Shirley MacLaine

Ich liebe Shirley MacLaine. Kennen Sie diese pseudo-kreativen „Beschreibe dich in 5 Worten“-Nonsens-Fragen? Ich bin in einer Kleinstadt in Maine aufgewachsen und die Mehrzahl der dortigen Einwohner braucht bis zum heutigen Tag nur zwei Worte, um mich zu beschreiben: „Die spinnt!“  –  Ich glaube, das macht mir Shirley MacLaine so sympathisch, denn wenn es jemals jemanden gab, auf den diese zwei Worte ebenfalls vollends zutreffen, dann sie. Shirley spinnt! (Und wäre vermutlich die erste, die dieser Behauptung auch zustimmt.)

Actress Shirley MacLaine arrives as a guest for the premiere of the motion picture musical drama "Dreamgirls", at the Wilshire Theatre in Beverly Hills, California on December 11, 2006. The movie, based on the Broadway musical, tells the story of a trio of black female soul singers during the 1960's. The movie opens in Los Angeles and New York on December 15. (UPI Photo/Jim Ruymen) [Photo via Newscom] upiphotos742627_LAP2006121156.jpg

(UPI Photo/Jim Ruymen) 

In diesem Leben (wer sie kennt, weiß, dass sie einige hatte) wurde sie nach Shirley Temple benannt und damit wurde ihr das Show-Biz praktisch in die Wiege gelegt. Sie hat eine klassische Tanzausbildung und wollte auch Tänzerin werden, beim Film landete sie mehr oder weniger zufällig und hat bis heute über fünfzig davon gedreht, für sechs war sie sogar Oscar-nominiert. Als sie den goldenen Mann 1983 für „Terms of Endearment“ (deutscher Titel: Zeit der Zärtlichkeit) schließlich verliehen bekam, schenkte sie sich alle geheuchelten Bescheidenheiten und sagte als erste Preisträgerin stolz ins Mikrophon:
„I deserve this!“ Das ist doch mal eine Ansage, oder?

Sie behauptet von sich selbst, keinerlei Neid oder Eifersucht zu kennen, weder beruflich noch privat, und wenn ich das jemandem glaube, dann ihr. Mit Ehemann Steve Parker war sie von 1954 bis 1982 verheiratet, sie führten aber die ganze Zeit über eine offene Ehe, Steve lebte sogar über einen langen Zeitraum mit Tochter Sachi in Japan, während Shirley in Hollywood arbeitete und jede Menge Affären hatte, darunter auch mit dem schwedischen Premierminister Olof Palme.

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Im mittleren Alter (also wenn Frauen heutzutage Pinterest und skandinavische Beistelltischchen entdecken) fand sie zu ihrer New Age-Philosophie und zu einer neuen Karriere als Buchautorin. Shirleys Selbstfindung ist ein Weg, den ihre Leser so gut kennen wie sie selbst. Wir waren mit ihr bei Fidel Castro, auf dem Jakobsweg, in China, in Südamerika, bei diversen Außerirdischen und natürlich auf den Spuren ihrer früheren Leben.

Wer ihre jetzige Existenz aufregend findet, der hat keine Ahnung von ihren früheren Reinkarnationen: Sie war schon alles Mögliche, von einer Geliebten Karls des Großen über eine japanische Geisha bis hin zu einem Modell für Toulouse-Lautrec. Ach ja, und ihr Hund war in seinem früheren Leben übrigens der ägyptischen Gott Anubis. – Ist es nicht einfach großartig, wenn man spinnt?

shirley-maclaine_02Seit über zwei Jahrzehnten lebt sie nun auf einer Ranch in Santa Fe, dreht immer noch Filme, schreibt immer noch Bücher und ist sehr engagiert für Frauenrechte, Umweltschutz und Politik. Sie war schon Wahlkämpferin für Robert Kennedy und George McGovern und erklärte öffentlich nach George W. Bushs Wahl, dass sich seinetwegen ihr Asthma verschlimmert habe (kann ich durchaus nachvollziehen), seit Obama Präsident ist, geht es ihr wieder gut.

Als Obama ihr den Orden des Kennedy Centers verlieh, erklärte er in seiner Laudation schmunzelnd, eine der Fragen, die einem ständig gestellt werde, wenn man Präsident wird, sei, was es denn nun wirklich mit Area 51 auf sich habe. „When I wanted to know, I’d call Shirley MacLaine, “ erklärte er lachend in Anspielung auf ihre zahlreichen selbstdokumentierten Begegnungen mit Außerirdischen. „I think I just became the first President to ever publicly mention Area 51.  How’s that, Shirley?“

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Sie ist jemand, der nicht viel braucht, der kein extravagantes Leben führt, keine schnellen Autos fährt oder große Diamanten trägt. Tatsächlich äußerte sie in einem großen Interview Oprah Winfrey gegenüber, sie brauche nur drei Dinge, um wirklich glücklich zu sein:

„All you really need in life is some fresh water, a good hat, and a really good pair of shoes.“

shirley-maclaine_04Natürlich treten Spinner auch in jedes Fettnäpfchen. Sie hat eine Theorie der Selbsterschaffung der Realität, die so weit geht, dass sie davon überzeugt ist, dass wir das Wetter, Krankheiten, Unfälle etc. beeinflussen können. Als sie sich selbst kurz vor einer Show den Knöchel brach, war sie davon überzeugt, diesen Unfall unterbewusst selbst herbeigeführt zu haben. Mit dieser Theorie geriet sie unter Beschuss, als sie z.B. in ihrem Buch „What if“ die These in den Raum stellte, Stephen Hawkings Schicksal sei möglicherweise selbst gewählt, er habe wie Jesus seinen Körper wissentlich geopfert, um mit seinem Geist der Menschheit dienen zu können. Auch mit der Theorie, für die Massenvernichtung der Juden im zweiten Weltkrieg durch die Deutschen sei möglicherweise „Karma“ verantwortlich gewesen, weil diese Juden in ihren früheren Leben womöglich gewalttätige Römer waren, die Christen abschlachteten (ebenfalls im Buch „What if“), machte sie sich keine Freunde.

shirley-maclaine_05Habe ich schon erwähnt, dass sie spinnt? So ist das nämlich mit Spinnern, sie haben keine Angst, unpopulären Quatsch zu sagen – im Gegensatz zu den sog. “normalen Leuten”, die sich nur trauen, absolut populären Quatsch zu äußern.

Aber das ist ok, sie braucht nämlich unseren Segen nicht für ihre Meinungen, sie hat Wasser, Schuhe, einen Hut und ihre 1000 Abenteuer.

„I don’t know what it’s like to not have what I want.
But then again, I don’t want too much.”

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