühle, als Bleistifte benutzten sie Kohlestücke, die Tinte war selbstgemachter Holunderbeerensaft). Von ihren mit den Jahren wachsenden Schülerzahl verlangte sie einen ähnlich rigorosen Tagesablauf, wie sie ihn aus ihrer Kindheit kannte: morgens um 5.30 Uhr begann der Tag für die Kinder mit Bibelstudien, danach Hauswirtschaftslehre und anschließend Unterricht in gewerblich nutzbaren Fähigkeiten wie Schneidern, Hutmachen, Kochen und anderem. Der Schultag endete erst um 21.30 Uhr. Mary war streng – zu sich selbst und anderen. Sie benutzte einen Gehstock, nicht weil sie ihn brauchte sondern wegen der Wirkung auf andere. Sie war eine überzeugte Abstinenzlerin und hatte keinerlei Hemmungen, betrunkenen Schwarzen, wild mit ihrem Stock gestikulierend, mitten auf der Straße eine Standpauke zu halten..

1923 fusionierte die Schule mit dem Cookman Institute in Jacksonville und entwickelte sich zum heute sehr angesehenen Bethune-Cookman-College.

Viele in der schwarzen Gemeinde kritisierten Marys pädagogische Ansätze, da ihr Schwerpunkt klar auf der praktischen Ausbildung der Schwarzen lag, und nicht etwa auf der schöngeistigen oder akademischen Bildung. „My people needed literacy, but they needed even more to learn the principles of farming, of making decent homes, of health and plain cleanliness“, rechtfertigt Mary ihre Prioritäten, doch andere große schwarze Vorbilder wie etwa Ida Wells teilten ihre Ansicht in keiner Weise. Wells warf ihr vor, Schwarze absichtlich zu entmutigen, eine höhere Laufbahn anzustreben und die Afro-Amerikaner damit gerade der Führer zu berauben, die sie so dringend brauchten. Marys Karriere profitierte sehr von ihrer Freundschaft mit Eleonor Roosevelt, die sie sehr unterstützte und auch dafür sorgte, dass Mary regelmäßig Kontakt zu Franklin Roosevelt hatte, um ihre Anliegen vorzubringen.

Generationen von Schülern nannten sie „Mama Bethune“ und sie selbst räumte oft ein, dass ihre Schule immer ihre erste Familie gewesen sei und ihr Sohn oft habe zurückstecken müssen. Sie ließ sich auch auf dem Campus ihres eigenen Colleges begraben.

Am 10. Juli 1974 (das wäre ihr 99. Geburtstag gewesen) ließ Robert Berks ihr zu Ehren eine Skulptur in Lincoln Park/Washington D.C. errichten. Gestiftet vom National Council of Negro Women, war dies die erste Statue einer schwarzen Frau, die je in einem öffentlichen Park in den USA aufgestellt wurde. An ihrem Podest ist als Inschrift ein Zitat aus ihrem Letzten Willen eingraviert:

„I leave you love. I leave you hope. I leave you the challenge of developing confidence in one another. I leave you a thirst for education. I leave you respect for the use of power. I leave you faith. I leave you racial dignity. I leave you a desire to live harmoniously with your fellow men. I leave you a responsibility to our young people.“

Ich bin mir nicht sicher, ob wir dieses Erbe angetreten haben.

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